Wahlendspurt

Macron: Front National will den Zusammenbruch Frankreichs

+
Teilnehmer einer rechten Kundgebung zum Tag der Arbeit schwenken in Paris Flaggen mit der Aufschrift "The French party". Foto: Thibault Camus

Vor dem Endduell der Präsidentschaftswahl wird mit harten Bandagen gekämpft. Ex-Minister Macron sieht Frankreich in Gefahr, falls die Front National von Le Pen an die Macht kommen sollte.

Paris (dpa) - Wenige Tage vor dem Endduell der französischen Präsidentenwahl hat der Favorit Emmanuel Macron mit drastischen Worten vor seiner rechtspopulistische Gegnerin Marine Le Pen gewarnt.

Ihre Front National sei "die Partei des Anti-Frankreichs" und strebe den Zusammenbruch des Landes an, sagte Macron am Montag vor Tausenden Anhängern in Paris.

Der 39-Jährige kritisierte scharf den von Le Pen angestrebten Austritt aus der Europäischen Union (EU) und der Eurowährung. "Sie nutzen die Wut, propagieren Lügen, stacheln Hass an, schüren Spaltungen."

Le Pen und Macron treffen am Sonntag (7.5.) in der Wahl-Endrunde aufeinander. Der frühere Wirtschaftsminister Macron führt die Umfragen an. Vor gut einer Woche hatte er den ersten Wahlgang mit 24,01 Prozent gewonnen, es folgte Le Pen mit 21,3 Prozent. Die bürgerliche Rechte und die Sozialisten, die über Jahrzehnte die Geschicke des wirtschaftlich angeschlagenen Landes bestimmten, flogen aus dem Rennen.

Le Pen warf bei einem Treffen in Villepinte bei Paris Europafreund Macron vor, die Finanzwelt und die Globalisierung zu vertreten: "Ich rufe Euch auf, die Finanz, die Arroganz und die Herrschaft des Geldes zu verhindern", rief sie Tausenden Anhängern zu.

Die 48-Jährige fügte hinzu, Macron wolle Frankreich "der deutschen Kanzlerin" unterwerfen. Den Namen Angela Merkel nannte sie in diesem Zusammenhang nicht. Le Pen hatte sich im Wahlkampf mehrfach kritisch über Deutschland geäußert und gesagt, sie wolle "nicht Vizekanzlerin von Frau Merkel sein". Auch der EU-Skeptiker Nicolas Dupont-Aignan trat auf, der Premierminister von Le Pen werden könnte, falls sie an die Macht kommt.

Die traditionellen Demonstrationen zum 1. Mai waren in der Hauptstadt von Gewalt überschattet. Am Rande eines Marsches der CGT und anderer Gewerkschaften warfen Vermummte Molotow-Cocktails, die Polizei setzte Tränengas ein. Laut Innenministerium wurden vier Beamte verletzt. Medien berichteten, es habe fünf Festnahmen gegeben. An den Demonstrationen beteiligten sich nach Behördenangaben in ganz Frankreich rund 142 000 Menschen, davon 30 000 in Paris.

Macron sagte, die Stichwahl zwischen ihm und Le Pen am Sonntag werde Frankreichs Zukunft für Jahrzehnte entscheiden. Es gebe die Verantwortung, "unsere Demokratie, unsere Republik zu beschützen". Er wisse, dass auch Menschen für ihn stimmen werden, die seine Politik bekämpfen würden. "Aber mein Kampf ist heute auch ein Kampf dafür geworden, dass Sie Ihre Meinungsverschiedenheiten morgen noch äußern können."

Macron gedachte an der Seine-Brücke Pont du Carrousel des jungen Marokkaners Brahim Bouarram, der 1995 von Menschen ermordet wurde, die der extremen Rechten nahestanden.

Marine Le Pens Vater, der Front-National-Gründer Jean-Marie Le Pen, legte vor dem Denkmal der französischen Nationalheldin Jeanne d'Arc in Paris - wie schon in früheren Jahren - einen Kranz nieder. Der 88-Jährige war aus der Partei geworfen worden, ist aber nach einer richterlichen Entscheidung immer noch FN-Ehrenvorsitzender.

Mehr zum Thema

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesene Artikel

Bundestagswahl 2017: AfD kommt wieder in Schwung

Laut einer aktuellen Umfrage zur Bundestagswahl 2017 kann die AfD wieder leicht zulegen und sogar die Grünen hinter sich lassen. Hier geht es zur Wahlprognose.
Bundestagswahl 2017: AfD kommt wieder in Schwung

„Stoßen an Grenzen“: Kommunen fordern Stopp der Flüchtlingsverteilung

Die Kommunen fordern Entlastung bei der Aufnahme von Asylbewerbern: Flüchtlinge sollen Erstaufnahmeeinrichtungen bleiben, anstatt auf Gemeinden und Städte verteilt zu …
„Stoßen an Grenzen“: Kommunen fordern Stopp der Flüchtlingsverteilung

EU-Innenkommissar: China muss mehr gegen Schleuser tun

Berlin (dpa) - EU-Innenkommissar Dimitris Avramopoulos hat von China mehr Einsatz im Kampf gegen Menschenschmuggel auf dem Mittelmeer gefordert.
EU-Innenkommissar: China muss mehr gegen Schleuser tun

Gauland: Wir sind nicht für Putins "autoritäres Regime"

Von der AfD kommt kaum Kritik an Russland. Als "Putins Liebling" will die Partei aber nicht wahrgenommen werden. Spitzenkandidat Gauland findet es normal, dass die AfD …
Gauland: Wir sind nicht für Putins "autoritäres Regime"

Kommentare

Hinweise für das Kommentieren

Von Mo. bis Fr. in der Zeit von 18 bis 9 Uhr und am Wochenende werden keine neuen Kommentare freigeschaltet.
Bitte bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht.