Nach Thüringen-Eklat und Corona-Fauxpas

ARD-Sommerinterview: FDP am Abgrund - Lindner spricht über „schmerzhaftes Ereignis“

Christian Lindner im ARD-Sommerinterview
+
Christian Lindner im ARD-Sommerinterview

Das zweite „Sommerinterview“ 2020 der ARD bestritt FDP-Chef Christian Lindner, dessen Partei sich aktuell im Umfrage-Tief befindet. Dabei äußerte sich er auch zum Thüringen-Eklat.

  • FDP-Chef Christian Lindner ist dieses Jahr der erste Gast in der „Sommerinterview“-Reihe der ARD.
  • Lindners Partei erzielt nach dem Thüringen-Eklat schlechte Umfragewerte.
  • Auch thematisch konnte die FDP zuletzt keine Schwerpunkte setzen, auch nicht in der Corona-Krise*.

Update vom 12. Juli, 20.38 Uhr: FDP-Partei- und Fraktionschef Christian Lindner musste im ARD-Sommerinterview auf die Frage „Lieber Kemmerich oder Ramelow als Ministerpräsident?“ kurz überlegen. Dann entschied er sich für den Linke-Politiker Ramelow. Hintergrund der Frage war die Wahl des Thüringer FDP-Vorsitzenden Thomas Kemmerich zum Ministerpräsidenten des Freistaates - auch mit Stimmen der AfD. „Kemmerich hat einen schweren politischen Fehler gemacht, er unterlag einer Fehleinschätzung über die Motive der AfD“, sagte Lindner nun Moderatorin Tina Hassel. Das Ganze sei ein „schmerzhaftes Ereignis“ gewesen.

Kann er garantieren, dass so ein Tabubruch nochmal passiert?, will Hassel wissen. Lindner bejaht. „Neu ist, dass die AfD mit Finten täuscht. Das ist eine Verhöhnung der parlamentarischen Verfahren“, sagte Lindner. Der Umgang mit der AfD habe sich seit dem Vorgang nochmals verändert. „Wir haben klargestellt: Die FDP wirkt nirgendwo mit der AfD zusammen.“ Auch inhaltliche gebe es keine Gemeinsamkeit.

Zur politischen Zukunft von FDP-Generalsekretärin Linda Teuteberg wollte sich Lindner indes nicht  äußern. Teuteberg sei eine starke Persönlichkeit und „ein starker Teil unseres Teams“, sagte Lindner auf die Frage, ob Teuteberg im Wahljahr 2021 als Generalsekretärin den Wahlkampf mit ihm bestreiten werde. Ansonsten bitte er um Verständnis, dass er sich „an Personalspekulationen, die von außen an unsere Partei herangetragen werden“ nicht beteiligen wolle. Er war nach der Kritik gefragt worden, Teuteberg setze zu wenig eigene Akzente.

ARD-Sommerinterview: FDP am Abgrund - Lindner drohen unangenehme Fragen

Erstmeldung vom 12. Juli:

Berlin - Die FDP hat schon bessere Zeiten gesehen. Ihr Mitglied Thomas Kemmerich ließ sich dieses Jahr mit AfD-Stimmen zum Ministerpräsidenten in Thüringen wählen und löste damit ein Polit-Beben aus. Parteichef Christian Lindner ignorierte mit der Umarmung eines Freundes die gebotenen Corona* -Sicherheitsgebote. Und in Umfragen liegt seine Partei aktuell bei müden fünf Prozent.

Wie will Lindner seine Partei aus diesem Tief führen? Diesen und anderen Fragen der Moderatorin Tina Hassel, stellt sich Lindner am Sonntag, den 12. Juli, im „Bericht aus Berlin“, der ab 18.05 Uhr in der ARD ausgestrahlt wird.

„Sommerinterview (ARD) mit Christian Lindner (FDP): Bleibt er bei Corona-Konjunkturpaket-Kritik

Mit starken politischen Positionen fiel die FDP dieses Jahr noch kaum auf - zuletzt, als Lindner die Wirksamkeit des neuen Konjunkturpakets anzweifelte. Da stimme das „Kosten-Nutzen-Verhältnis“ nicht, erklärte er. Das gelte vor allem für die vorübergehende Senkung der Mehrwertsteuer

Seine Partei würde bei den Maßnahmen, welche die Wirtschaft in der Corona-Krise* ankurbeln sollen, andere Schwerpunkte setzen. In einem Brief an Vorstand, Fraktion und Mitglieder schlug Lindner eine „in der Breite wirksame Steuerreform“ vor - „von der vollständigen Abschaffung des Solidaritätszuschlags, über die Reduzierung des Mittelstandsbauchs und der kalten Progression bis hin zu Änderungen bei der Körperschaftsteuer und den Abschreibungsbedingungen“. Ein Vorschlag, der im Polit-Betrieb auf vergleichsweise wenig Resonanz stieß.

ARD- „Sommerinterview“ 2020 mit Christian Lindner: FDP-Chef wird auch mit User-Fragen konfrontiert

Was das ARD-„Sommerinterview“ angeht, können User im Online-Format „Frag selbst!“ ab etwa 16:45 Uhr ihre Fragen an Lindner stellen, und zwar bei Facebook, Twitter (Hashtag: #fragselbst) und YouTube auf den Kanälen von „Tagesschau“ und „Bericht aus Berlin“. Außerdem können sie eine E-Mail an frag-selbst@tagesschau.de senden. Die Antworten gibt es im Livestream auf den Social-Media-Kanälen von „Tagesschau“ und „Bericht aus Berlin“ sowie auf tagesschau.de.

*Merkur.de gehört zum Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerk.

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesene Artikel

Belarus: Menschenrechtler warnen vor Gewalt bei Protesten

Seit 1994 ist in Belarus Alexander Lukaschenko an der Macht. Dem "letzten Diktator Europas" tritt nun eine politisch unerfahrene Frau entgegen. Sie hat bereits Tausende …
Belarus: Menschenrechtler warnen vor Gewalt bei Protesten

Bombendrohungen gegen Gesundheitsämter in drei Bundesländern

Unbekannte haben gegen Gesundheitsämter in mehreren Bundesländern telefonische Bombendrohungen gerichtet. Einsatzkräfte entdeckten jedoch keinen Sprengstoff.
Bombendrohungen gegen Gesundheitsämter in drei Bundesländern

Linken-Chefin: Sind bereit, in eine Bundesregierung zu gehen

Das Ziel ist klar, der Weg dahin nicht. Die Linke strebt nach der Bundestagswahl im kommenden Jahr eine Regierungsbeteiligung an. Parteichefin Kipping zeigt sich …
Linken-Chefin: Sind bereit, in eine Bundesregierung zu gehen

Start der Corona-Testpflicht: Kosten, Kontrolle, Kapazitäten

Nach und nach enden die Sommerferien - und für Heimkehrer aus vielen Staaten bedeutet das beim Eintreffen in Deutschland: Nicht nur Koffer auspacken, sondern auch einen …
Start der Corona-Testpflicht: Kosten, Kontrolle, Kapazitäten

Kommentare

Hinweise für das Kommentieren

Von Mo. bis Fr. in der Zeit von 18 bis 9 Uhr und am Wochenende werden keine neuen Kommentare freigeschaltet.
Bitte bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht.