500 Polizisten im Einsatz

Sechs Syrer unter Terrorverdacht festgenommen

+
Ein Polizist während einer Razzia gegen ein Islamisten-Netzwerk. Foto: Paul Zinken/Archiv

500 Polizisten rücken in den frühen Morgenstunden in vier deutschen Städten zu einer Terror-Razzia aus. Sechs mutmaßliche Islamisten aus Syrien sollen einen Anschlag in Deutschland geplant haben.

Frankfurt/Berlin (dpa) - Wieder eine Razzia wegen Terrorverdachts: Die Polizei hat am Dienstagmorgen in mehreren deutschen Städten sechs Syrer festgenommen.

Die Männer im Alter von 20 bis 28 Jahren sollen als Mitglieder der Terrormiliz IS einen Anschlag auf ein öffentliches Ziel in Deutschland geplant haben, teilte die Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt mit. Drei der Terrorverdächtigen wurden während der Durchsuchung von acht Wohnungen in Kassel festgenommen, die anderen in Hannover, Essen und Leipzig. Haftbefehle waren bis Dienstagnachmittag nicht beantragt worden.

Nach Angaben aus Sicherheitskreisen waren die Anschlagspläne noch nicht sehr weit vorangeschritten. Die Männer seien bei Ausspähaktionen beobachtet worden. "Das Sicherheitskonzept hat gegriffen", sagte der Sprecher der Frankfurter Generalstaatsanwaltschaft. Angaben über die Dauer der Ermittlungen gab es nicht.

Der Hessische Rundfunk (hr) berichtete unter Berufung auf Ermittlerkreise über einen geplanten Anschlag auf den Essener Weihnachtsmarkt. Die Stadt Essen hat jedoch keine konkreten Hinweise für ein Anschlagsszenario, wie die Ruhrgebietsstadt unter Berufung auf die Generalstaatsanwaltschaft in Frankfurt und die Polizei mitteilte. Der "Kölner Stadt-Anzeiger" (Mittwoch) meldete unter Berufung auf Ermittlerkreise, einer der Festgenommenen, ein 20 Jahre alter Asylbewerber, habe vor einiger Zeit mit anderen Personen vor einem Essener Einkaufszentrum Bilder gemacht. Die Männer hätten sich als Architekturstudenten ausgegeben, seien damals aber bereits observiert worden. Die Ermittler seien hellhörig geworden, da es bereits im März eine Anschlagsdrohung auf das Zentrum in der Innenstadt gegeben hatte. Es blieb anschließend mehrere Tage geschlossen.

Die Ermittler gaben offiziell lediglich bekannt, die Anschlagsplanungen hätten sich gegen ein öffentliches Ziel in Deutschland gerichtet und seien noch nicht abgeschlossen gewesen. Hinweise auf ein konkretes Ziel gebe es noch nicht, sagte Staatsanwalt Christian Hartwig.

Vier der Verdächtigen waren im Dezember 2014 als Asylsuchende nach Deutschland eingereist. Die anderen kamen im August und September 2015. Rund 500 Polizeibeamte waren an den Durchsuchungen beteiligt. Dabei wurden nach Darstellung der Staatsanwaltschaft verschiedene Speichermedien wie Mobiltelefone und Laptops sowie Dokumente sichergestellt. Ermittelt wird wegen der Mitgliedschaft in einer ausländischen terroristischen Vereinigung und der Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Straftat.

Mindestens einer der Terrorverdächtigen wurde in einer Wohnung im dritten Obergeschoss eines Kasseler Mehrfamilienhauses im Stadtteil Wesertor festgenommen. Nachbarn berichteten von einem lauten Knall im Treppenhaus gegen fünf Uhr morgens. Polizisten in Schutzkleidung und mit schweren Waffen hätten eine Tür gesprengt und die Wohnung gestürmt, in der laut Nachbarn mehrere aus Syrien stammende Personen gewohnt haben sollen.

Nach Informationen der Tageszeitung "Die Welt" hatten andere Flüchtlinge die Ermittler auf die Spur der Verdächtigen gebracht. Diese Zeugen hätten angegeben, dass die Männer IS-Kämpfer in Syrien waren. Die Staatsanwaltschaft bestätigte dies zunächst nicht.

Im vergangenen Jahr gab es in Kassel Durchsuchungen bei den Vorstandsmitgliedern eines salafistisch ausgerichteten Islamischen Kulturvereins. Der hessische Innenminister Peter Beuth (CDU) berichtete damals, dass nach Erkenntnissen der Ermittler mehrere Besucher der von dem Verein getragenen Moschee bereits nach Syrien ausgereist seien, um den IS zu unterstützen.

Deutschland ist seit langem im Visier islamistischer Terroristen. Regelmäßig kommt es zu Festnahmen von Terrorverdächtigen. Erst Ende Oktober hatten Spezialkräfte in Schwerin einen Syrer festgenommen, der einen islamistisch motivierten Bombenanschlag mit hochexplosivem Sprengstoff geplant haben soll. In seinem Fall waren die Vorbereitungen laut Sicherheitskreisen deutlich weiter als im Fall der nun festgesetzten Männer.

Im vergangenen Jahr hatte Deutschland mehrere terroristische Attacken erlebt. Der schwerste Anschlag war der Angriff auf einen Weihnachtsmarkt in Berlin im Dezember vor einem Jahr. Der Attentäter war mit einem Lastwagen in den Weihnachtsmarkt auf dem Berliner Breitscheidplatz gerast. Zwölf Menschen starben, Dutzende wurden verletzt.

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesene Artikel

Fronten im Unionsstreit verhärten sich vor EU-Asyltreffen

Vor dem informellen EU-Gipfel dämpft Berlin die Erwartungen: Für die Suche nach einer Lösung im Asylstreit hat die Kanzlerin noch ein paar Tage mehr Zeit. Die CSU gibt …
Fronten im Unionsstreit verhärten sich vor EU-Asyltreffen

Was passiert, wenn ... ? Der Asyl-Streit der Union kurz erklärt

CDU und CSU zoffen sich im Asyl-Streit um Schlagworte, schnelle Maßnahmen und Fristen. Aber worum geht es eigentlich wirklich? Und was wären die Konsequenzen von …
Was passiert, wenn ... ? Der Asyl-Streit der Union kurz erklärt

Seehofer wirft deutschen Medien „Fake News“ vor - Scharfe Kritik: „In einer Reihe mit Donald Trump“

CSU-Chef Seehofer sorgt für neuen Zündstoff im Asyl-Streit: Er wirft den deutschen Medien die Verbreitung von „Fake News“ vor. Kritiker vergleichen ihn mit rechten …
Seehofer wirft deutschen Medien „Fake News“ vor - Scharfe Kritik: „In einer Reihe mit Donald Trump“

Irrfahrt auf dem Mittelmeer: Deutsches Schiff mit Flüchtlingen darf nirgends anlegen

Erneut ist ein Rettungsschiff mit vielen Migranten an Bord auf Irrfahrt auf dem Mittelmeer: Der deutsche Lifeline wird die Einfahrt in einen Hafen verweigert.
Irrfahrt auf dem Mittelmeer: Deutsches Schiff mit Flüchtlingen darf nirgends anlegen

Kommentare

Ab dem 25.5.2018 gilt die Datenschutzgrundverordnung. Dazu haben wir unser Kommentarsystem geändert. Um kommentieren zu können, müssen Sie sich bei unserem Dienstleister DISQUS anmelden. Sollten Sie zuvor bereits ein Profil bei DISQUS angelegt haben, können Sie dieses weiter verwenden. Nutzer, die sich über den alten Portal-Login angemeldet haben, müssen sich bitte einmalig direkt bei DISQUS neu anmelden.

Hinweise für das Kommentieren

Von Mo. bis Fr. in der Zeit von 18 bis 9 Uhr und am Wochenende werden keine neuen Kommentare freigeschaltet.
Bitte bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht.