ZDF-Talk bei „Maybrit Illner“

CDU-Mann mit Erinnerungslücke: „Haben wir das beschlossen?“

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„Haben wir das beschlossen?“ - Jens Spahn bei „Maybrit Illner“

Berlin - Bei „Maybrit Illner“ sind am Donnerstag ranghohe Politiker mit normalen Menschen zusammengetroffen - der Abend brachte eine etwas bedenkliche Erkenntnis.

Beinahe täglich sitzen im deutschen Fernsehen Politiker zusammen und tauschen Standpunkte aus. Da war es doch ein ganz erfrischendes Experiment, das Maybrit Illners Redaktion am Donnerstagabend auf die Bildschirme brachte: Zwei Spitzenpolitiker der Regierungsparteien, Arbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) und Finanz-Staatssekretär Jens Spahn (CDU), stellten sich den Fragen und Vorwürfen ganz normaler Bürger. Von der Putzfrau bis zum Elektriker.

Dabei kam es auch mal zu Momenten der Verwunderung und Überrumpelung. Vor allem Spahn sorgte für mit einer engagierten, aber auch ziemlich uninformierten Nachfrage für Lacher - und für Stirnrunzeln.

Staatssekretär mit kleinen Gedächtnislücken?

Der letzte Gast, die alleinerziehende Selbstständige Christine Finke, ist es, der Spahn überrascht. Ihre 16-jährige Tochter dürfe nach 20 Uhr nicht mehr auf die Geschwister aufpassen, klagt die arbeitsgeplagte Frau. Und während Andrea Nahles nachdenklich nickt und das Wort „Jugendschutz“ murmelt, braucht Spahn offensichtlich Nachhilfe, was die Tätigkeitsbilanz der eigenen Regierung angeht. 

„Haben wir das beschlossen?“, fragt der Staatssekretär ungläubig. „Wenn wir das beschlossen haben, müssen wir das ändern!" Wobei die Frage nach Babysitterdiensten älterer Geschwister und dem offenbar angesprochenen Jugendarbeitsschutzgesetz tatsächlich nicht ganz trivial scheint. Umso bedenklicher wirkt aber, dass Spahn keinen rechten Überblick über die Novellen der Großen Koalition hat.

„Richtiger Rechtsbruch!“

Erhellend war für alle Beteiligten auch der Besuch der Gebäudereinigerin Christel Wellmann. Die 58-Jährige verdient nach eigenen Angaben trotz drei Jobs nur 1.000 Euro netto - und muss sich mit Tricksereien ihres Arbeitgebers zur Umgehung des Mindestlohns herumschlagen. 

Sowohl Nahles als auch Spahn sind überrascht. "Das ist richtiger Rechtsbruch. Ein Fall für die Kontrolle. Da ist der Zoll zuständig", erklärt Nahles. "Wer drei Jobs hat und malocht, muss mehr verdienen, als jemand, der nicht arbeitet“, wundert sich Spahn. Er kassiert von Illner auch noch eine Breitseite für die Arbeitsmarktpolitik seiner Partei: "Kommen Sie wieder mit dem Argument der Flexibilisierung?", fragt die Moderatorin.

...und dann trifft Spahn noch seine Friseurin

Ein kleiner Trost für den ambitionierten CDU-Politiker: Der Abend hatte auch eine witzige Begegnung für ihn bereitgehalten. Die Friseurin Lilly Sandberg wollte eigentlich über ihre positiven Erfahrungen mit dem Mindestlohn berichten. So nebenbei traf sie in Spahn einen alten Bekannten. 

„Ich glaube, ich war sogar schon mal bei Ihnen zum Haareschneiden“, sagte Spahn. „Deshalb kommen Sie mir auch so bekannt vor“, erwiderte die Friseurin aus dem Berliner Stadtteil Prenzlauer Berg. „Ich habe mal da in der Ecke gewohnt“, erklärte Spahn.

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fn

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