Pflegeheime und Kliniken

Spahn kündigt Corona-Schnelltests an

"Schnelltests kommen vor allem für Besucher, Beschäftigte, Bewohner und Patienten von Pflegeheimen und Krankenhäusern in Betracht", sagt Spahn. Foto: Jörg Carstensen/dpa
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«Schnelltests kommen vor allem für Besucher, Beschäftigte, Bewohner und Patienten von Pflegeheimen und Krankenhäusern in Betracht», sagt Spahn. Foto: Jörg Carstensen/dpa

Die Bilder von Pflegeheimen, in denen das Coronavirus viele Opfer forderte, sind noch vor Augen. Gerade alte und kranke Menschen sind gefährdet. Minister Spahn setzt auf eine neue Teststrategie.

Berlin (dpa) - Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) will die Zahl der Corona-Schnelltests für Pflegeheime und Krankenhäuser deutlich erhöhen.

Alten- und Pflegeheime sollen ab dem 15. Oktober flächendeckend Corona-Tests durchführen, um Bewohner, Personal und Besucher besser vor dem Virus zu schützen. Ähnliche Regelungen sind für Krankenhäuser, Arzt- und Zahnarztpraxen, Praxen humanmedizinischer Heilberufe oder ambulante Pflegedienste vorgesehen.

Das geht aus einem der dpa vorliegenden Entwurf für eine Testverordnung vor, die Spahn jetzt vorgelegt hat, um die Nationale Teststrategie für die kommenden Monate festzulegen. Zuerst hatte der «Spiegel» darüber berichtet.

Werde in solchen Einrichtungen eine Infektion festgestellt, habe jeder, der in den vorangegangenen zehn Tagen dort gewesen sei, Anspruch auf einen Test, heißt es in dem Referentenentwurf weiter. «Pflegeheime beispielsweise bekommen ein monatliches Kontingent, abhängig von der Zahl der Bewohnerinnen und Bewohner: bis zu 50 Tests pro Monat stehen rechnerisch pro Bewohner zur Verfügung; eine Einrichtung mit 80 Bewohnern kann so beispielsweise 4000 Tests im Monat im Rahmen ihres eigenen Hauskonzepts nutzen, um Besucher, Personal oder Bewohner aktuell und schnell zu testen.»

Die Finanzierung von Testzentren «führt zu geschätzten Mehrausgaben für den Gesundheitsfonds in Höhe eines mittleren dreistelligen Millionenbetrags, abhängig von der Entwicklung des Testgeschehens». Eine Schätzung der Testanzahl insgesamt sei nicht möglich, da Faktoren wie der weitere Verlauf der Corona-Pandemie oder Impfstoff-Kapazitäten nicht abzusehen seien, heißt es in dem Entwurf weiter.

«Schnelltests kommen vor allem für Besucher, Beschäftigte, Bewohner und Patienten von Pflegeheimen und Krankenhäusern in Betracht», sagte Spahn der «Bild am Sonntag». «Damit können wir verhindern, dass sich alte und kranke Mitbürgerinnen und Mitbürger anstecken. Für sie ist die Gefahr von schwerwiegenden Folgen einer Infektion am größten.» Die Frage, wann und unter welchen Bedingungen die Schnelltests von den Krankenkassen bezahlt würden, werde zum 15. Oktober geregelt.

Die Deutsche Stiftung Patientenschutz mahnt zur Eile. Über die Hälfte der Menschen, die an Covid-19 gestorben seien, habe in Pflegeheimen gelebt. «Hier wohnt die Risikogruppe auf engstem Raum zusammen. Deshalb ist es überfällig, dass der Gesundheitsminister eine effiziente Teststrategie für die Altenpflege auf den Weg bringt», sagte Vorstand Eugen Brysch der Deutschen Presse-Agentur.

In Deutschland gibt es nach seinen Angaben vier Millionen pflegebedürftige Menschen, 900.000 leben in Heimen. «Doch Corona-Tests schützen nicht vor dem Virus. So sind weiterhin ein Hygienegrundschutz und eine funktionierende Kontaktdokumentation notwendig. Nur so ist jederzeit nachvollziehbar, wer mit wem zu tun hatte», forderte Brysch. Das gelte für Pflegebedürftige genauso wie für Pflegekräfte. Schließlich hätten sich die meisten Mitarbeiter untereinander angesteckt und nicht an Pflegebedürftigen.

© dpa-infocom, dpa:201004-99-816090/3

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