Streit um Aussagen des russischen Präsidenten

„Antisemitisches Schwein“: Putin braust auf - Polen quittiert das prompt

Präsident Putin trifft Unternehmergemeinschaft in Moskau
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Präsident Putin trifft Unternehmergemeinschaft in Moskau

Wer hat die Deutungshoheit über die Geschichte? Russlands Präsident Putin schimpft über einen polnischen Diplomaten im Zweiten Weltkrieg - Warschau reagiert umgehend.

  • Polen hat den russischen Botschafter nach Warschau zitiert.
  • Der Grund: Russlands Präsident Putin hatte den einstigen Botschafter Polens als „Drecksack“ bezeichnet.
  • Das Gespräch in Warscheu verlief schwierig.

Warschau - Aus Protest gegen Äußerungen des Kremlchefs Wladimir Putin zur Vorgeschichte des Zweiten Weltkriegs hat Polen den russischen Botschafter ins Außenministerium in Warschau einbestellt. „Wir sind bereit, Russlands Diplomaten die historische Wahrheit so lange wie nötig zu erklären“, twitterte Vizeaußenminister Marcin Przydacz am Samstag. Die Welt werde die „wahre Bedeutung“ des Molotow-Ribbentrop-Paktes, des deutsch-sowjetischen Nichtangriffspakts vom August 1939, nicht vergessen. Russland wehrt sich gegen eine historische Gleichstellung der kommunistischen Sowjetunion mit dem Faschismus.

Putin über einstigen polnischen Botschafter: „Antisemitisches Schwein“

Putin hatte für Aufsehen in Warschau gesorgt, weil er den polnischen Botschafter in Berlin in den Jahren 1933 bis 1939, Jozef Lipski, als „antisemitisches Schwein“ bezeichnet hatte. Der Diplomat habe Hitler bewundert. Nach Kremlangaben sagte Putin am Dienstag bei einer Sitzung des Verteidigungsministeriums wörtlich mit Blick auf den Polen: „Ein Drecksack, ein antisemitisches Schwein - anders lässt sich das nicht bezeichnen. Er hat sich komplett mit Hitler solidarisiert in seinen antijüdischen, antisemitischen Tendenzen und vor allem hat er ihm versprochen, ihm für die Verhöhnung des jüdischen Volkes ein Denkmal zu errichten.“

Streit um Putin-Aussagen: schwieriges Gespräch in Warschau

Das Gespräch im Außenministerium in Warschau am Freitag sei schwierig, aber korrekt gewesen, sagte der Moskauer Botschafter in Polen, Sergej Andrejew, der russischen Staatsagentur Tass zufolge. Russland kritisiert, dass Polen für sich nicht die alleinige richtige Deutung der Geschichte beanspruchen könnte. Putin hatte zuletzt immer wieder davor gewarnt, der Sowjetunion unter Diktator Josef Stalin eine Mitschuld am Zweiten Weltkrieg zu geben. Russland will im kommenden Jahr den 75. Jahrestag des Sieges über Nazi-Deutschland groß feiern.

Im geheimen deutsch-sowjetischen Nichtangriffspakt hatten Nazi-Deutschland und die Sowjetunion vereinbart, Polen unter sich aufzuteilen. Die neue Grenze verlief entlang des Flusses Bug. Mit dem Angriff deutscher Truppen auf Polen begann im September 1939 der Zweite Weltkrieg. Im Juni 1941 überfiel Hitler-Deutschland ohne vorherige Kriegserklärung auch die Sowjetunion. In Russland wird heute wieder über die Deutung des Hitler-Stalins-Pakts gestritten.

Unterdessen wurde der Putin-Kritiker Ruslan Schaweddinow angeblich entführt und auf eine Militärbasis in der Arktis gebracht. Auch sein Chef Alexej Nawalny wurde verhaftet. Wladimir Putin ist derzeit in seiner letzten Amtszeit. Als Nachfolger wird Sergei Schoigu gehandelt.

Mehr zu Putin im Video: Russlands Präsident lädt zur Jahres-PK

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dpa/frs

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