Sommerlad-Leute schwer geschockt: Nachricht schlug wie Bombe ein

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Möbelstadt Sommerlad schließt zum 31. März 2017 in Petersberg. Fulda aktuell sprach mit den schwer geschockten Mitarbeitern. Massenentlassungen drohen

Petersberg. Die Nachricht schlug am frühen Freitagmorgen wie eine Bombe ein  - bei fassungslossen Sommerlad-Mitarbeitern  und überraschten Bürgern in der gesamten osthessischen Region. In einer Betriebsversammlung von 8 bis 9.15 Uhr informierte der Gießener Unternehmer Frank Sommerlad seine Mitarbeiter darüber, dass er zum 31. März 2017 das Möbelhaus in Petersberg schließen wird, weil das Regierungspräsidium Kassel seinen Antrag auf einen Neubau der "Möbelstadt Sommerlad" an der östlichen Autobahnausfahrt Fulda Mitte/Petersberg nicht genehmigt. Am Donnerstagabend schon waren der Betriebsleiter und der Betriebsrat über diese Entscheidung informiet worden.  Allerorten herrschten Trauer, Wut, Enttäuschung und Resignation, ja eine Art Schockstarre vor,  denn 130 Mitarbeitern droht nun die Massenentlassung. Die Fulda aktuell-Redakteure Jennifer Sippel und Hans-Peter Ehrensberger haben unmittelbar nach der Hiobsbotschaft mit Betriebsangehörigen der "Möbelstadt Sommerlad" gesprochen und sind auf betretene Mienen und äußerst betroffene Menschen getroffen.

"Seit über drei Jahren kämpfen wir für eine Investition in den Einzelhandel von über 30 Millionen Euro, für die Weiterentwciklung eines mittelständischen Unternehmens, den Erhalt von 128 Arbeitsplätzen, die Schaffung von weiteren 100 Arbeitsplätzen und damit für die Stärkung der Region. Und was ist der Dank? Wir werden behandelt, als wollten wir ein Atomkraftwerk bauen und werden am Nasenring durchs Dorf getrieben. Was ist hier in der Region eigentlich los? Und wessen Interessen werden eigentlich vertreten? Das Unternehmen Sommerlad und meine Mitarbeiter mussten über Jahre hinweg eine einseitige Berichterstattung einer Tageszeitung ertragen. Ich bin darüber hinaus schockiert, fassunglsos und enttäuscht, wie von einzelnen Politikern mit 128 Menschen und  deren Familienangehörigen umgegangen wird und diese alle in die Arbeitslosigkeit geschickt werden. 100 neue Arbeitsplätze werden erst gar nicht geschaffen. Wir wollten nur 300 Meter weiter in vergleichbarer Größe und somit kein Mega-Möbelhaus bauen. Wir stellten damit für unsere Mitbewerber in Zukunft wie auch jetzt keinen ruinösen Wettbewerb dar.

Andere große und deutschlandweit agierende Mitbewerber werden jetzt schnell die Situation nutzen und den heimischen Markt eliminieren. Einige in der Politik sind der Meinung, der Weggang Sommerlads und der Verlust von 128 Arbeitsplätzen verkraftet die Region. Ich bezweifele das sehr. Einige Mitarbeiter werden vielleicht einen neuen Arbeitsplatz finden, die meisten jedoch nicht. Besonders ältere Beschäftigte, wovon viele dem Unternehmen Sommerlad mehr als 20 Jahre treu geblieben sind, werden auf der Strecke bleiben.  Wie gesagt: Ich bin schockiert, fassungslos und enttäuscht. Ich danke aber all meinen treuen Mitarbeitern, die zu mir und dem Unternehmen gehalten haben sowie den Bürgermeistern des Interkommunalen Gewerbegebietes von ganzem Herzen für den Rückhalt und die Unterstüzung in den vergangenen Jahren."

"Die Emotionen liegen blank. Viele Leute heulten, als Herr Sommerlad die Entscheidung verkündete. Und viel haben sich gegenseitig in den Arm genommen und sich Trost zugesprochen. Es gab auch schon besorgte Kundenanrufe bezüglich der Garantien und möglicher Gewährleistungen. Da können wir aber beruhigen. Es nimmt alles über die Zentrale in Gießen seinen korrekten Verlauf. Ich habe vor einem Jahr bei Sommerlad mit großer Hoffnung angefangen und durchweg nette Kollegen kennengelernt. Man fühlt sich hier wohl.  Doch im Augenblick fühle ich mich nur einfach leer, kann kaum in Worte fassen was ich empfinde und schon gar nicht verstehen, was ich heute morgen erfahren habe."

"Ich hatte bis zuletzt gehofft. Vater und Sohn Sommerlad haben immer für ihre Mitarbeiter gekämpft und schon einige Probleme gelöst. Ich kenne Frank Sommerlad schon länger, aber so geschockt und betrübt habe ich ihn noch nie gesehen. Es fiel ihm sichtlich schwer und tat ihm unendlich leid, dass er uns diese schwerwiegende Entscheidung mitteilen musste. In unserer siebenköpfigen Familie bin ich der einzige, der das Geld nach Hause bringt, schon allein deshalb muss es irgendwie weitergehen. Ich hätte niemals gedacht, dass ein Mann wie Landrat Woide soviel Macht hat und ihm die Sommerlad-Mitarbeiter einfach wurst sind."

"Bezüglich eines Neubaus  ging es zuletzt immer hoch und runter, vor und zurück. Als Betriebsrat wusste ich von der negativen Entscheidung schon seit dem späten Donnerstagnachmittag, da war es schon sehr schwierig, vor der Belegschaft bis zum nächsten Tag die Zurückhaltung zu bewahren. Es traf mich sehr hart, das war wie ein Schlag in die Magengrube. Die Stimmung unter uns Sommerlad-Leuten war gedrückt und gedämpft, viele Mitarbeiter sind schon um die 50 Jahre und die Azubis müssen sehen, wo sie unterkommen. Jetzt suchen dann Ende März auf einen Schlag 50 Verkäufer, 30 Techniker und die übrigen Sommerlad-Mitarbeiter auf dem hiesigen Arbeitsmarkt einen neuen Job. hen. Das gibt bestimmt Probleme. Der Betriebsrat ist dabei, einen Sozialplan auszuarbeiten, wir werden für jeden einzelnen Mitarbeiter kämpfen unjd sind schon mit der Geschäftsleitung in Gesprächen. Wo eine Tür zugehet, geht woanders wieder eine auf - so hat es eine Kollegin heute Morgen auf den Punkt gebracht."

"Wir sind schockiert, einfach nur schockiert. Wie wir damit umgehen, gerade weil wir unsere Ausbildung bei Sommerlad nicht beenden können, wissen wir im Augenblick noch nicht. Unsere Ausbildungsleiterin aus Gießen, Frau Knapp, hat uns ihre vollste Unterstützung zugesichert und schon mit der hiesigen IHK gesprochen, damit wir unsere Ausbildung die fehlenden zwei bis drei Monate vielleicht woanders fortsetzen und zu Ende bringen können. Blöd gelaufen, könnte man es banal ausdrücken. Schlimm ist jedoch, dass Herr Sommerlad alles für den Erhalt seines hiesigen Möbelhauses getan hat, dies aber offentsichtlich einige Politiker torpediert haben. Man sollte es vielleicht nicht allein an der Person von Landrat Woide festmachen, da haben gewiss auch noch andere Faktoren und Strippenzieher hineingespielt. Aber eines ist auch klar: So viel politisches Geklüngel wie in Fulda gibt es wohl sonst nirgends mehr. Alle haben zusammengespielt und offenbar in einer unheiligen Allianz gegen uns gearbeitet."

"Wenn ich die ganze Wahrheit über die Politiker, speziell einen in der Region erzählen würde, dann müsste ich wahrscheinlich in den Knast. Auch der Spruch von Frankfurts Ex-Fußball "Stepi", den ich in diesem Zusammenhang heute schon mehrfach gehört habe ("Lebbe geht weiter"), kann mich nicht wirklich über die schlimme Situation hinwegtrösten. Schon gar nicht, dass die mir jetzt auch noch mein zehnjähriges Betriebsjubiläum geklaut haben. Herr Sommerlad jedenfalls kann nichts, aber auch gar nichts für diese fatale Entscheidung und hat sich in keinster Weise etwas vorzuwerfen. Das muss man ganz klar anderen in die Schuhe schieben. Die Fuldaer Cliquenwirtschaft reicht offenbar sogar bis Kassel."

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