Doppelspitze bei der SPD

Müntefering kritisiert Trennung von Partei- und Fraktionsvorsitz

+
Franz Müntefering.

Seit Mittwoch steht Andrea Nahles an der Spitze der SPD-Fraktion. Mit Parteichef Martin Schulz bildet sie eine Art Doppelspitze. Ein Schulz-Vorgänger hätte sich eine andere Lösung gewünscht.

Berlin - Nach dem Wahldebakel der SPD stört sich deren früherer Chef Franz Müntefering an der Entscheidung, Partei- und Fraktionsvorsitz zu trennen. Auf die Frage, ob beides nicht in eine Hand gehöre, antwortete Müntefering in der Passauer Neuen Presse (Donnerstag): „Ich fände es besser, ja“. „Die Oppositionsstrategie muss an einer Stelle verantwortet werden und eindeutig sein.“ Müntefering fügte hinzu: „Bei zwei Zentren ist es komplizierter.“

Die bisherige Arbeitsministerin Andrea Nahles war am Mittwoch zur neuen Vorsitzenden der SPD-Bundestagsfraktion gewählt worden. Parteichef blieb nach dem schlechtesten Nachkriegsergebnis bei einer Bundestagswahl Martin Schulz.

Nahles hingegen blickt positiv auf die Zusammenarbeit mit Schulz. „Jeder von uns hat eine enorm große Aufgabe vor der Brust. Ich im Parlament mit der Fraktion, er in der Partei“, sagte sie am Mittwochabend in den ARD-Tagesthemen. „Und gerade weil wir einen anderen Teamgeist auch etablieren werden, und das haben wir auch schon angefangen, in den letzten Tagen zu realisieren, wird es eben auch doppelte Kraft sein, und das ist genau das Richtige und das ist das, was wir jetzt brauchen.“

Der rheinland-pfälzische SPD-Fraktionschef, Alexander Schweitzer, begrüßte die Entscheidung pro Nahles, kritisierte aber das Zustandekommen der jüngsten Personalentscheidungen. Ihn störten die Mechanismen, „die seit Sonntagabend in Berlin wieder um sich greifen“, sagte er der Rhein-Zeitung (Donnerstag). „Es nervt mich, dass wir wieder die alten Blockbildungen haben, die Zuordnungen in Parteilinke, Parteirechte, in bestimmte Kreise und Zirkel“. Dies sei doch längst ohne Kraft. „Diese Parteiflügel beflügeln nichts mehr in der Partei. Und ich bin mir sicher, dass wir darauf verzichten müssen, wenn wir die SPD wirklich neu aufstellen wollen.“

Schulz hatte sich rasch nach der Wahl auf Nahles festgelegt. Als ihren Stellvertreter hatte er Generalsekretär Hubertus Heil vorgesehen. Der rechte SPD-Flügel wehrte sich allerdings dagegen und setzte den Haushaltsexperten Carsten Schneider für den Posten durch.

Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) stärkte Schulz den Rücken. Angesichts anstehender, schwieriger interner Debatten „brauchen wir einen Parteichef mit hoher Integrationskraft. Martin Schulz ist dafür nach meiner festen Überzeugung der beste Mann“, sagte Weil dem Handelsblatt. „Martin Schulz wird auch über den Parteitag hinaus an der Spitze der Partei stehen.“ In Berlin werde unterschätzt, dass es eine hohe emotionale Verbundenheit vieler Mitglieder mit dem Parteichef gebe.

Hamburgs früherer Bürgermeister Klaus von Dohnanyi hingegen rief Schulz zum Rücktritt auf.

Alle Infos rund um die Bundestagswahl 2017 gibt es in unserem News-Ticker.

dpa

Mehr zum Thema

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesene Artikel

Trauerfall bei Maybrit Illner: Matthias Fornoff ersetzt Talkmasterin in ZDF-Sendung

Im ZDF-Talk „Maybrit Illner“ fehlt ausgerechnet die Gastgeberin. Der Grund ist ein trauriger.
Trauerfall bei Maybrit Illner: Matthias Fornoff ersetzt Talkmasterin in ZDF-Sendung

Türkei verweigert deutschem Wahlbeobachter die Einreise

Der Linken-Abgeordnete Hunko war schon beim Referendum in der Türkei Wahlbeobachter. Anschließend geriet er in die Kritik der Regierung. Nun wollte er für die OSZE …
Türkei verweigert deutschem Wahlbeobachter die Einreise

Visegrad-Staaten erteilen dem Asyl-Sondergipfel eine Abfuhr

Die mitteleuropäische Staatengruppe hält an ihren umstrittenen Positionen zur Migrations- und Asylfrage fest. Der Asyl-Sondergipfel in Brüssel interessiert sie nicht. …
Visegrad-Staaten erteilen dem Asyl-Sondergipfel eine Abfuhr

Telekom Tochter will in Deutschland 6000 Stellen streichen

Die Telekom-Tochter T-Systems, die sich um Großkunden kümmert, will bis 2021 rund 6000 Arbeitsplätze in Deutschland streichen.
Telekom Tochter will in Deutschland 6000 Stellen streichen

Kommentare

Ab dem 25.5.2018 gilt die Datenschutzgrundverordnung. Dazu haben wir unser Kommentarsystem geändert. Um kommentieren zu können, müssen Sie sich bei unserem Dienstleister DISQUS anmelden. Sollten Sie zuvor bereits ein Profil bei DISQUS angelegt haben, können Sie dieses weiter verwenden. Nutzer, die sich über den alten Portal-Login angemeldet haben, müssen sich bitte einmalig direkt bei DISQUS neu anmelden.

Hinweise für das Kommentieren

Von Mo. bis Fr. in der Zeit von 18 bis 9 Uhr und am Wochenende werden keine neuen Kommentare freigeschaltet.
Bitte bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht.