Warnung vor Kostenbelastungen

Mehr Pflege-Ausbildung geplant

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Die oft am Limit arbeitenden Pflegekräfte sollen Verstärkung und Entlastung bekommen. Foto: Oliver Berg/Archiv

Es soll ein umfassendes Programm werden, um die Personalnot in der Pflege zu überwinden. Nun stellt die Bundesregierung erste Pläne für die Fachkräfte-Sicherung vor. Finanzielle Mahnungen kommen auch.

Berlin (dpa) - Der Sozialverband VdK hat die geplanten Impulse für die Ausbildung dringend benötigter Pflegekräfte begrüßt, fordert aber Klarheit über die Finanzierung.

"Wichtig ist, dass die Kosten, die mit diesen Verbesserungen einhergehen, nicht den Pflegebedürftigen und ihren Familien aufgebürdet werden", sagte VdK-Präsidentin Verena Bentele der Deutschen Presse-Agentur. Das Geld, um Altenpflegeberufe attraktiver zu machen, müsse aus der Pflegeversicherung und aus Steuermitteln kommen. "Die Eigenanteile dürfen nicht weiter steigen."

Die Bundesregierung will heute Maßnahmen vorstellen, mit denen die Pflege-Ausbildung verstärkt werden soll. Nach Angaben von Familienministerin Franziska Giffey (SPD) soll die Zahl der Auszubildenden und der ausbildenden Einrichtungen gemeinsam mit den Ländern im Schnitt um zehn Prozent erhöht werden. Geplant sind auch 5000 Weiterbildungsplätze. Umgesetzt werden soll das Paket bis 2023.

Giffey, Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) und Arbeitsminister Hubertus Heil (SPD) wollen damit erste Ergebnisse einer im Sommer 2018 gestarteten "Konzertierten Aktion Pflege" präsentieren. Ihr gehören Arbeitgeber und Gewerkschaften, Wohlfahrtsverbände und Kirchen, Krankenkassen und Betroffenenverbände an. Bis diesen Sommer sollen umfassende Vorschläge gegen die Personalnot erarbeitet werden. In der Alten- und Krankenpflege sind rund 40.000 Stellen unbesetzt.

Die Gesetzlichen Krankenversicherungen (GKV) warnten vor Illusionen, das Pflegeproblem allein durch ausländische Kräfte lösen zu können. "Im Kern müssen wir als Gesellschaft unsere Hausaufgaben selbst machen", sagte Gernot Kiefer, Vorstand des GKV-Spitzenverbands, der dpa. Selbstverständlich seien qualifizierte Kräfte egal aus welchem Land aber auch willkommen. Gebraucht werde zudem eine angemessene Vergütung der Pflegekräfte. Auf dem Weg dahin wären flächendeckende Tarifverträge "ein ganz wichtiger Schritt". Die überfällige höhere Wertschätzung des Berufs könne nicht alleine über die Vergütung erfolgen, sie wäre aber ein zentraler Baustein.

Der Pflegebevollmächtigte der Regierung, Andreas Westerfellhaus, begrüßte die geplante "Ausbildungsoffensive". Er erwarte auch von allen anderen Arbeitsgruppen der "Konzertierten Aktion" - wie zu den Arbeitsbedingungen oder der Digitalisierung - in gleicher Weise konkrete Ergebnisse, sagte er dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (Montag). "Unverbindliche Selbstverpflichtungen würden zu keiner Problemlösung führen."

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