Corona-Krise für die Jüngsten

Befreiungsschlag für Schulen? Kinder dürfen wohl auf Lockerungen hoffen - aber nur in einzelnen Ländern

Lockert Deutschland die Corona-Regeln? Die Blicke richten sich vor allem auf die Schulen. Manche Länderchefs halten Öffnungen für möglich. Die Kanzlerin will dies scheinbar nicht.

  • Schule und Kitas wird laut NRW-Ministerpräsident Armin Laschet beim Corona-Gipfel am Mittwoch das zentrale Thema sein (siehe Update vom 9. Februar, 12.23 Uhr).
  • Nun sind angebliche Pläne von Kanzlerin Merkel* durchgesickert - auch zu den Schulen (siehe Update vom 9. Februar, 13.37 Uhr).
  • Sachsen hat bereits einen konkreten Plan, die Kultusminister aller Länder wollen ebenfalls schrittweise Öffnungen (siehe Update vom 9. Februar, 14.39 Uhr).
  • Dieser News-Ticker wird regelmäßig aktualisiert.

Update vom 9. Februar, 14.39 Uhr: Schulen sollen schrittweise ab kommender Woche wieder aufmachen, wenn die Corona-Zahlen weiter sinken. Dafür sprachen sich die Kultusminister der Länder aus. In einem Beschluss heißt es laut dpa: „Die negativen Folgen von Schulschließungen für die Bildungsbiografien und die soziale Teilhabe von Kindern und Jugendlichen müssen begrenzt werden.“

Die Minister verweisen auf die gesunkenen Zahlen. „Sollte dieser Trend anhalten, sprechen sich die Kultusministerinnen und Kultusminister nachdrücklich dafür aus, dass über die Abschlussklassen hinaus auch die unteren Jahrgänge, beginnend ab dem 15. Februar 2021, in den eingeschränkten Regelbetrieb gemäß den Vorschriften des jeweiligen Landes, zum Beispiel in den Wechsel- oder Präsenzunterricht gehen dürfen“, heißt es weiter.

Sachsen kündigte bereits einen Schritt bei den Schulen an: Das Land will Grundschulen und Kitas vom kommenden Montag an in einem eingeschränkten Betrieb wieder öffnen. Für Grundschüler soll jedoch die Schulbesuchspflicht vorerst aufgehoben werden, sagte Kultusminister Christian Piwarz (CDU). Eltern könnten damit selbst entscheiden, ob sie ihre Kinder zur Schule schicken. Die Hygienemaßnahmen würden weiter hochgehalten. Die Regelung soll sachsenweit gelten - auch für jene Landkreise, in denen die Sieben-Tage-Inzidenz derzeit noch bei mehr als 100 liegt. Eingeschränkter Regelbetrieb für Grundschulen und Kitas bedeutet die strikte Trennung von Gruppen und Klassen mit festen Bezugspersonen.

Corona Deutschland: Schulen wichtiges Thema bei Corona-Gipfel - bisher keine einheitliche Linie erkennbar

Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) geht immerhin fest davon aus, dass es bundesweit demnächst eine Lockerung der Corona-Maßnahmen für Kitas und Grundschulen geben wird. Zeitlich exakt wird er dabei nicht. „Wir gehen jetzt erstmal stufenweise vor. Priorität haben Kindertagesstätten und Grundschulen. Darin besteht Konsens zwischen Kanzlerin und Ministerpräsidenten“, sagte Kretschmann laut dpa. Aber auch diese Öffnung werde an die Zahl der Infektionen gebunden. Bild und Spiegel hatten berichtet, das Merkel gegen die derzeit diskutierten Teilöffnungen von Schulen und Kitas vor dem 1. März ist.

Dass es auf dem Feld (noch) keine Einigkeit gibt, sieht man auch an Aussagen aus Hamburg: Schulsenator Ties Rabe (SPD) sagte, er gehe davon aus, „dass wir in dem jetzigen Modus (...) bis zu den Märzferien bleiben werden - sofern die Ministerpräsidentenkonferenz nicht etwas ganz Ungewöhnliches beschließen wird“. Hamburg hat als einziges Bundesland von Anfang März an zwei Wochen Ferien.

Corona-Lockdown auch für Schulen - Merkels Pläne durchgesickert

Corona-Lockdown: Wie lange bleiben die Schulen noch geschlossen?

Update vom 9. Februar, 13.37 Uhr: So richtig sicher scheinen sich die Regierungschefs selbst noch nicht zu sein, was sie morgen beschließen werden. Fest steht: Sie beraten darüber, ob und wie lang die Maßnahmen verlängert werden und ob es für manche Bereiche Öffnungsperspektiven noch im Februar geben kann. Schulen und Kitas dürften dabei das zentrale Thema werden.

Doch scheinbar will Merkel im Februar noch nichts öffnen. Bild-Informationen zufolge soll sie in einer Schalte mit den CDU/CSU-Ministerpräsidenten für die öffnungsfreie Lockdown-Verlängerung bis Ende Februar gekämpft haben. Innerhalb der Union und auch der SPD soll es aber Unstimmigkeiten geben, wofür man nun ist - Lockerungen bei Schulen und Kitas oder doch öffnungsfreie Lockdown-Verlängerung?

Laut dem Bild-Bericht möchte Merkel zudem ein abgestimmtes Verfahren, ab welchen Werten die Schulen in den Wechselunterricht gehen können. Je nach Entwicklung solle dann lokal gehandelt werden. Offenbar werde im Kanzleramt davon ausgegangen, dass Schulen bis Ostern maximal Wechselunterricht statt normalem Unterricht praktizieren können. Womöglich wird auch noch einmal etwas an der Impfverordnung geändert, um Lehrer und Erzieher eher zu impfen. Außerdem soll es laut Bild eine Teststrategie für Lehrer und Schüler geben.

Es wird sich zeigen, wie vehement manche Länder wie Sachsen oder Baden-Württemberg am Mittwoch für teilweise Öffnungen in Schulen und Kitas plädieren. Wie genau Deutschland dann ab 1. März verfährt, ist noch unklarer. Business Insider berichtet, dass derzeit nach Kriterien gesucht werde, die die Gefahr der Mutationen abbilden, gleichzeitig aber leicht verständlich sind, um die Corona-Lage einzuschätzen. Zudem werde am Mittwoch wohl keine detaillierte, bundeseinheitliche Liste als Stufenplan verabschieden, sondern eher ein grobes Raster angelegt. Das heißt, vorstellbar ist so etwas wie: Bei diesem Zielwert dürfen Geschäfte öffnen, detaillierte Hygieneauflagen bestimmten dann aber die Länder individuell.

Schule als „entscheidendes Thema“: NRW-Ministerpräsident Laschet vor dem Corona-Gipfel am Mittwoch

Update vom 9. Februar, 12.23 Uhr: „Das Thema Kita und Schule ist morgen das entscheidende Thema.“ So die Erwartung von NRW-Ministerpräsident Armin Laschet. Denn Kinder könne man nicht nur digital erziehen, da helfen auch Tausende Tablets nichts, sagte der CDU-Politiker im Landtag. Er sprach ein Konzept an, bei dem zumindest Kinder, die sozial benachteiligt sind, in die Schulen kommen, um dort auf Distanz unterrichtet zu werden.

Denn Laschet wurde in den letzten Tagen nicht müde zu betonen, welchen Schaden Schulschließungen bei Kindern anrichten (siehe Update vom 9. Februar, 10.05 Uhr). Einen konkreten Zeitraum, wann seiner Meinung nach Schulen und Kitas wieder öffnen sollten, nennt er bewusst nicht. Er wolle die Bund-Länder-Beratungen abwarten. Doch Mittwochabend oder spätestens Donnerstagmorgen sollten alle wissen, „worauf sie sich einrichten müssen.“

Schulschließungen: Kindern droht Leistungsverlust, emotionaler Bezugspunkt fehlt

Update vom 9. Februar, 10.05 Uhr: Schulschließungen wegen des Coronavirus sind deshalb so heißt diskutiert, weil nach Ansicht von Experten weitreichende negative Folgen damit einhergehen. Sie führten nicht nur zu Leistungsverlusten, sondern gerade für Kinder „aus bildungsfernen Schichten“ sei Schule oft einer der wichtigsten sozialen und emotionalen Bezugspunkte, sagte OECD Bildungsdirektor Andreas Schleicher der Deutschen Presse-Agentur. „Genau da liegen die entscheidenden Risiken des zweiten Lockdowns.“ Für diese Schüler und kleine Kinder, für die digitales Lernen keine Alternative sei, wüchsen die Risiken „überproportional zur Länge des Lockdowns“.

Da der Druck auf die Politik deutlich wächst, erwartet auch Kanzlerin Angela Merkel (CDU) bei den Corona-Beratungen mit den Ministerpräsidenten am Mittwoch eine Perspektive für Schulen und Kitas, wie sie nach dpa-Informationen bei einer Online-Beratung des CDU-Präsidiums sagte. Gleichzeitig müssten die Infektionszahlen weiter sinken.

Einen Spielraum für Lockerungen erkennt auch SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach am ehesten bei Grundschulen und Kitas, wie er in einem Interview mit Merkur.de sagte. Jedoch müssten Grundschullehrer und Erzieher dafür vorrangig geimpft werden, Schüler müssten medizinische Masken tragen und mindestens einmal pro Woche einen Antigen-Schnelltest machen. Dazu kann sich Lauterbach auch Wechselunterricht vorstellen.

Schule in Corona-Zeiten: Kultusminister beraten über weitere Strategien

Update vom 8. Februar, 18.31 Uhr: Vor dem Corona-Gipfel am Mittwoch (10. Februar) mehren sich Stimmen, wonach im Bereich von Schulen und auch Kitas gelockert werden soll. Die Kultusminister der Bundesländer wollen dahingehend am Montagabend über das weitere Vorgehen beraten, wie die Deutsche Presse-Agentur aus Kreisen der Kultusministerkonferenz erfahren hat. Offen blieb allerdings, ob bei der Schalte konkrete Beschlüsse gefasst werden sollten. Dem Vernehmen nach sei insbesondere beim Zeitpunkt der Schulöffnungen noch kein Konsens erzielt worden.

Der bayerische Kultusminister Michael Piazolo (Freie Wähler) hofft derweil weiter auf eine möglichst rasche Rückkehr zum Präsenzunterricht an Grund- und Förderschulen sowie für alle Abschlussklassen - genaue Öffnungsschritte und Termine sind aber weiterhin offen. Das sagte er nach einer Videoschalte mit Lehrer-, Eltern- und Schülervertretern.

In den Nachbarländern Österreich und Dänemark wurde der Schulbetrieb am Montag unterdessen wieder aufgenommen: In Dänemark kamen erstmals seit vor Weihnachten die Jahrgänge bis zur vierten Klasse in ihre Schulen zurück. In Österreich öffneten die Schulen auch für ältere Schüler wieder. Die Kinder und Jugendlichen mussten vor dem Unterricht aber zunächst selbst einen Corona-Test machen.

Schule in Corona-Zeiten: Baerbock fordert Selbsttests und nicht „nur heiße Luft“

Update vom 8. Februar, 15.49 Uhr: Grünen-Chefin Annalena Baerbock hat sich zu weiteren Maßnahmen in Schulen während der Corona-Pandemie geäußert. Bei einem Pressestatement sagte sie, kleine Kohorten und Masken (siehe Update vom 8. Februar, 14.14 Uhr) befürworte sie, doch die Leitlinie der Bildungsministerin müsste noch weiter gehen: „Der Bund muss mit den Ländern dafür sorgen, dass FFP2-Masken an Schulen zur Verfügung gestellt werden.“ Außerdem brauche es flächendeckend an Schulen und Kitas Corona-Selbsttest, findet Baerbock. Sonst sei das Gerede über Prioritäten bei Öffnungen von Bildungseinrichtungen „nur heiße Luft“, wenn nicht schnell gehandelt werde.

Zudem fordert die Grünen-Politikerin ein pragmatisches Handeln beim Impfen von Erziehern. Es sollte kommunal Listen geben, über die unter anderem Erzieher angerufen werden könnten, wenn am Tag Reste von Impfungen übrig sind, die sonst nicht mehr verimpft werden könnten. Dafür muss es für Baerbock auch keine Neu- oder Umsortierung der Prioritätenliste geben.

Schule in Corona-Zeiten: Leitfaden aus dem Bildungsministerium - Empfohlene Maßnahmen

Update vom 8. Februar, 14.14 Uhr: Masken, regelmäßiges Lüften, die Bildung fester Gruppen, ein entzerrter Schülerverkehr und andere Infektionsschutzmaßnahmen können einen Schulbetrieb unter Corona-Bedingungen möglich machen. Das wird nun in einem gemeinsamen Leitfaden verschiedener wissenschaftlicher Fachgesellschaften, Experten und Vertreter aus dem Schulbereich bestätigt - vorgestellt von Bundesbildungsministerin Anja Karliczek (CDU). Die Ministerin bemühte sich aber, keinen Druck auf den Corona-Gipfel am Mittwoch zu erzeugen. Wenn sich in der derzeitigen Situation für Schulöffnungen entschieden werde, sei es sehr wichtig, vorsichtig vorzugehen, sagte Karliczek bei ihrer Pressekonferenz in Berlin. Dafür wolle man nun Handlungsempfehlungen anbieten. Um den Zeitpunkt möglicher Schulöffnungen nach dem Lockdown geht es in dem Papier nicht.

Es werden auch keine neuen Maßnahmen präsentiert, sondern Dinge genauer betrachtet, die während der Pandemie bereits an den Schulen umgesetzt werden und wurden (siehe Erstmeldung). Nun liegt eine gemeinsame Einschätzung auf breiter Basis vor, ob sie etwas bringen. Das Papier richtet sich an Ministerien, Behörden, Schulen, Lehrer, Schüler und Eltern.

Schulen im Corona-Lockdown: Kohorten, Wechselunterricht, Masken, Lüften

Als wirkungsvoll erachtet und empfohlen wird demnach je nach Infektionsgeschehen die Bildung sogenannter Kohorten an Schulen, also die Einteilung von Schülern in feste große Gruppen und eine Trennung, etwa jahrgangs- oder klassenweise. Bei höheren Ansteckungszahlen wird Klassenteilung und Wechselunterricht empfohlen. Bei der Rückkehr in den Präsenzunterricht sollen zuerst Grundschüler dran sein.

Die Leitlinie empfiehlt ab „hohem Infektionsgeschehen“ auch das Tragen von medizinischen Masken in Schulen. Bei hohen Corona-Zahlen wird zudem eine Entzerrung des Schülerverkehrs und das Tragen von OP-Masken im Schulbus empfohlen. Konkrete Inzidenzzahlen werden in der Leitlinie nicht genannt. Ebenfalls befürwortet wird in dem Papier die inzwischen bekannte Lüftungsempfehlung des Umweltbundesamtes: Alle 20 Minuten drei bis fünf Minuten Stoßlüften. Als gleichwertig wird eine „geeignete Lüftungs- oder raumlufttechnische Anlage“ bezeichnet. Damit sind aber keine mobilen Luftreiniger gemeint.

Corona-Lockdown: Merkel soll intern längerfristige Strategie für Schulen und Kitas in Aussicht gestellt haben

Angela Merkels Bildungsministerin Anja Karliczek (re.) stellte am Mittwoch ein wichtiges Papier zu Schulöffnungen vor.

Update vom 8. Februar, 13.12 Uhr: In wenigen Minuten stellt Bildungsministerin Anja Karliczek (CDU) ein Papier zum Thema Schul- und Kita-Öffnungen vor. Nach ersten Informationen könnten die Erkenntnisse mehrerer Experten den Druck für Lockerungen in dem sensiblen Bereich erhöhen (siehe Erstmeldung). Aber auch Kanzlerin Angela Merkel (CDU) scheint bereits offen für ein Umsteuern.

Merkel hatte offenbar am Montagvormittag in einer Sitzung des CDU-Präsidiums eine längerfristige Strategie für Schulen und Kitas in Aussicht gestellt - so will es die dpa von Teilnehmern der virtuellen Runde erfahren haben. Beim Corona-Gipfel am Mittwoch* solle ein entsprechender Plan beschlossen werden. Allerdings betonte die Kanzlerin auch, die Infektionszahlen müssen in den nächsten beiden Wochen nochmals gedrückt werden. Mit Blick auf die Lockerungs-Debatte habe sie allgemein zu Vorsicht gemahnt.

Die Kanzlerin sagte nach diesen Informationen weiter, die Infektionswelle sei gebrochen, aber noch kein Bundesland liege unter der Zahl von 50 Neuinfektionen pro 100 000 Einwohnern innerhalb einer Woche. Zudem gebe es eine sehr langsame Reduzierung des R-Wertes. Besorgt äußerte sich Merkel zu der in Südafrika kursierenden Virus-Variante B.1.351, die auch über Großbritannien nach Deutschland komme. Viele Staaten, auch die Bundesrepublik, haben Einreisen aus Südafrika eingeschränkt.

Lockdown-Befreiungsschlag für Schulen? Regierungspapier durchgesickert - doch Lehrer warnen

Erstmeldung vom 8. Februar 2021: Berlin - Am Mittwoch steht der nächste Corona-Gipfel an. Im Fokus stehen dann gerade die Belange der Jüngsten: Kanzlerin, Minister und Ministerpräsidenten hatten schließlich betont, als Erstes wolle man Schulen und Kitas öffnen - und zuletzt sanken die Fallzahlen spürbar.

Spannend wird es aber schon am Montagnachmittag. Angela Merkels* Bildungsministerin Anja Karliczek (CDU) stellt einen „Leitfaden“ für Schulen in Pandemie-Zeiten vor. Der dürfte die Kanzlerin und die Länderchefs zusätzlich unter Druck setzen: Die Schulen könnten trotz Corona in sicherer Weise geöffnet werden, heißt es darin. Doch Lehrervertreter bremsen schon jetzt.

Corona in Deutschland: Schulen vor Öffnung? Karliczek-Papier schon vorab durchgesickert

Das von Karliczeks Haus* geförderte Papier sickerte schon vor offizieller Vorstellung am Montagnachmittag durch. Als Voraussetzung für Öffnungen wird darin genannt, dass alle im Leitfaden genannten Hygieneregeln streng befolgt würden, zitierte die Frankfurter Allgemeine Zeitung aus den Handlungsempfehlungen.

Wie die Zeitung schreibt, sollen Kontakte bei einem mäßigen Infektionsgeschehen auf eine festgelegte Gruppe beschränkt sein, die Interaktion mit weiteren Gruppen soll ausgeschlossen bleiben. Bei einem hohen Infektionsgeschehen soll der Unterricht zudem gestaffelt beginnen, Schüler und Lehrer sollen eine OP-Maske tragen. Ist das Infektionsgeschehen sehr hoch, soll Wechselunterricht stattfinden, die Klassen sollen halbiert werden.

Zudem gibt es Empfehlungen zum Lüften von Räumen, Maßnahmen im Musikunterricht sowie einen klaren Umgang mit erkälteten Schülern und Verdachtsfällen. Sportunterricht wird demnach befürwortet, weil die positiven gesundheitlichen Wirkungen zumindest unter bestimmten Voraussetzungen überwiegen. Der Leitfaden wurde unter Mitwirkung von 36 Fachgesellschaften erarbeitet und vom Bildungsministerium gefördert. 40 Studien wurden demnach ausgewertet. Die Ansteckungsgefahr für und von Kindern ist seit längerem Thema der wissenschaftlichen Debatte. Bedenkliche Meldungen kamen zuletzt aus Großbritannien, wie unter anderem Merkur.de* berichtete.

Schulen in der Corona-Krise: Merkel unter Druck - aber auch Lehrerverband warnt

Wann Schulen geöffnet werden, bleibt allerdings selbst mit den Handlungsempfehlungen eine politische Frage. Beachten müssen Merkel und die Ministerpräsidenten dabei auch die Meinung der Lehrer - und der Deutsche Lehrerverband warnt bereits vor einer schnellen Wiedereröffnung der Schulen.

Eine Öffnung sei nur „sehr behutsam und vorsichtig“ und „auf keinen Fall flächendeckend in allen Regionen möglich“, sagte Verbandspräsident Hans-Peter Meidinger der Welt. Auch in Städten und Landkreisen mit geringem Infektionsgeschehen sollten Bildungseinrichtungen nur stufenweise in den Wechselbetrieb zwischen Präsenz- und Fernunterricht zurückkehren und in halbierten Gruppen mit Mindestabstand unterrichten, forderte er.

Meidinger plädierte zudem dafür, eine Pflicht zum Tragen von FFP2-Masken für Lehrkräfte und mindestens von Operationsmasken für Schüler einzuführen. Diese Arten von Masken bieten effektiveren Schutz vor dem Coronavirus als die Alltagsmasken. Der Deutsche Lehrerverband tritt zudem für die frühestmögliche Impfung von Lehrkräften sowie regelmäßige Schnelltests im Wochentakt bei Schülern und Lehrkräften ein. Gesundheitsminister Jens Spahn hat allerdings gerade erst bei der Impfreihenfolge nachjustiert.

Coronavirus in Deutschland: Corona-Kita-Rat tagt - Studie zeigt riesige Bedeutung der Betreuungsangebote

Im Einsatz ist am Montag aber auch Familienministerin Franziska Giffey (SPD): Es tagt der sogenannte Corona-Kita-Rat. Und auch er steht unter Druck. Denn eine frisch veröffentlichte Umfrage der Bertelsmann-Stiftung zeigt. Eine große Mehrheit der Eltern in Deutschland ist schon aus finanziellen Gründen auf einen Kitaplatz für ihre Kinder angewiesen. Der Erhebung zufolge benötigen 70 Prozent die Betreuung, weil sie Geld verdienen müssen. 22 Prozent gaben an, sie hätten sonst Angst, ihre Arbeit zu verlieren. In Ostdeutschland und unter Alleinerziehenden war diese Sorge besonders ausgeprägt.

Zugleich waren nahezu alle Eltern überzeugt, dass der Besuch einer Kita auch für die Entwicklung ihrer Kinder gut sei. Die Quote lag bei 94 Prozent, wie die Stiftung in Gütersloh erklärte. Der Nachwuchs lerne dort andere Kinder kennen und entdecke Neues. Die diagnostizierten Probleme weisen über die Corona-Krise hinaus: Die Stiftung kritisierte eine mangelhafte Versorgung mit Kitaplätzen und qualifiziertem Fachpersonal. Bundesweit klaffe „eine Lücke zwischen dem Bedarf der Eltern und der tatsächlichen Betreuungsquote“, erklärte sie. „Der Bildungsauftrag kann von den Kitas mangels Personal häufig nicht ausreichend erfüllt werden“.

Die Ergebnisse basieren auf einer repräsentative Befragung von etwa 8850 Eltern in Zusammenarbeit mit dem Institut Infratest dimap. Dazu kam eine sogenannte qualitative Studie zur Qualität der Betreuung, bei der etwa 70 Eltern in Gruppen diskutierten.

Lockdown in Deutschland: Gipfel am Mittwoch - sinkende Fallzahlen sorgen für neue Begehrlichkeiten

Der derzeitige harte Lockdown in Deutschland einschließlich weitgehender Schließung der Schulen und Kitas ist vorerst bis kommenden Sonntag befristet. Zuletzt haben sich die Forderungen nach einer baldigen stufenweisen Öffnung von Kitas und Schulen gemehrt. So preschte am Montag etwa Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (Freie Wähler) mit Lockerungswünschen vor.

Die Infektionszahlen in Deutschland gehen seit Wochen zurück. Das Ziel von Bund und Ländern, die sogenannte Sieben-Tage-Inzidenz* auf unter 50 zu drücken, ist aber noch nicht erreicht. Zudem ist die Lage in den vergangenen Wochen durch das Auftreten neuer und als besonders ansteckend geltender Formen des Virus komplizierter geworden.

Die Sieben-Tage-Inzidenz bei der Ausbreitung des Coronavirus in Deutschland lag am Sonntag nach Angaben des Robert-Koch-Instituts bei 75,6. Bei dem Wert handelt es sich um die Zahl der innerhalb dieses Zeitraums verzeichneten Neuinfektionen pro 100.000 Einwohnern. (AFP/dpa/fn) *Merkur.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

Rubriklistenbild: © Marijan Murat/dpa

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