Schwere Zusammenstöße

Proteste in Hongkong: Schuss auf Aktivisten schürt neue Wut

Tränengasnebel in Hongkong: Trotz eines Verbots sind am chinesischen Nationalfeiertag Zehntausende für Demokratie und Menschenrechte auf die Straße gegangen. Foto: ---/kyodo/dpa
1 von 6
Tränengasnebel in Hongkong: Trotz eines Verbots sind am chinesischen Nationalfeiertag Zehntausende für Demokratie und Menschenrechte auf die Straße gegangen. Foto: ---/kyodo/dpa
Brennende Barrikaden in Hongkong: Insgesamt wurden bei den schweren Protesten 104 Menschen verletzt. Foto: ---/kyodo/dpa
2 von 6
Brennende Barrikaden in Hongkong: Insgesamt wurden bei den schweren Protesten 104 Menschen verletzt. Foto: ---/kyodo/dpa
Seit mehr als vier Monaten demonstrieren die Hongkonger gegen ihre eigene Regierung, die kommunistische Führung in Peking und ihren wachsenden Einfluss. Foto: Gemunu Amarasinghe/AP/dpa
3 von 6
Seit mehr als vier Monaten demonstrieren die Hongkonger gegen ihre eigene Regierung, die kommunistische Führung in Peking und ihren wachsenden Einfluss. Foto: Gemunu Amarasinghe/AP/dpa
Die Polizei von Hongkong versprüht blau gefärbtes Wasser, um Demonstranten zu markieren. Foto: Vincent Thian/AP/dpa
4 von 6
Die Polizei von Hongkong versprüht blau gefärbtes Wasser, um Demonstranten zu markieren. Foto: Vincent Thian/AP/dpa
Demonstranten randalieren in der Eingangshalle einer Hongkonger U-Bahn-Station. Foto: Kin Cheung/AP/dpa
5 von 6
Demonstranten randalieren in der Eingangshalle einer Hongkonger U-Bahn-Station. Foto: Kin Cheung/AP/dpa
Während in Peking der 70. Jahrestag der Republikgründung gefeiert wird, gehen in Hongkong Zehntausende für Demokratie und Menschenrechte auf die Straße. Foto: Vincent Thian/AP/dpa
6 von 6
Während in Peking der 70. Jahrestag der Republikgründung gefeiert wird, gehen in Hongkong Zehntausende für Demokratie und Menschenrechte auf die Straße. Foto: Vincent Thian/AP/dpa

Erstmals ist bei den Protesten in Hongkong ein Demonstrant mit scharfer Munition verletzt worden. Der 18 Jahre alte Aktivist soll in einem "stabilen Zustand" sein. Mitstreiter sind entsetzt.

Hongkong (dpa) - Nach einem Schuss auf einen jungen Demonstranten haben sich die Fronten zwischen der Hongkonger Demokratiebewegung und der Polizei weiter verhärtet.

Hunderte Demonstranten versammelten sich im Zentrum der chinesischen Sonderverwaltungszone, um gegen den Vorfall vom Vortrag zu protestieren. Auch in mehreren Schulen wurde zu Protestaktionen aufgerufen. Die Polizei sei "außer Kontrolle geraten", hieß es in einem Schreiben des pro-demokratischen Lagers, das die Gewalt der Beamten scharf verurteilte.

Der 18 Jahre alte Schüler war am Dienstag bei schweren Zusammenstößen von einem Polizisten angeschossen worden. Es war das erste Mal, dass ein Demonstrant in den seit Monaten anhaltenden Protesten von scharfer Munition verletzt wurde.

Der junge Mann sei in einem "stabilen Zustand", teilte die Krankenhausbehörde am Mittwoch mit. Wie die Hongkonger Zeitung "South China Morning Post" berichtete, wurde bei einer Operation ein Projektil aus seiner Brust entfernt.

Auf einem in sozialen Netzwerken geteilten Video war eine turbulente Kampfszene zwischen einer Gruppe von Demonstranten und Polizisten zu sehen. Der junge Mann ging mit einer Stange auf einen der Beamten los, daraufhin feuerte er aus nächster Nähe aus seinem Revolver. Der Demonstrant ging zu Boden.

Die Polizei teilte mit, sie bedauere, dass der Schüler verletzt worden sei. Der Beamte, der den Schuss abgab, fürchtete demnach um sein Leben und das seiner Kollegen. Der junge Demonstrant wurde offiziell wegen des Verdachts auf Angriff eines Polizeibeamten festgenommen, blieb aber im Krankenhaus.

Insgesamt wurden bei den schweren Protesten am Vortag 104 Menschen verletzt, wie die Krankenhausbehörde mitteilte. Zwei von ihnen waren demnach noch in einem kritischen Zustand.

Die Europäische Union reagierte besorgt auf die Eskalation der Gewalt und den Einsatz von Schusswaffen. Man bleibe dabei, dass nur Zurückhaltung, Deeskalation und Dialog weiterführten, erklärte die EU-Außenbeauftragte Federica Mogherini. Grundfreiheiten der Menschen in Hongkong müssten gewahrt werden, darunter die Versammlungsfreiheit. Diese Rechte müssten aber friedlich ausgeübt werden. Die EU messe dem hohen Grad von Autonomie Hongkongs große Bedeutung zu, fügte Mogherini hinzu.

Zeitgleich mit den Feierlichkeiten zum 70. Geburtstag der Volksrepublik China waren am Dienstag Zehntausende Demonstranten zunächst friedlich durch die Straßen der chinesischen Sonderverwaltungszone gezogen. Danach kam es an mehreren Orten in der Stadt zu schweren Ausschreitungen. Die Polizei verurteilte am Mittwoch in einer Mitteilung die Gewalt scharf. Demnach wurden 269 Demonstranten festgenommen.

Aktivisten hatten Straßen blockiert, warfen Pflastersteine, legten Feuer und warfen Brandsätze. Die Beamten setzen Tränengas, Schlagstöcke, Gummigeschosse und Wasserwerfer ein.

Die Demonstranten fordern eine unabhängige Untersuchung von Polizeigewalt bei den seit fünf Monaten andauernden Protesten, einen Straferlass für die mehr als 1500 bisher Festgenommenen, eine Rücknahme der Einstufung ihrer Proteste als "Aufruhr" sowie freie Wahlen.

Seit der Rückgabe 1997 an China wird Hongkong mit einem eigenen Grundgesetz autonom regiert. Die Hongkonger stehen unter Chinas Souveränität, genießen aber - anders als die Menschen in der kommunistischen Volksrepublik - mehr Rechte wie Meinungs- und Versammlungsfreiheit, um die sie jetzt fürchten.

Mehr zum Thema

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesene Artikel

Angeschlagene Greta Thunberg in Davos kämpferisch: „Ihr wollt darüber nicht reden, aber...“

Erstmals seit September werden Klimaaktivistin Greta Thunberg und US-Präsident Donald Trump wieder aufeinander treffen. Am Dienstag spricht die Aktivistin in Davos.
Angeschlagene Greta Thunberg in Davos kämpferisch: „Ihr wollt darüber nicht reden, aber...“

Journalist auf Demo brutal verprügelt - dann erhebt er schweren Vorwurf:  „Das Schockierendste ...“

Bei einer Demonstration in Athen ist ein deutscher Journalist angegriffen und verprügelt worden. Die Polizei habe erst nach mehreren Minuten eingriffen. 
Journalist auf Demo brutal verprügelt - dann erhebt er schweren Vorwurf:  „Das Schockierendste ...“

Fahrräder „unpraktisch und gefährlich“: Politiker wird nach Rede veralbert - Reaktionen fallen deutlich aus

Fahrräder erobern die Städte und drängen Autos aus den Zentren. Das findet Dirk Spaniel skandalös. Zur Rede des AfD-Politikers gibt es teils schockierte Reaktionen.
Fahrräder „unpraktisch und gefährlich“: Politiker wird nach Rede veralbert - Reaktionen fallen deutlich aus

Scholz in Not: Torpediert jetzt Österreich die Finanzierung der Grundrente?

Nach einem neuen Gesetzesentwurf des Arbeitsministeriums sollen mehr Menschen von der geplanten Grundrente Profitieren. Die minimalen Beitragsjahre wurden gesenkt.
Scholz in Not: Torpediert jetzt Österreich die Finanzierung der Grundrente?

Kommentare

Hinweise für das Kommentieren

Von Mo. bis Fr. in der Zeit von 18 bis 9 Uhr und am Wochenende werden keine neuen Kommentare freigeschaltet.
Bitte bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht.