Prozess in Malaysia

Mord an Kim-Halbbruder: Angeklagten droht die Todesstrafe

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Eine der mutmaßlichen Attentäterin wird Anfang März in Kuala Lumpur aus einem Gericht eskortiert. Foto: AP

Die Ermordung von Kim Jong Uns Halbbruder sorgte weltweit für Schlagzeilen. Mehr als sieben Monate nach dem Tod des Nordkoreaners wird jetzt zwei Frauen der Prozess gemacht. Doch die Hintermänner fehlen vor Gericht.

Kuala Lumpur (dpa) - Wegen des Giftmords am Halbbruder von Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un droht den beiden mutmaßlichen Haupttäterinnen in Malaysia die Todesstrafe.

Die zwei Frauen im Alter von 25 und 29 Jahren stehen seit Montag in einem Vorort der Hauptstadt Kuala Lumpur vor Gericht. Ihnen wird vorgeworfen, den Nordkoreaner Kim Jong Nam Mitte Februar auf dem Flughafen von Kuala Lumpur mit dem Nervengas VX ermordet zu haben. Beide plädierten auf nicht schuldig. Angeblich hielten sie das Ganze nur für einen Scherz fürs Fernsehen.

Vermutet wird, dass der Anschlag auf das Konto des nordkoreanischen Geheimdienstes geht. Die Führung des kommunistischen Staates weist jedoch alle Vorwürfe zurück. Von den mutmaßlichen Hintermännern ist niemand in Haft. Mehrere Nordkoreaner, die sich zur Tatzeit in Malaysia aufhielten, verließen das südostasiatische Land unter merkwürdigen Umständen. Die Staatsanwaltschaft sprach am Montag von vier weiteren Verdächtigen, ohne Namen oder Nationalität zu nennen.

Kim Jong Nam war der älteste Sohn des langjährigen Machthabers Kim Jong Il (1941-2011) aus einer früheren Ehe. Der 45-Jährige galt eine Zeit lang auch als erster Anwärter auf die Nachfolge, fiel dann aber in Ungnade. Seit Jahren hielt er sich außerhalb Nordkoreas auf, oft in Malaysia und dem chinesischen Spielerparadies Macao. Mehrfach äußerte er sich kritisch über sein Heimatland. Als Regimegegner galt er jedoch nicht. Es gibt Experten, die vermuten, dass er sich als Ersatz für den Fall bereithielt, dass Kim Jong Un gestürzt wird.

Die zwei Angeklagten - die Vietnamesin Doan Thi Huong (25) und die Indonesierin Siti Aishah (29) - wurden am Montag unter strengsten Sicherheitsvorkehrungen ins Gericht gebracht. Aus Furcht vor einem Hinterhalt trugen sie schusssichere Westen. Die beiden gaben bislang immer an, von Fremden angeheuert worden zu sein. Angeblich dachten sie, sie müssten ihrem Opfer für eine Art "Versteckte Kamera" eine ungefährliche Substanz in Gesicht drücken. Die Staatsanwaltschaft glaubt hingegen, dass sie genau Bescheid wussten.

In Wahrheit handelte sich nach Erkenntnissen der Ermittler um das Nervengas VX, das von den Vereinten Nationen als Massenvernichtungsmittel eingestuft wird. Die Tat wurde von den Überwachungskameras des Flughafens gefilmt. Auf den Aufnahmen ist auch zu sehen, wie Kim Jong Nam nach dem Überfall zunächst an einen Schalter geht und um Hilfe bittet. Er starb dann noch auf dem Weg ins Krankenhaus. Der Leichnam wurde erst nach wochenlangen diplomatischen Querelen zurück nach Pjöngjang gebracht.

Der Fall hatte die Beziehungen zwischen Nordkorea und Malaysia - einem der wenigen Staaten, die noch halbwegs normale Kontakte mit Pjöngjang unterhielt - massiv belastet. Beide Länder wiesen gegenseitig die Botschafter aus. Mittlerweile hat sich die Lage wieder beruhigt. Allerdings empfahl Malaysia jetzt vor dem Prozess seinen Bürgern, keinesfalls nach Nordkorea zu reisen.

Der Prozess wird vermutlich mindestens zwei Monate dauern. Insgesamt sollen mehr als 150 Zeugen befragt werden. Auch mehrere wissenschaftliche Gutachter sollen Auskunft geben. Einen Antrag der Verteidigung, die Identität der vier weiteren Verdächtigen offenzulegen, lehnte das Gericht am Montag ab. Nach Medienberichten handelt es sich dabei um nordkoreanische Agenten, die wenige Stunden nach der Tat in ihre Heimat flohen.

Malaysia gehört zu den Ländern, die die Todesstrafe nicht nur im Gesetzbuch stehen haben, sondern auch vollstrecken. Auch in diesem Jahr gab es bereits Hinrichtungen. Normalerweise wird das Urteil durch den Strang vollstreckt.

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