Verfahren geht weiter

Mehr als ein Dutzend Befangenheitsanträge im NSU-Prozess abgelehnt

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Fortsetzung NSU-Prozess

Rund ein Dutzend Befangenheitsanträge hatte es zuletzt im NSU-Prozess gegeben. Nun sind allesamt abgelehnt - das Verfahren läuft seit heute wieder weiter.

München - Nach einer Serie von Befangenheitsanträgen und zwei wochenlangen Unterbrechungen ist der Münchner NSU-Prozess am Dienstag fortgesetzt worden. Der Vorsitzende Richter Manfred Götzl teilte zu Beginn mit, dass auch der letzte noch ausstehende Befangenheitsantrag gegen ihn und weitere Richter des Oberlandesgerichts abgelehnt worden sei. Diese Nachricht habe er unmittelbar vor Sitzungsbeginn erhalten. 

Dennoch begannen die mit Spannung erwarteten Nebenklage-Plädoyers auch am Dienstag nicht - unter anderem weil das Gericht zunächst diverse Dokumente verlesen ließ. Seit dem Plädoyer der Bundesanwaltschaft müssen die Hinterbliebenen der zehn Mordopfer des „Nationalsozialistischen Untergrunds“ und die Verletzten zweier Bombenanschläge in Köln auf das Wort für ihre Plädoyers warten - seit mehr als einem Monat verzögern die Befangenheitsanträge den Fortgang des Verfahrens.

Verfahren nicht in Gefahr

Insgesamt waren seit dem Abschluss des Plädoyers der Anklage rund ein Dutzend Befangenheitsanträge gestellt und abgelehnt worden. Den Anwälten der Angeklagten Ralf Wohlleben und André E. gelang es aber nicht, das Verfahren wegen auslaufender Fristen in Gefahr zu bringen - der Prozess darf in der Regel nur drei Wochen unterbrochen werden. E.s Anwalt kündigte aber an, mit seinem Mandanten über mögliche Konsequenzen aus den abgelehnten Befangenheitsanträgen zu sprechen.

Hauptangeklagte im NSU-Prozess ist die mutmaßliche Neonazi-Terroristin Beate Zschäpe. Sie ist als Mittäterin an allen Verbrechen des NSU angeklagt, darunter zehn vorwiegend rassistisch motivierte Morde. Zschäpe ist das einzige noch lebende Mitglied der Terrorzelle NSU - ihre beiden Komplizen Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt haben sich den Ermittlungen zufolge nach einem fehlgeschlagenen Banküberfall im November 2011 getötet.

Für Zschäpe hatte die Bundesanwaltschaft die höchstmögliche Strafe verlangt: lebenslange Haft mit anschließender Sicherungsverwahrung. 

Für die mutmaßlichen Terrorhelfer Wohlleben und E. beantragte Bundesanwalt Herbert Diemer jeweils zwölf Jahre Haft, zwei weitere Angeklagte sollen demnach für fünf und für drei Jahre hinter Gitter.

dpa

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