Eisspezialität hat lange Tradition

Rassismus-Vorwürfe wegen Eisbecher-Name: Inhaber stellt Entstehung klar und reagiert dennoch - „schade ...“

Weil zwei Eisbecher in einer Eisdiele im Essener Stadtteil Rüttenscheid einen rassistischen Namen haben sollen, hat der Inhaber jetzt reagiert.

  • Eisdiele in Essen hat ein Rassismus-Problem.
  • Der Name zweier Eisbecher ist einem Unbekannten ein Dorn im Auge.
  • Derweil hat der Ursprung der Eisspezialitäten offenbar gar keinen rassistischen Hintergrund.

Essen/Rüttenscheid - Völlig aus dem Nichts flatterte Eisdielen-Inhaber Dirk Hermanski ein Schreiben des interkulturellen Solidaritätszentrums Essen ins Haus. Ihm wird vorgeworfen in seiner Eisdiele „Mörchens Eis“ zwei Eisbecher mit rassistischem Namen zu verkaufen. Derweil haben die Bezeichnungen für die Eisspezialitäten wohl einen ganz anderen Ursprung. 

Essen/Rüttenscheid: Namen von Eisdiele und Eisbecher geht auf Gründerin zurück

Stein des Anstoßes sind zwei Eisbecher mit den Namen „Mohren-Kuller“ und „Mohren-Birne“ wie Bild.de (hinter der Bezahlschranke) berichtet. Die hauseigenen Eisspezialitäten bestehen einmal aus zwei riesigen Kugeln Schoko- und Vanille-Eis überzogen mit einer Schokoladenglasur. Im zweiten Fall geht es um eine Birne die ebenfalls mit Schokolade überzogen und mit Vanille-Eis umrahmt wird. Einem Unbekannten hat die Namenswahl jedoch gar nicht geschmeckt und hat sie angezeigt. 

Besonders bitter für den Besitzer der Traditions-Eisdiele „Mörchens Eis“ ist, dass die Namen auf seine Mutter zurückgehen und nichts mit der veralteten Bezeichnung für Schwarze zu tun hat. Die Gründerin des Eiscafés hieß mit ihrem Mädchennamen Mohr und wurde als Kind immer „Mörchen“ gerufen. Diesen Spitznamen übernahm dann Mutter Rita 1970, als sie ihre Eisdiele eröffnete. Ihr Sohn und jetziger Besitzer Hermanski ist geknickt aufgrund der Beschuldigungen. „Es ist schade, dass hinter einem so beliebten Eisbecher sofort ein rassistischer Gedanke vermutet wird.“ Und der Inhaber weiter: „Wir sprechen uns ausdrücklich gegen jede Form von Rassismus aus. Unsere Mitarbeiter kommen aus vielen verschiedenen Kulturen. Der Verfasser des Schreibens hat sich leider nicht die Mühe gemacht, genauere Informationen einzuholen.“

Die Eisdiele „Mörchens Eis“ in Essen/Rüttenscheid ist über die Stadtgrenzen hinaus sehr beliebt

Obwohl es bei den Namen der Eisbecher keinen rassistischen Hintergrund gibt, will Besitzer Hermanski die Eisspezialitäten doch umbenennen. „Mörchens Eis“ ist aber nicht nur in Essen bekannt und beliebt. Sogar NRW-Landeschef Armin Laschet hat schon die Kreationen von Hermanski und seinem Team verkostet. (tel)

Besonders durch den Tod des Afro-Amerikaners George Floyd* ist die Rassismus-Debatte wieder in den Fokus gerückt. Neue Erkenntnisse schildern eine erschreckende Vorgeschichte in dem Fall. Könnte so ein Fall auch in Deutschland* passieren? Die Antwort gibt Kriminologe Christian Pfeiffer. Um Solidarität mit den schwarzen Opfern von Polizeigewalt in den USA zu zeigen, wurde 2013 die „Black Lives Matter“-Bewegung* gegründet. Obwohl der Kampf gegen den Rassismus immer wieder aufgegriffen wird, ist das Problem leider nach wie vor existent. Palace-Profi Wilfried Zaha wurde nun Opfer heftiger Anfeindungen. *merkur.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

Rubriklistenbild: © picture alliance/dpa / Axel Heimken

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