Schwimmbad Ziegenhain: Investitionsstau von über 1 Million Euro

Hier gibt es einiges zu tun: Im Ziegenhainer Freibad muss nicht nur der stetige Wasserverlust durch die defekten Rohrleitsysteme gestoppt werden. Die mittelfristige Gesamtinvestitionssumme beläuft sich laut Erstem Stadtrat Detlef Schwierzeck auf 1,2 bis 1,5 Millionen Euro.  	Fotos: Seeger
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Hier gibt es einiges zu tun: Im Ziegenhainer Freibad muss nicht nur der stetige Wasserverlust durch die defekten Rohrleitsysteme gestoppt werden. Die mittelfristige Gesamtinvestitionssumme beläuft sich laut Erstem Stadtrat Detlef Schwierzeck auf 1,2 bis 1,5 Millionen Euro. Fotos: Seeger

Das Freibad in Schwalmstadt-Ziegenhain muss mittelfristig für über eine Million Euro saniert werden. Stefan Pinhard rät zu einem Förderverein.

Ziegenhain. Das Freibad in Ziegenhain ist aktuelles Sorgenkind der Schwalmstädter. Das Babybecken hätte nur mit einem erheblichen Wasserverlust zu Lasten der Stadt weiter betrieben werden können. Schuld sind Schäden an den veralteten Rohrleitsystemen. Aus diesem Grund blieb das Babybecken bei Eröffnung der aktuellen Badesaison im Mai geschlossen. Mehr noch: Es wurde bereits abgetragen. Babys und Kleinkinder müssen derzeit zusammen mit ihren Eltern im großen Nichtschwimmerbecken strampeln. Doch auch das ist in die Jahre gekommen. Das Material in der Überlaufrinne ist veraltet. Zudem sind einige Fliesen am Beckenrand eingerissen und müssen erneuert werden. Nach derzeitigem Stand wird mittelfristig ein Investitionsvolumen von 1,2 bis 1,5 Millionen Euro benötigt. Die Stadtwerke in Kassel sind beauftragt, ein Sanierungskonzept zu erstellen.

Den maroden Zustand des Freibades nahm jetzt auch Bürgermeisterkandidat Stefan Pinhard zum Anlass, sich zu Wort zu melden. In einer Pressemitteilung beschreibt er die Aufrechterhaltung des vollständigen Badebetriebes über das Jahr 2016 hinaus als alternativlos. "Schwalmstadt als Mittelzentrum und größte Stadt im Schwalm-Eder-Kreis kann und darf es sich nicht leisten, das Freibad als sogenannten Standortfaktor aufzugeben", so Pinhard. Das sieht auch Schwalmstadts Erster Stadtrat und Bürgermeisterkandidat Detlef Schwierzeck so: "Ich halte das Freibad für sehr wichtig. Ich setze mich schon immer für seinen Erhalt und die Sanierung ein".

Pinhard liefert Beispiel-Rechnung

Aber wie kann die Zukunft des Freibades dauerhaft gesichert werden? Stefan Pinhard hat einen Lösungsansatz: Die Finanzierung der erforderlichen Sanierungsmaßnahmen könnten außerhalb des städtischen Haushalts realisiert werden und so auch neue Schulden und die Erhöhung von Steuern und Beiträgen zur Einhaltung der strengen Konsolidierungsmaßnahmen vermieden werden. Pinhards Idee: Die Gründung eines Fördervereins.

Die Mitglieder könnten sich an einer gemeinsamen Stromausschreibung beteiligen. Bei ausreichender Beteiligung geht Pinhard von Stromeinsparungen in Höhe von etwa 180 Euro jährlich pro beteiligtem Haushalt aus. Die Ausstellung von Spendenquittungen für die Steuer sei denkbar.

Eine Beispielrechung hat der Bürgermeisterkandidat den Schwalmstädter Parlamentariern bereits vorgelegt. Grundlage des fiktiven Fördervereins sind 6.000 Mitglieder. Die könnten Pinhards Rechnung zufolge jeweils 18 Euro Jahresbeitrag und zusätzlich einmalig 35 Prozent der Stromkostenersparnis aus dem ersten Abrechnungsjahr an den Förderverein zahlen. Bei dreijähriger Laufzeit bis zur nächsten Ausschreibung würde sich so eine Stromkosteneinsparung von durchschnittlich 540 Euro pro Haushalt ergeben. "Da dürfte doch sicherlich jeder teilnehmende Haushalt gerne bereit sein, durchschnittlich 117 Euro (ergibt sich aus dreimal 18 Euro Jahresbeitrag zuzüglich 63 Euro Einmalzahlung und entspricht 21,67 Prozent der Einsparung, Anm. d. Red.) gegen Ausstellung einer Spendenquittung für den guten Zweck zu zahlen", so Pinhards Überzeugung.

Schwierzeck hält die Idee für populistisch

In drei Jahren würden 6.000 Haushalte insgesamt 3.240.000 Euro an Stromkosten einsparen und dem Förderverein in gleicher Zeit somit 702.000 Euro zufließen. Die könnten dann zur Sanierung und zum Erhalt des Freibades genutzt werden.Schwierzeck sieht das kritisch: "Für mich bleibt ungeklärt, inwieweit die rechtlichen Grundlagen berücksichtigt wurden. Hier sind aus meiner Sicht das Wettbewerbs- und das Haftungsrecht sowie Ziel und Zweck des Vereins und deren Gemeinnützigkeit nicht ausreichend beschrieben. Ich halte Pinhards Überlegungen für populistisch", so Schwierzeck auf LOKALO24-Nachfrage. Ungeklärt seien für den Ersten Stadtrat auch die Fragen nach dem Verwaltungsaufwand, nach der Haftung des Förderverein-Vorstandes und nach der Sicherstellung der Stromabnahme und der Einnahmen des Fördervereins.

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