Bericht der "Washington Post"

Russische U-Boote haben Datenkabel im Nordatlantik im Visier

+
Ein Seekabel vor der Verlegung: Angeblich interessieren sich russische U-Boote für die wichtigen internationalen Datenkabel. Foto: Stefan Sauer

Aktivitäten russischer U-Boote im Atlantik machen die Nato zunehmend nervös. Wie es heißt, operieren sie in der Nähe von Unterwasserkabeln - hochwichtigen Kommunikationslinien nach Europa und Nordamerika. Was wäre, wenn sie gekappt oder angezapft würden?

Washington/Brüssel (dpa) - Die Nato ist besorgt über zunehmende Aktivitäten russischer U-Boote im Mittelmeer und Atlantik. "Russland hat massiv in seine Marine investiert, insbesondere in U-Boote", sagte der Generalsekretär des westlichen Bündnisses, Jens Stoltenberg, der "Frankfurter Allgemeinen Wochenzeitung" (F.A.S.).

Demnach wurden seit 2014 13 weitere U-Boote ausgeliefert. Die russischen Aktivitäten in diesem Bereich seien jetzt auf dem höchsten Niveau seit dem Kalten Krieg, so Stoltenberg. Die U-Boote operierten überall im Atlantik und "auch näher an unseren Küstenlinien".

Der "Washington Post" zufolge, die ebenfalls an dem Gespräch mit Stoltenberg teilnahm, halten sich russische U-Boote immer häufiger in der Nähe wichtiger Datenkabel im Nordatlantik auf. Diese stellten den Internetverkehr und andere Kommunikationsverbindungen nach Europa und Nordamerika sicher, berichtete die Zeitung unter Berufung auf hochrangige Militärvertreter. Über diese Kanäle würden auch täglich Handelsgeschäfte im Umfang von Billionen Dollar abgewickelt.

Wenn es gelänge, diese Verbindungen zu kappen, hätte das immense Folgen für die globale Wirtschaft. Würden die Kabel angezapft, könnten sie Moskau wertvolle Einblicke in den internationalen Internetverkehr geben.

"Russland zeigt klar ein Interesse an der Unterwasser-Infrastruktur der Nato und Nato-Länder", zitierte die "Washington Post" US-Admiral Andrew Lennon, den Kommandeur der U-Boot-Streitmacht des westlichen Bündnisses.

Nach Angaben der Zeitung ist die Nato mittlerweile so nervös, dass sie zur Sicherung des Nordatlantiks die Wiedereröffnung eines nach dem Kalten Krieg geschlossenen Kommandopostens plane. Stoltenberg sprach der F.A.S. zufolge von Plänen für ein neues Kommando für den Atlantik und für Logistik in Europa, die den effizienten Nachschub von Personal und Material bei einem eskalierenden Konflikt mit Russland sicherstellen sollen.

Nato-Verbündete arbeiten laut "Washington Post" auch mit verstärktem Tempo daran, ihre Anti-U-Boot-Kampfkapazitäten zu verbessern. Zudem hätten die Aktivitäten den Westen zur Wiederbelebung ihrer Fähigkeiten zur U-Boot-Jagd gezwungen. Das habe man zwar auch nach dem Kalten Krieg immer wieder geübt, aber in den vergangenen Monaten sei es notwendig geworden, diese Aufspür-Fähigkeiten zu praktizieren.

Washington Post

Mehr zum Thema

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesene Artikel

Trump kündigt umfassenden Bericht zum Fall Khashoggi an

"Who did it?" - Wer hat die Tötung des saudischen Journalisten Jamal Khashoggi befohlen? US-Präsident Donald Trump will das klären. Es könnte die nächste dramatische …
Trump kündigt umfassenden Bericht zum Fall Khashoggi an

Scholz bremst vor Merkel-Macron-Treffen bei EU-Digitalsteuer

Eine Digitalsteuer für US-Konzerne wie Amazon in Europa ist ein Wunschprojekt Frankreichs - aber die Bundesregierung fürchtet den Zorn Donald Trumps, etwa gegen deutsche …
Scholz bremst vor Merkel-Macron-Treffen bei EU-Digitalsteuer

AfD stellt Team gegen Brüsseler "Eurokratie" auf

Magdeburg (dpa) - Die AfD hat weitere eurokritische Kandidaten für die Europawahl im Mai 2019 bestimmt. Bei der Europawahlversammlung waren sich Kandidaten und …
AfD stellt Team gegen Brüsseler "Eurokratie" auf

Umfrage: So wirkt sich der Wettstreit um CDU-Vorsitz aus - es gibt überraschende Verluste 

Wie wirkt sich der Kampf der drei möglichen Kandidaten Kramp-Karrenbauer, Spahn und Merz um die Nachfolge von Angela Merkel aus? Es gibt eine neue Umfrage. Alle News im …
Umfrage: So wirkt sich der Wettstreit um CDU-Vorsitz aus - es gibt überraschende Verluste 

Kommentare

Hinweise für das Kommentieren

Von Mo. bis Fr. in der Zeit von 18 bis 9 Uhr und am Wochenende werden keine neuen Kommentare freigeschaltet.
Bitte bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht.