Rüstung

Russisches Atomrüstungsprogramm besorgt Nato-Staaten

+
Eine Flagge der Nato am Hauptquartier des Verteidigungsbündnisses in Brüssel. Foto: Daniel Naupold

Verstößt Russland - wie von den USA behauptet - gegen einen wichtigen Abrüstungsvertrag? Und wenn ja: Muss die Nato darauf reagieren? Um diese Frage wird seit Jahren hinter verschlossenen Türen diskutiert. Nun sollen Vorschläge für Handlungsoptionen auf dem Tisch liegen.

Brüssel (dpa) - Innerhalb der Nato wird darüber nachgedacht, wie auf einen Verstoß Russlands gegen ein Abkommen über nukleare Mittelstreckensysteme reagiert werden könnte.

Nach Informationen von "Süddeutscher Zeitung", NDR und WDR wurde im Bündnis dazu ein als geheim eingestuftes Papier an die Mitgliedsstaaten übermittelt. Es soll insgesamt 39 Optionen auflisten.

Zum Beispiel sei von der Möglichkeit die Rede, die nukleare Abschreckung der Nato auszubauen, berichten die Medien. Zudem gebe es Empfehlungen, mehr Frühwarnsysteme zu installieren, die U-Boot-Abwehr zu verstärken und strategische US-Bomber der Typen B-2 und B-52 häufiger in Europa einzusetzen.

Auch die Einsatzbereitschaft jener Flugstaffeln in Europa zu erhöhen, die Atombomben abwerfen können, soll genannt werden. Zudem überlegten die Autoren, wie Russland an den Verhandlungstisch gebracht werden könnte, heißt es.

Ein Nato-Sprecher wollte am Freitag weder die Existenz der Papiere bestätigen, noch sagen, wer sie erstellt haben könnte. Er bestätigte lediglich eine "ernste Besorgnis" der Allianz, und dass es innerhalb der Nato bereits formelle Gespräche über die Einhaltung des sogenannten INF-Vertrages und mögliche sicherheitspolitische Konsequenzen gegeben habe. Das Abkommen der USA mit Russland verbietet den Vertragspartnern unter anderem den Bau und den Besitz landgestützter atomar bewaffneter Marschflugkörper mit einer Reichweite von 500 bis 5500 Kilometern.

Die Vorwürfe, dass sich Russland nicht an das Abkommen aus dem Jahr 1987 hält, sind bereits mehrere Jahre alt und stammen von den USA. Ob sie von allen anderen 28 Bündnispartnern unterstützt werden, ist unklar. Der Nato-Sprecher verwies in Hinblick auf diese Frage auf die jeweiligen Hauptstädte. "Es gab zu diesem Thema bislang keine Entscheidung des Nordatlantikrates", bestätigte er. Auch eine Reaktion des Bündnisses auf mögliche Verstöße gegen das Abkommen würde eine Konsensentscheidung des obersten Nato-Gremiums erfordern.

Russland wirft im Gegenzug auch den USA vor, gegen den INF-Vertrag zu verstoßen. Beide Atommächte modernisieren derzeit ihr Kernwaffenarsenal.

Mehr zum Thema

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesene Artikel

Merkel spricht bei Sommerpressekonferenz

In Berlin ist politische "Sommerpause". Eine Garantie, dass es auch wirklich ruhig zugeht, ist das nicht. Etliche Konflikte schwelen unter der Decke. Das weiß auch die …
Merkel spricht bei Sommerpressekonferenz

Trump will Putin im Herbst nach Washington einladen

Die Kritik an US-Präsident wegen seines Gipfels mit Kremlchef Putin hält an. Trump reagiert darauf auf seine Art: Er will einen zweiten Gipfel mit Putin - diesmal in …
Trump will Putin im Herbst nach Washington einladen

Gedenken an Widerstand des 20. Juli 1944 in Berlin

Vor 75 Jahren wollten deutsche Offiziere den Krieg beenden und Hitler stürzen. Doch das Attentat scheiterte und die Nazis nahmen blutige Rache. Nun wird wie jedes Jahr …
Gedenken an Widerstand des 20. Juli 1944 in Berlin

Anwalt: Fall Sami A. durfte "nicht durchgezogen" werden

Die Aufregung um Sami A. versteht nicht jeder Bürger. Für den deutschen Anwaltsverein ist die Sache aber klar: Auch bei einem Gefährder dürfe ein Rechtsstaat eine …
Anwalt: Fall Sami A. durfte "nicht durchgezogen" werden

Kommentare

Ab dem 25.5.2018 gilt die Datenschutzgrundverordnung. Dazu haben wir unser Kommentarsystem geändert. Um kommentieren zu können, müssen Sie sich bei unserem Dienstleister DISQUS anmelden. Sollten Sie zuvor bereits ein Profil bei DISQUS angelegt haben, können Sie dieses weiter verwenden. Nutzer, die sich über den alten Portal-Login angemeldet haben, müssen sich bitte einmalig direkt bei DISQUS neu anmelden.

Hinweise für das Kommentieren

Von Mo. bis Fr. in der Zeit von 18 bis 9 Uhr und am Wochenende werden keine neuen Kommentare freigeschaltet.
Bitte bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht.