Schwalmstadt: Parlament bestätigt Otto und Schwierzeck

„Ich lege viel Wert darauf, verlässlich zu sein“, sagt Detlef Schwierzeck. Das dürfte einer der Gründe sein, warum der 59-Jährige als Erster Stadtrat der Stadt Schwalmstadt wiedergewählt wurde. 	Foto: Seeger
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„Ich lege viel Wert darauf, verlässlich zu sein“, sagt Detlef Schwierzeck. Das dürfte einer der Gründe sein, warum der 59-Jährige als Erster Stadtrat der Stadt Schwalmstadt wiedergewählt wurde. Foto: Seeger

Konstituierende Sitzung der Stadtverordnetenversammlung in Schwalmstadt: Reinhard Otto bleibt Vorsteher, Detlef Schwierzeck ist 1. Stadtrat.

Schwalmstadt. Wer auf Überraschungen und unerwartete Wendungen gehofft hatte, der dürfte bei der konstituierenden Sitzung der Stadtverordnetenversammlung am Donnerstagabend enttäuscht worden sein. Denn wie erwartet wurden im Ziegenhainer Rathaussaal die wichtigsten Ämter im neuen Schwalmstädter Stadtparlament bestätigt. Als Stadtverordnetenvorsteher wurde Reinhard Otto (CDU) einstimmig wiedergewählt. Erster Stadtrat bleibt Detlef Schwierzeck (SPD).

In Schwalmstadt ist das Amt des Ersten Stadtrats aktuell an viele Aufgaben und hohe Verantwortung gebunden. Schließlich geht es darum, den schwer erkrankten Bürgermeister zu vertreten. "Man muss die Arbeit gern machen und einen gewissen Idealismus dabei haben. In jedem Fall aber muss man bereit sein, anderes zurückzustellen", erklärt Schwierzeck die Anforderungen an einen Stadtrat. Niemand ist dafür besser geeignet als der Treysaer – so zumindest haben es die Stadtverordneten in ihrer jüngsten Sitzung entschieden. Wie schon in der vergangenen Wahlperiode machten sie Schwierzeck zum Ersten Stadtrat. "Ich mache das einfach gern", bringt der es im Gespräch mit LOKALO24 auf den Punkt. Das liege vor allem daran, dass innerhalb der Stadtverwaltung ein gutes Arbeitsklima herrsche. "Hier sitzt ein gutes Team, das auch fachlich einen guten Job macht und viele konstruktive Gespräche untereinander führt."

In Sachen Organisation und Mitarbeiterführung profitiert Schwierzeck von den vielen Erfahrungen, die er bereits bei Hephata gesammelt hat. Dort ist der 59-Jährige hauptberuflich als Abteilungsleiter in den Werkstätten für behinderte Menschen tätig. Um seine tägliche, ehrenamtliche Präsenz im Rathaus gewährleisten zu können, hat sich Schwierzeck von Hephata extra halbtags freistellen lassen. Anders sei der hohe Arbeitsaufwand in der Stadtverwaltung nicht zu leisten. "Ich nehme die Vertretung des Bürgermeisters sehr ernst. Ich bin sehr viele Stunden hier – sehr viele", betont Schwierzeck. Das sei aber auch nur möglich, weil seine Ehefrau ihm den Rücken stärke: "Wir ergänzen uns. Ich trage ihr Hobby mit und sie meines – die Kommunalpolitik."

Aber welche war eigentlich die größte Herausforderung als ehrenamtlicher Stellvertreter des Bürgermeisters? "Die ganzen Sachverhalte sichtbar zu machen", sagt Schwierzeck. Es sei immer wieder eine Herausforderung, den politischen Willen des Parlaments in die Arbeit der Stadtverwaltung einzubringen. Übrigens ist es dem überzeugten Sozialdemokraten eine Herzensangelegenheit die Wichtigkeit der Kommunalpolitik herauszustellen: "Hier kann man aktiv mitgestalten", fasst Schwierzeck die Attraktivität seines liebsten Hobbys zusammen.

Alle stehen hinter Otto

Auch mit Blick auf das Amt des Stadtverordnetenvorstehers bleibt alles beim Alten. In offener Wahl wurde Reinhard Otto (CDU) einstimmig wiedergewählt. "Jeder weiß um die aktuelle Situation in Schwalmstadt und die Erkrankung des Bürgermeisters. In einer so großen Stadt kann man es sich dann nicht einfach erlauben, die Pferde zu wechseln", erklärt Otto seine Wiederwahl. Die Zustimmung aus allen Fraktionen wertet er als Vertrauensbeweis. Und tatsächlich: SPD-Stadtverbandsvorsitzender Daniel Helwig lobte vor der konstituierenden Sitzung im Gespräch mit unserer Zeitung Ottos "parteiunabhängige, neutrale und sachorientierte Art, die Sitzungen zu leiten".

Voll des Lobes ist aber auch Reinhard Otto selbst. Michael Schneider (SPD) etwa bezeichnet er als "sehr versierten Fraktionsvorsitzenden". Und Karsten Schenk, der Fraktionsvorsitzende der CDU, verstehe sein Handwerk nur zu gut. Beide tragen dazu bei, dass Otto sein Bestreben realisieren kann: "Wir müssen vernünftig miteinander umgehen und gute Kompromisse finden. Ich will nicht Ärger und Durcheinander haben. Die Parlamentarier sind aufgefordert, die Dinge zum Wohle der Stadt anzugehen."

+++ EXTRA-INFO: Wer sitzt eigentlich alles im Magistrat? +++

Bürgermeister Dr. Gerald Näser, Erster Stadtrat Detlef Schwierzeck, Norbert Schidleja, Marcus Theis und Karl-Ernst Schenk (alle CDU), Lothar Ditter und Margot Schick (beide SPD), Frank Bruchholz (Die Grünen), Christel Bald (FWG) und Guido Hampel (FDP).

Das Wir gewinnt - auch in der Lokalpolitik: Ein Kommentar von Michael Seeger

Das Schwalmstädter Parlament macht’s vor: So geht Politik im Sinne einer Stadt und ihrer Bürger! Innerhalb der letzten Wahlperiode bewiesen die Stadtverordneten auch in schwierigen Situationen und bei kontrovers diskutierten Themen immer wieder, dass sie letztlich an einem Strang ziehen – denken wir nur an die teurer ausfallende Sanierung der Neuen Wache in Ziegenhain oder an die Planungen zur Umgestaltung der Bahnhofstraße in Treysa. Klar ist, dass die Fraktionen auch in der größten Stadt des Schwalm-Eder-Kreises gern ausführlich diskutieren. Das ist wichtiger Bestandteil der lokalpolitischen Demokratie.

Dass aber gerade die beiden großen Fraktionen Schwalmstadts, CDU und SPD, nach sachlicher Auseinandersetzung stets den gemeinsamen Nenner anstreben, ist schlichtweg lobenswert. Alle Fraktionen im Parlament machen Politik für ihre Stadt und nicht etwa für das eigene Ego. Das zeigt sich auch in den Wiederwahlen von Reinhard Otto und Detlef Schwierzeck. Ihre Bestätigungen waren logisch und vernünftig. Jetzt, wo der Bürgermeister schwer krank ist und vertreten werden muss, darf nicht experimentiert werden. Es müssen Menschen in die Verantwortung, die ihr Amt und ihre Aufgaben kennen – Menschen wie Otto und Schwierzeck. Beide genießen fraktionsübergreifendes Vertrauen.

Schwierzeck ist schon aufgrund seiner familiären und beruflichen Situation für das Amt des Ersten Stadtrats bestens geeignet. Welcher junge Familienvater mit 40-Wochenstunden-Job kann schon die Zeit für das intensive Ehrenamt aufbringen? Und wer könnte die Parlamentssitzungen akribischer vorbereiten und sachlicher, neutraler durch diese leiten als Reinhard Otto? Beide wurden zurecht in ihren Ämtern bestätigt, weil sie verlässlich sind und sich nicht erst in ihre Aufgaben einfuchsen müssen. Das wussten auch die übrigen Stadtverordneten aller Fraktionen. Sie haben vernünftig und im Sinne der Stadt und Bürger entschieden. An ihnen sollten sich auch die Parlamentarier der kleineren Gemeinden im Altkreis ein Beispiel nehmen!

Haben Sie auch eine Meinung zum Thma? Dann schreiben Sie mir direkt an michael.seeger@mb-media.de

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