Partei in der Krise

Riesen-Streit in der CSU: Seehofer oder Söder - wer kriegt am Ende den Posten?

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Markus Söder (links) und Horst Seehofer (rechts): Wer von den beiden gewinnt am Ende den Streit um die CSU-Spitze. 

Seit dem schlechten Ergebnis bei der Bundestagswahl hören die Personaldiskussionen in der CSU nicht auf. Alles was sie rund um den Söder-Seehofer-Streit wissen müssen, erfahren Sie hier.

München - Seit der Pleite bei der Bundestagswahl, bei der die CSU ganze 10 Prozent der Wählergunst verloren hat, hängt der Parteisegen schief. Im Fokus der Debatte: die Personalie Horst Seehofer. In der Parteibasis brodelt es deswegen seit Wochen. Nun hat sich auch noch die Junge Union öffentlich gegen Seehofer ausgesprochen, der aktuell mitten in den Sondierungsgesprächen über eine mögliche Jamaika-Koalition steckt. 

Wie es in der Partei weitergeht, ist derzeit also noch offen. Klar ist aber: Personell könnte sich in der CSU bald etwas ändern. Aber tritt CSU-Chef Horst Seehofer wirklich zurück? Welche Nachfolger sind möglich? Wir haben alles rund um die Personaldebatte bei der CSU für Sie zusammengestellt.

Ist Seehofer am Ende? Das ist bislang vorgefallen

Bei der Bundestagswahl fuhr die CSU ein denkbar schlechtes Ergebnis ein: Lediglich 38,8 Prozent erreichte die Partei in Bayern und damit das schlechte Ergebnis seit 1949. Für den Parteichef und Ministerpräsidenten von Bayern, Horst Seehofer, eine herbe Niederlage: „Es gibt nichts schön zu reden. Das Wahlergebnis der Bundestagswahl 2017 ist für uns eine herbe Enttäuschung.“

Seitdem steht Seehofer massiv unter Druck. Mehrere CSU-Bezirksvorstände forderten nach der Wahl in internen Sitzungen einen „geordneten“ personellen Übergang. Denn neben dem schlechten Wahlergebnis bei der Bundestagswahl steht in Bayern im kommenden Jahr auch die Landtagswahl 2018 an.

Die Kritik reißt indes nicht ab: Am Wochenende kam die Junge Union zu einer Landesversammlung zusammen. Mit deutlicher Mehrheit beschlossen dort die 250 Delegierten, dass der 68-jährige Horst Seehofer spätestens im kommenden Jahr den Weg für eine Erneuerung freimachen soll. „Für einen Erfolg bei der Landtagswahl im kommenden Jahr braucht es einen glaubwürdigen personellen Neuanfang“, heißt es in dem Antrag der Jungen Union wörtlich.

Finanzminister Söder, der als der wahrscheinlichste Kandidat Seehofers gilt, lobte den Schritt der Jungen Union: „Es gibt immer mal wieder in der Geschichte der Union Landesversammlungen, an denen wird man nicht vorbeigehen können. Die haben eine Wirkung", so Söder.

Kommt bald der Rücktritt von Seehofer? Das sind die News 

Seehofer selbst reagierte auf die sich zuspitzende Personaldebatte mit Unverständnis: Die Kritik an seiner Person sei schädlich für die aktuell laufenden Jamaika-Sondierungen. Seit der Bundestagswahl erlebe er aus der eigenen Partei ein ununterbrochenes Trommelfeuer gegen seine Person, erklärte er gegenüber der Bild-Zeitung. Die Kritik, die bisher vor allem aus der zweiten Reihe kam, pralle an ihm ab, sagte er. „Ich lasse mich dadurch aber in keiner Weise beeinflussen", so Seehofer weiter.

Dass Seehofer am Ende aber doch zurücktreten oder zumindest eines seiner zwei Ämter abgeben wird, ist indes gar nicht so unwahrscheinlich. Wie das Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND) berichtet, habe Seehofer mittlerweile einen Zeitplan für die Klärung der Personalfragen vorgelegt: „Sobald die Sondierungsphase vorbei ist, werde ich ein bis zwei Tage nachdenken und dann klar sagen, welche Formation ich mir vorstelle." Dabei werde er auch auf das "Kesseltreiben" eingehen, "das seit der Bundestagswahl gegen mich betrieben" werde.

Aus der eigenen Partei bekommt Seehofer für diesen Vorschlag Rückendeckung: Sowohl Bayerns Innenminister Joachim Herrmann, als auch CSU-Vize Christian Schmidt verlangten, die Personaldebatte erst nach Abschluss der Sondierungen in Berlin zu klären. 

Wie es mit Seehofer weitergeht, wird sich also höchstwahrscheinlich noch in diesem Jahr entscheiden - zum Beispiel auf dem Parteitag im Dezember. Schwierig könnte es für ihn werden, sollte er weiterhin die Spitzenkandidatur für 2018 anstreben. Denkbar wäre dagegen, dass er sich noch einmal als Parteichef wiederwählen lässt, um das Projekt Jamaika selbst abzuschließen. Sein Amt als bayerischer Ministerpräsident müsste er dann aber abgeben.

Nachfolge Seehofer: Welche Möglichkeiten gibt es?

Markus Söder

Dass der aus Nürnberg stammende bayerische Finanzminister Söder eine der führenden Positionen bekommen wird, gilt für viele als gesichert. Vor allem für das Amt des Ministerpräsidenten gilt er als der Favorit in der Partei. Doch es gibt ein Problem: Sollte Seehofer im kommenden Jahr auf diese Position verzichten, aber weiterhin den CSU-Vorsitz behalten, müssten die beiden Alphatiere eine Doppelspitze bilden. Genau das ist aber durch das schlechte Verhältnis der beiden kaum vorstellbar. 

Markus Söder.

Manfred Weber

Zumindest die Junge Union wünscht sich, dass der aktuelle EVP-Fraktionschef im Europaparlament, Manfred Weber, in Zukunft eine bedeutender Rolle einnimmt. Doch bislang gibt es keine Anzeichen dafür, dass Weber vor hat, nach Berlin zu wechseln. Einen CSU-Vize in Brüssel wird es aber dagegen kaum geben. Zudem gibt es auch hier wieder innerparteiliche Streitigkeiten: Söder und Weber verbindet seit langem eine Feindschaft. 

Manfred Weber.

Alexander Dobrindt

Um den Oberbayern einen Spitzenposten zu sichern, könnte Seehofer bei seiner eigenen Niederlage auch auf Alexander Dobrindt als CSU-Chef zurückgreifen - so würden Söder nicht beide Posten bekommen. Eine Doppelspitze aus Söder und Dobrindt könnte damit beide Lager zufrieden stellen. Ob Dobrindt dann auch noch einen Ministerposten im neuen Kabinett übernehmen würde, ist jedoch unklar.

Alexander Dobrindt.

Joachim Herrmann

Herrmann galt lange Zeit als Kompromiss-Kandidat für das Amt des bayerischen Ministerpräsidenten. Doch das scheint unwahrscheinlich, seit Söder immer stärker wird. Dass Herrmann dafür den CSU-Vorsitz übernimmt, ist ebenfalls problematisch. Denn dann wären beide Spitzenpositionen der Partei in fränkischen Händen - eine Situation, die viele Parteimitglieder so nicht akzeptieren würden. Und noch etwas macht die Personalie Hermann derzeit eher unwahrscheinlich: Herrmann könnte bei gelingenden Jamaika-Verhandlungen einen Ministerposten im neuen Kabinett erhalten. Sollte die CSU dabei tatsächlich das Innenministerium bekommen, wäre die Variante Herrmann in der innerparteilichen Personaldebatte vom Tisch.

Joachim Herrmann.

Söder-Seehofer-Streit: Warum sind die beiden CSU-Politiker verfeindet?

Der Streit zwischen Horst Seehofer und Markus Söder währt bereits seit langem und hat auch außerhalb der Partei für zahlreiche Schlagzeilen gesorgt. Der Ablauf ihrer Auseinandersetzungen ist dabei immer gleich: Söder prescht vor, Seehofer attackiert zurück. 2012 erklärte Seehofer zum Beispiel, dass Söder „charakterliche Schwächen“ habe, nachdem dieser angeblich Parteifreunde diskreditiert hatte. Vor dem Parteitag 2016 setzte Söder einen Tweet gegen Flüchtlinge ab, Seehofer las ihm dann in einem Zeitungsinterview die Leviten. 

Klar ist: Beide Politiker sind Alphatiere. Zudem vereint sie, dass beide mittlerweile eine Anhängerschaft um sich geschart haben. So forderte Max Straubinger, der parlamentarische Geschäftsführer der CSU-Landesgruppe im Bundestag, „Verständnis dafür, dass einem der Grant übergeht, wenn wir bemüht sind, auf der sachpolitischen Ebene Lösungen zu erreichen, und dann möglicherweise unter eigensüchtigen Gesichtspunkten Politik betrieben wird“. Der Landtagsabgeordnete Alexander König hielt dagegen: „Ich halte dieses ständige Söder-Bashing für parteischädigend.“ 

Die Vergangenheit zeigt: Seehofer und Söder trennen mehr als nur knapp 20 Jahre Altersunterschied. Wer am Ende das Rennen um die Positionen in der eigenen Partei macht, wird sich wahrscheinlich beim Parteitag im Dezember 2017 zeigen.

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