Angst vor Infektion

Schwere Krankheiten: Corona-Delle bei Klinikbehandlungen

Laut einer Sprecherin der DAK-Gesundheit sind viele Menschen wohl aus Angst vor einer Corona-Infektion trotz lebensbedrohlicher Erkrankungen nicht ins Krankenhaus gegangen. Foto: Marijan Murat/dpa
+
Laut einer Sprecherin der DAK-Gesundheit sind viele Menschen wohl aus Angst vor einer Corona-Infektion trotz lebensbedrohlicher Erkrankungen nicht ins Krankenhaus gegangen. Foto: Marijan Murat/dpa

Wie hat sich die Corona-Pandemie bisher auf die Versorgung von Menschen mit anderen Krankheiten ausgewirkt? Neue Zahlen legen den Schluss nahe, dass viele Schwerkranke eine Behandlung scheuten.

Berlin (dpa) - Zu Beginn der Corona-Pandemie in Deutschland haben sich weniger Menschen mit bestimmten schweren Krankheiten als Notfall ins Krankenhaus einweisen lassen.

Bei der Krankenkasse DAK-Gesundheit kamen im Lockdown-Monat März 25 Prozent weniger Menschen mit einem Herzinfarkt in eine Klinik als im Jahr zuvor, wie eine Auswertung der Kasse mit 5,6 Millionen Versicherten zeigt, die der Deutschen Presse-Agentur in Berlin vorliegt.

Einen solchen Rückgang bei Klinikeinweisungen gab es auch bei Schlaganfällen und psychischen Erkrankungen. Seit Juni pendelten sich die Zahlen wieder auf Normalmaß ein. Im Juni lagen die Einweisungen zum Teil sogar leicht über Vorjahresniveau.

Eine Sprecherin der DAK-Gesundheit sagte, wohl aus Angst vor einer Corona-Infektion seien viele Menschen im Frühjahr trotz lebensbedrohlicher Erkrankungen nicht ins Krankenhaus gegangen. Ein vermuteter Nachholeffekt ist allerdings nicht erkennbar, so die Kasse.

DAK-Vorstandschef Andreas Storm sprach von einer "regelrechten Corona-Delle bei den Aufnahmen im Frühjahr". So wurden im März 26,6 Prozent weniger Patienten mit einem Herzinfarkt aufgenommen als im Vergleich zum Vorjahr. Im April waren es 22,2 Prozent weniger, im Mai 13,8 Prozent. Im Juni lagen die Herzinfarkt-Einweisungen dann sogar leicht über dem Niveau des Vorjahres (plus 4 Prozent), wobei die Zahlen im Juli wieder leicht zurückgingen.

Bei Krankheiten wie beispielsweise Schlaganfall oder Hirnblutungen gab es im März einen Rückgang im Vergleich zum Vorjahr von 12,7 Prozent, im April sogar von 20,2 Prozent. Im Mai normalisierten sich die Einweisungen, lagen aber immer noch bei minus 9,6 Prozent, im Juni bei plus 2,6 Prozent und im Juli bei minus 6,7 Prozent.

Die Klinik-Aufnahmen wegen psychischer Erkrankungen, wie Depressionen, Schizophrenie und Alkoholmissbrauch, gingen im März um 14,8 Prozent zurück. Im April waren es sogar 23,1 Prozent, im Mai noch 16,4 Prozent. Auch hier normalisierte sich die Versorgung im Juni.

© dpa-infocom, dpa:200831-99-368997/2

Das könnte Sie auch interessieren

Meist Gelesen

Corona-Gipfel: Das planen Bund und Länder
Politik

Corona-Gipfel: Das planen Bund und Länder

Ein neuer Corona-Gipfel steht an: Welche Themen bei den Bund-Länder-Beratungen auf der Agenda stehen.
Corona-Gipfel: Das planen Bund und Länder
„Größte Wahrscheinlichkeit“: Lauterbach rechnet mit hunderttausenden Corona-Fällen pro Tag
Politik

„Größte Wahrscheinlichkeit“: Lauterbach rechnet mit hunderttausenden Corona-Fällen pro Tag

Die Infektionszahlen in Deutschland schießen in die Höhe. Gesundheitsminister Lauterbach sagt bei Markus Lanz im ZDF, die Spitze sei noch lange nicht erreicht.
„Größte Wahrscheinlichkeit“: Lauterbach rechnet mit hunderttausenden Corona-Fällen pro Tag
Auch Trumps nominierte Richter stimmen gegen Antrag zu Kapitol-Erstürmung: Niederlage für Ex-Präsident
Politik

Auch Trumps nominierte Richter stimmen gegen Antrag zu Kapitol-Erstürmung: Niederlage für Ex-Präsident

Kein Erfolg für Ex-Präsident Trump: Nach einer Gerichtsentscheidung ist nun der Weg für die Übergabe von Dokumenten zum Sturm auf das Kapitol an den …
Auch Trumps nominierte Richter stimmen gegen Antrag zu Kapitol-Erstürmung: Niederlage für Ex-Präsident
Nord Stream 2: Scholz verschärft plötzlich den Ton gegenüber Putin – und begibt sich auf dünnes Eis
Politik

Nord Stream 2: Scholz verschärft plötzlich den Ton gegenüber Putin – und begibt sich auf dünnes Eis

Olaf Scholz vermied bisher ein Rütteln an Nord Stream 2 - eines der wenigen Druckmittel, die der Westen im Ukraine-Russland-Konflikt hat. Jetzt änderte Scholz den Ton …
Nord Stream 2: Scholz verschärft plötzlich den Ton gegenüber Putin – und begibt sich auf dünnes Eis

Kommentare

Hinweise für das Kommentieren

Von Mo. bis Fr. in der Zeit von 18 bis 9 Uhr und am Wochenende werden keine neuen Kommentare freigeschaltet.
Bitte bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht.