Minister erweckt falschen Eindruck

Spahn stellte kriminelle Flüchtlinge an den Pranger - und muss jetzt mächtig zurückrudern

+
Jens Spahn hat die Unwahrheit gesagt.

Gesundheitsminister Jens Spahn hat in einem Interview mit einer Aussage zu einer Gruppe angeblich fortlaufend krimineller abgelehnter Asylbewerber in seinem Wahlkreis einen falschen Eindruck erweckt.

Berlin - Das haben Recherchen von „Focus Online“ ergeben. Spahn, der sich um den CDU-Vorsitz bewirbt, war von der „Welt am Sonntag“ auf innerparteiliche Kritik an seiner Aussage angesprochen worden, dass das Migrationsthema ausdiskutiert werden müsse. Darauf hatte er gesagt: „Wenn bei mir im Wahlkreis ein 8000-Einwohner-Ort von fünf abgelehnten, straffällig gewordenen, gewaltbereiten Asylbewerbern in Atem gehalten wird, dann zerstört das die Akzeptanz für Flüchtlinge - und nicht die Debatte darüber.“

Bei dem Ort bezog sich Spahn auf Metelen in Nordrhein-Westfalen, wie sein für die Kandidatur zuständiger Mitarbeiter „Focus Online“ sagte. Dessen Bürgermeister Gregor Krabbe sagte dem Internetportal, es habe zwei Vorfälle mit Asylbewerbern gegeben, im Juli 2018 und im November 2017. „Dass unser Ort von dieser Gruppe in Atem gehalten wird, kann man nicht sagen und ist übertrieben. Es ist kein Dauerkonflikt. Es ist ein falsches Bild, dass wir hier eine extreme Situation haben.“

Video: Spahn will Angela Merkel beerben

Spahn: Falsche Angaben zu Asylbewerbern

Zudem ist Spahns Zahlenangabe zu den Asylbewerbern falsch, wie „Focus Online“ mit Berufung auf das Ordnungsamt schreibt. Dem zufolge geht es um vier anerkannte Asylbewerber, nicht um abgelehnte, und einen Deutschen mit Migrationshintergrund.

Auf Anfrage des Portals ruderte Spahn zurück. „Größe und Zahl der Männer waren beispielhaft genannt für das, was die Bürgermeister aus der Heimat mir regelmäßig berichten: Dass schon eine kleine Zahl gewaltbereiter oder psychisch sehr belasteter junger Männer reicht, um ein Dorf oder eine kleine Stadt in Unruhe zu versetzen„, teilte er demnach mit. Das Beispiel Metelen sei ihm „wegen der berechtigten Aufregung vor Ort noch sehr präsent, wenn zugegebenermaßen auch nicht im Detail“.

Lesen Sie auch: Sieben Antworten zum UN-Migrationspakt: Was Sie wissen müssen - und was die Kritiker sagen

dpa

Mehr zum Thema

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesene Artikel

Untersuchungsausschuss zur geplatzten Pkw-Maut gestartet

Vorwürfe gegen den Verkehrsminister in Sachen Pkw-Maut gibt es schon reichlich. Nun nimmt auf Drängen der Opposition ein Ausschuss die ganze Vorgeschichte unter die Lupe …
Untersuchungsausschuss zur geplatzten Pkw-Maut gestartet

Schock bei Schottland-Wahl: Bombenalarm bei Wahllokal - Mann verhaftet

Das Brexit Drama droht Großbritannien zu zerreißen. Während mit der Parlamentswahl in England über den Brexit abgestimmt wird, könnten die Schotten für ihre …
Schock bei Schottland-Wahl: Bombenalarm bei Wahllokal - Mann verhaftet

Söder warnt SPD vor Linksruck: „Den Weg werden wir nicht mitgehen“

Nach dem SPD-Parteitag stellt sich die Frage was die neue Partei-Führung für die große Koalition bedeutet. Am Montag könnte es in einer Regierungserklärung von Angela …
Söder warnt SPD vor Linksruck: „Den Weg werden wir nicht mitgehen“

Protest in Frankreich: Frau bringt im Streikchaos Kind in der Bahn zur Welt

Die Wut in Frankreich über die Rentenpläne hält an: Doch kurzes Innehalten, als eine Frau in einem Vorortzug im Chaos des Streiks ein Kind zur Welt bringt. 
Protest in Frankreich: Frau bringt im Streikchaos Kind in der Bahn zur Welt

Kommentare

Hinweise für das Kommentieren

Von Mo. bis Fr. in der Zeit von 18 bis 9 Uhr und am Wochenende werden keine neuen Kommentare freigeschaltet.
Bitte bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht.