Sommerlad: Bürgermeister sehen Landrat Woide in der Pflicht

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Interkommunale (Ober)Bürgermeister wollen im "Fall Sommerlad" Wende zum Positiven und sehen Fuldas Landrat Woide in der Pflicht.

Fulda/Petersberg/Eichenzell/Künzell. Die Redaktion von "Fulda aktuell" führte ein Interview mit Dr. Heiko Wingenfeld (Fulda), Timo Zentgraf (Künzell), Karl-Josef Schwiddessen (Petersberg) und Dieter Kolb (Eichenzell), den vier (Ober)Bürgermeis-tern des Interkommunalen Gewerbegebietes, zum aktuellen Stand im "Fall Sommerlad":

Wie ist der gegenwärtige  Sachstand  in der "Causa Sommerlad" aus Ihrer Sicht?  

Der Antrag auf Abweichung ist gestellt – jetzt muss der Zentralausschuss in seiner Sitzung entscheiden.

Gibt es überhaupt noch eine Möglichkeit, "Sommerlad" in der Region zu halten? Besteht ein Fünkchen Hoffnung?

Wenn der Abweichungsantrag positiv beschieden wird, kann und wird "Sommerlad" wohl bleiben.

Wird die Gemeinde Künzell in ihrer Absicht, den Abweichungsantrag für das neue "Sommerlad"-Grundstück östlich der A7 an der Ausfahrt Fulda-Mitte/Petersberg auch in der abschließenden Sitzung des  Zentralausschusses beim Regierungspräsidium  am 5. September aufrecht zu erhalten, auch von den drei anderen Kommunen des Interkommunalen Gewerbegebietes unterstützt?

Ja.

Wie stehen Sie zu den immer wieder ins Gespräch gebrachten Alternativ-Standorten am Autohof Fulda-Nord beziehungsweise an den "Kaiserwiesen"?

Diese Alternativen wurden von allen Beteiligten grundsätzlich als solche akzeptiert, auch und speziell von Herrn Sommerlad (dieses wurde in der Presse bisher viel zu wenig erwähnt). Es gibt aber jeweils unterschiedliche Hinderungsgründe, die eine praktikable Umsetzung derzeit nicht möglich machen. Im Januar und Februar standen die Chancen gut, dass "Sommerlad" in die Kaiserwiesen geht. Dann stellte sich jedoch heraus, dass die bisher landwirtschaftlich genutzten Flächen, die unter landwirtschaftlichen Ertragsgesichtspunkten üblicherweise mit drei bis vier Euro pro Quadratmeter bewertet werden, nicht unter 100 Euro angeboten wurden. Etwa 30 bis 40 Euro (zehnfacher Ertragswert) wären für die Firma "Sommerlad" wirtschaftlich darstellbar und im Vergleich zu sonstigen Preisen bei Gewerbeflächen für das Unternehmen noch zu vertreten gewesen. Dazu fallen noch Erschließungskos-ten von mindestens 60 bis 70 Euro an. Hierzu, wie bei allen anderen Alternativen auch, war ein interkommunaler Tausch mit den Flächen in Künzell angedacht. Herr Sommerlad hat sich jedenfalls nie gegen Alternativen gesträubt.

Wie beantworten Sie die Kritik, auch gerade seitens des Landrates Bernd Woide, die "interkommunalen" Bürgermeister hätten im Fall Sommerlad eine unglückliche Figur gemacht, sprich eine blauäugige, rechtlich und regionalplanerisch nicht zu realisierende Position vertreten?

Dieser Aussage muss man ganz klar widersprechen. Nicht nur der Landrat steht für Recht und Gesetz, auch die Bürgermeister. Die Ausnahmemöglichkeit steht explizit im Landesentwicklungsplan und im Regionalplan Nordhessen speziell für dieses Gebiet, deswegen steht man genauso für Recht und Gesetz, wenn man für die beantragte Ausnahme stimmt. Die Vertreter des Regierungspräsidiums hatten auch in den letzten Monaten wiederholt signalisiert, dass eine Ausnahme für "Sommerlad" durchaus möglich sei, wenn sich eine entsprechende Mehrheit im Zentralausschuss finde. Auch eine positive Beschlussvorlage wurde in den Bereich des Möglichen gestellt.

Ist nach einem  (möglichen) Scheitern des "Sommerlad"-Neubauprojekts auch das interkommunale Gewerbegebiet "gestorben"?

Nein. Wir stehen zur interkommunalen Zusammenarbeit.

Wer ist nach Ihrer Meinung in erster Linie für das "Sommerlad-Fiasko" verantwortlich und wie kann den 130 von Massenentlassung bedrohten Mitarbeitern kurzfristig noch geholfen werden?

Der Unternehmer hat wirtschaftlich notwendige Entscheidungen getroffen, die negativ über die Presse veröffentlicht wurden und Lokalpolitiker in Zugzwang gesetzt haben. Die sachliche Aufarbeitung der Ängste vor einem Neubau und die Suche nach Alternativen wurde mit ständigen Störfeuern belegt. Es wäre nun unfair, einen einzigen Verantwortlichen zu suchen. Wir haben es hier mit einer Verkettung von unglücklichen Umständen zu tun, die sich hauptsächlich durch Fehleinschätzungen von Prozessentwicklungen ergeben haben. Der Landrat von Fulda – in seiner Eigenschaft als CDU-Fraktionsvorsitzender in der Regionalen Planungsversammlung – sowie alle Mitglieder der Planungsversammlung sind diejenigen,  die jetzt noch eine Wende zum Positiven anstoßen könnten.Die Hilfe für die 130 Mitarbeiter erfolgt wie bei jeder Schließung eines größeren Betriebes über die zuständigen Behörden.

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