„So selbstverständlich wie mein Schwulsein“

Spahn kritisiert die katholische Kirche - und verteidigt Söder im Kruzifix-Streit

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Jens Spahn vergangene Woche bei einer Sitzung des Bundeskabinetts.

Die katholische Kirche vertue viele Chancen beim Umgang mit Homosexuellen, findet Minister Jens Spahn - auch im Kruzifix-Streit übt er Kritik am kirchlichen Standpunkt.

Berlin - Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hat die Haltung der katholischen Kirche gegenüber Homosexuellen kritisiert. Von der Amtskirche würden "viele Chancen vertan", sagte Spahn der Zeit-Beilage Christ und Welt laut Vorabmeldung vom Dienstag. Als Beispiel nannte er die Weigerung der Kirche, homosexuelle Paare zu segnen. Statt die Menschen mit offenen Armen zu empfangen, verstoße die Kirche sie.

"Damit macht man so viel kaputt", beklagte Spahn. Er selbst habe zwar vor seiner Hochzeit niemals darüber nachgedacht, seine Ehe von der Kirche segnen zu lassen. "Meinem Mann jedoch wäre eine solche Segnung wichtig gewesen."

Als schwuler Mann und Katholik könne er mit dem Teil der katholischen Lehre wenig anfangen, der Homosexuelle zur Keuschheit aufruft, sagte Spahn. Er sei überzeugt, "dass Gott mich so nimmt, wie ich bin - weil mein Glaube so selbstverständlich zu mir gehört wie mein Schwulsein."

Spahn springt Söder zur Seite

Spahn verteidigte zugleich die Kruzifix-Pläne der bayerischen Landesregierung gegen Kritik der Kirche. „Ich finde es irritierend, wenn hohe Kirchenvertreter plötzlich Anstoß nehmen am Kreuz“, sagte Spahn in dem Interview.

Er reagierte damit auf die Äußerungen des Vorsitzenden der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Reinhard Marx, der dem bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder (CSU) vorgeworfen hatte, das Kreuz im Namen des Staates zu instrumentalisieren. Das bayerische Kabinett hatte beschlossen, dass im Eingangsbereich jeder Landesbehörde ein Kreuz aufgehängt werden soll.

„Selbst wenn ich Atheist wäre oder andersgläubig, fände ich es beruhigend, in einer Amtsstube auf ein Selbstverständnis zu treffen, das allen Menschen die gleiche Würde zuspricht.“ Die Botschaft, für die das Kreuz stehe, sei eine Einladung an den Menschen. In Münster beginnt an diesem Mittwoch der Katholikentag, bei dem das Thema eine größere Rolle spielen dürfte.

Lesen Sie auch: Kretschmann muss bei Söder an „Vampirfilme“ denken

AFP/dpa/fn

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