Schriller Streit im TV

"Wollen Sie Zoff?“ Journalistin geht Maischberger im ARD-Talk an

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„Wollen Sie Zoff oder wollen Sie Gedankenaustausch?“: Gabriele Krone-Schmalz verlor bei Maischberger fast die Fassung. 

Sandra Maischberger hatte am Mittwoch unter anderem die Journalisten Gabriele Krone-Schmalz und Udo Lielischkies zu Gast. Es ging hoch her.

„Trump oder Putin: Vor wem müssen wir mehr Angst haben?“ Unter diesem reißerischen Motto stand am Mittwochabend die Sendung von Sandra Maischberger. Wie sich bald herausstellen sollte, gibt die Frage reichlich Anlass für heftige Auseinandersetzungen. Bisweilen machte es den Eindruck, man befinde sich wieder im kalten Krieg - doch diesmal unfähig, sich für eine Seite zu entscheiden. 

Zu Beginn machte die Moderatorin einmal die Runde, sodass schnell klar wurde, wo sich die Gäste im USA-Russland-Spektrum verorten. Sarah Wagenknecht (Die Linke) war der Ansicht, man müsse mehr Angst vor Trump als vor Putin haben, während sich EU-Parlamentarier Elmar Brok (CDU) vom Gegenteil überzeugt zeigte: immerhin führe Putin Krieg in Syrien und der Ukraine. Der ARD-Russland-Korrespondent Udo Lielischkies warnte vor der Unentschlossenheit der Europäer: man dürfe Putin gegenüber mit Sanktionen nicht so zaghaft sein. 

Giftgas-Skandal als Wahlwerbung für Putin

Die Journalistin Gabriele Krone-Schmalz wies darauf hin, dass die deutsche Bevölkerung trotz russland-kritischer Berichterstattung in den Medien ein besseres Verhältnis zu Russland wünsche. „Die EU hat ein Interesse daran, Russland als Partner zu haben.“, sagte sie. Umgekehrt sei es genauso. Sie warf der britischen Premierministerin Theresa May vor, im Fall Skripal falsch gehandelt zu haben. Die Aufklärungsarbeit hätte man der Organisation für das Verbot chemischer Waffen (OPCW) überlassen müssen, so Krone-Schmalz.  

Die Journalistin Gabriele Krone-Schmalz konnte den Anschuldigungen gegen Wladimir Putin kaum ruhig zuhören. Sie war selbst von 1987 bis 1991 Russland-Korrespondentin.

Sarah Wagenknecht stellte zudem die Frage, was Russland und Putin für ein Motiv gehabt hätten, so einen Giftmord in Großbritannien zu verüben. Udo Lielischkies schritt ein: die Affäre um Skripal habe Putin die sehnlich erwünschte höhere Wahlbeteiligung gebracht. Denn eine feindselige EU sei das Narrativ, mit dem er zu Hause punkten könne. Angesichts solcher Ausführungen blies Gabriele Krone Schmalz schon entnervt die Backen auf. 

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„Wollen Sie Zoff oder wollen Sie Gedankenaustausch?“

„Wollen Sie Zoff oder wollen Sie Gedankenaustausch?“, ging Krone-Schmalz Moderatorin Maischberger alsbald an, als diese fragte, ob Putin denn nun alles dürfe. „Sie brauchen mir nicht zu unterstellen, dass ich irgendwie Putin ständig verteidige“, fuhr sie fort. Sie sei fest davon überzeugt, man müsse verschiedene politische Perspektiven kennen, um richtige politische Entscheidungen zu treffen. „Wer in der Wirtschaft falsche Entscheidungen trifft, den kostet das Geld. In der Politik falsche Entscheidungen zu treffen, kann schon mal den Frieden kosten.“, warnte sie. 

ARD-Russland-Korrespondent Udo Lielischkies widersprach seiner Kollegin Gabriele Krone-Schmalz deutlich. Er ist Chef im ARD-Studio in Russlands Hauptstadt Moskau.

Lielischkies bezeichnete die Theorien von Gabriele Krone-Schmalz schlicht als „seltsam“. Putin habe spätestens 2006 beschlossen, dass er die Isolation vom Westen braucht. Russland sei ein „kleptokratisches Tribut-System“. Die Briten sollten den russischen Oligarchen ans Geld gehen anstatt Diplomaten auszuweisen, so Lielischkies. In Russland besäßen nämlich 1% der Bevölkerung 75% des gesamten Vermögens. 

„Halten Sie mal die Luft an!“

„Sie bauen Ihre Mythen so schnell auf, dass man kaum hinterherkommt“, warf er später Gabriele Krone-Schmalz vor, nachdem die dem Westen unterstellt hatte, er mache keine ernsthaften Schritte in Richtung Russland, um den Frieden zu wahren. Diese Ansicht entsprach ihrer immer wieder vorgetragenen Meinung, der Westen habe Russland vor den Kopf gestoßen. „Halten Sie mal die Luft an!“ wies Lielischkies seine Kollegin schließlich an, da die sich nicht in der Rolle der „Putin-Versteherin“ gefiel und ihn unterbrechen wollte. 

Letztlich konnte die Frage nicht beantwortet werden, ob nun US-Präsident Donald Trump oder Russlands Präsident Wladimir Putin eine größere Gefahr für Deutschland und Europa darstellen. Es blieb dennoch der Eindruck, der drohende Handelskrieg mit Amerika sowie die unklare Rolle Russlands im Giftgas-Skandal mit Großbritannien sorgten für ein unterkühltes internationales Klima - nicht allzu verschieden von den Tagen des kalten Krieges.

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Laurenz Gehrke

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