Zum Selbstmord gezwungen

Peter Tauber provoziert mit Tweet zu Hitlers „Lieblingsgeneral“ – und kassiert heftigen Gegenwind

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Peter Tauber gedenkt dem Wüstenfuchs.

Zurückhaltend ist Peter Tauber selten. Immer wieder zeigt er sich auf Twitter äußerst aktiv, gerät damit häufiger in die Kritik. Seine neueste Provokation dreht sich um einen General der Wehrmacht.

München - Nach wie vor zählt er zu den umstrittensten Persönlichkeiten des Zweiten Weltkrieges, wird teils als Held gefeiert und gedacht, obwohl NS-Propagandaminister Joseph Goebbels ihn glasklar als einen Vertreter des Nationalsozialismus bezeichnete. Nun stimmte auch der Staatssekretär im Verteidigungsministerium, Peter Tauber (CDU), in das Gedenken um den „Wüstenfuchs“ ein, der als Lieblingsgeneral von Adolf Hitler gilt.

Die Rede ist von Erwin Rommel, der am 14. Oktober vor 74 Jahren starb. Mit den Worten „von den Nazis zum Selbstmord gezwungen“ erinnerte der frühere CDU-Generalsekretär Tauber auf Twitter an Rommel. Dabei war Rommel vermutlich selbst ein Anhänger der Nationalsozialisten.

Dementsprechend fiel die Reaktion unmittelbar auf Twitter recht harsch aus. Überwiegend empörten sich die Nutzer als Reaktion auf Tauber, die Bundestags-Vizepräsidentin Petra Pau (Linke) und der EU-Parlamentsabgeordnete Martin Sonneborn (Die Partei) hatten nur Spott übrig: „Waaaaas, mein alter Kumpel Rommel ist tot?!“, schrieb etwa Sonneborn - der noch am Wochenende mit einem Aktenkoffer im Schlepptau bei einem Termin von AfD-Politiker Björn Höcke auftauchte, verkleidet als Hitler-Attentäter Claus Schenk Graf von Stauffenberg.

Erwin Rommel wird mit Hitler-Attentätern in Verbindung gebracht

Genau mit diesem Anschlag wurde Rommel häufig in Verbindung gebracht und genießt deshalb teils einen Ruf als Widerstandskämpfer gegen Hitler. Stauffenberg und seine Gefolgsleute versuchten einen Umsturz zu bewirken, nachdem Hitler durch eine in einem Aktenkoffer versteckte Bombe getötet werden sollte. 

Mittlerweile gilt als gesichert, dass Rommel der Verschwörung nicht angehörte, sondern lediglich erfolglos dafür angeworben wurde. Mit den Gerüchten um seine Beteiligung konfrontiert und unter Androhung eines Verfahrens vor dem Volksgerichtshof nahm Rommel sich das Leben.

Rolle von Erwin Rommel im Dritten Reich umstritten

Dabei hatte Rommel unter den Nazis selbst eine steile Karriere gemacht. Zu Hitler pflegte er eine enge Beziehung und genoss dessen Bewunderung, war für die Nazi-Propaganda einer der Stars im Dritten Reich. Vor allem war er maßgeblich an den Operationen in Nordafrika und bei der missglückten Verteidigung der Atlantikküste am D-Day beteiligt, geriet im Jahr 1944 aber zunehmend mit Hitler in Konflikt. Verteidigt wird Rommel häufig damit, dass er lediglich ein Nutznießer und Opportunist im Dritten Reich gewesen sei, jedoch kein überzeugter Anhänger der Ideologie.

Besonders angreifbar machte sich Tauber mit seinem Tweet dadurch, dass sich am 14. Oktober auch der Aufstand der Häftlinge im Konzentrationslager Sobibor jährte - und das auch noch zum 75. Mal. Viele Kommentare wiesen darauf hin, dass das der deutlich geeignetere Anlass für ein Gedenken gewesen sei. 

Auch in der Politik stieß Tauber auf Widerstand. Die Umstände von Rommels Tod „machen ihn nicht zum Widerstandskämpfer“, sagte Verteidigungsexperte Fritz Felgentreu (SPD) der Bild von Mittwoch. 

Lesen Sie auch:  Politiker wettern gegen Rente für Unterstützer von Hitlers Nazi-Regime

Auch von der Leyen gerät in die Kritik

Auch der Grünen-Abgeordnete Tobias Lindner, Mitglied im Verteidigungsausschuss, kritisierte die positive Beurteilung des Wehrmachtsgenerals. "Wer sich als Wüstenfuchs und Lieblingsgeneral Hitlers hat missbrauchen lassen, kann kein Vorbild für die Bundeswehr sein", sagte Lindner der Bild. Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) wäre "gut beraten", die Kasernen, die Rommels Namen tragen, "endlich umzubenennen".

Wie mit dem Nachlass der Wehrmacht umgegangen werden soll, ist im Verteidigungsministerium momentan ein zentrales Thema. 2017 hatte ein Skandal um rechtsnationales Gedankengut in den Kasernen die Bundeswehr erschüttert. Daraufhin überarbeitete das Ministerium den Traditionserlass, der für die Truppe Verhaltensregeln im Umgang mit der Geschichte des Heeres vorschreibt. Wenn auch die Wehrmacht darin als Gesamtes als Teil des Unrechtsregimes im Dritten Reich betrachtet wird, können Einzelpersonen jedoch weiterhin als Vorbild für die Gegenwart dienen. Besonders Rommel stellt dabei einen Streitpunkt dar.

„Linke stehen Popo an Popo mit den Nazis“

Zwei Kasernen, aber auch zahlreiche Straßen oder Häuser im zivilen Umfeld sind auch heute noch nach Rommel benannt. Tauber verteidigte sich demnach und steht zu seiner Würdigung Rommels. Zahlreiche verbrecherische Befehle habe der General missachtet, sagte Tauber bild.de

Weniger sachlich fiel sein folgender Tweet aus: „Twitter ist echt was für Leute mit Schnappatmung. Freue mich über die ganzen Linken, die durch ihre Tweets offenbaren, dass sie in Wahrheit Popo an Popo mit den Nazis stehen.“

Wiederholt sich Geschichte? ARD-Magazin vergleicht 1929 mit 2018 - und AfD mit NSDAP

chp/afp

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