Anti-Terror-Einsatz

Nach neuen Explosionen: Von Sri-Lanka-Reisen wird abgeraten

Marinesoldaten stehen vor der Kirche St. Anthony&#39s. Die Behörden haben damit begonnen, die Trümmer zu räumen. Foto: Manish Swarup/AP
1 von 5
Marinesoldaten stehen vor der Kirche St. Anthony's. Die Behörden haben damit begonnen, die Trümmer zu räumen. Foto: Manish Swarup/AP
Polizisten und Soldaten sichern die Straße vor einem Haus. Foto: Achala Upendra/AP
2 von 5
Polizisten und Soldaten sichern die Straße vor einem Haus. Foto: Achala Upendra/AP
Nach den Anschlägen: Ein katholischer Priester steht neben Glasscherben in Colombo. Foto: Manish Swarup/AP
3 von 5
Nach den Anschlägen: Ein katholischer Priester steht neben Glasscherben in Colombo. Foto: Manish Swarup/AP
Marinesoldaten räumen Trümmer aus einer Kirche. Foto: Manish Swarup/AP
4 von 5
Marinesoldaten räumen Trümmer aus einer Kirche. Foto: Manish Swarup/AP
Polizisten patrouillieren in einer muslimischen Nachbarschaft, bevor die Freitagsgebete abgehalten werden. Foto: Manish Swarup/AP
5 von 5
Polizisten patrouillieren in einer muslimischen Nachbarschaft, bevor die Freitagsgebete abgehalten werden. Foto: Manish Swarup/AP

Die verheerenden Osteranschläge auf Kirchen und Luxushotels sind noch keine Woche her, da erschüttern mehrere Explosionen einen Küstenort in Sri Lanka. Kurz darauf machen Anti-Terror-Einheiten eine grausige Entdeckung.

Colombo (dpa) - Nach neuer Gewalt mutmaßlicher Terroristen in Sri Lanka hat das Auswärtige Amt seine Reisehinweise für das Land verschärft. "Vor nicht notwendigen Reisen nach Sri Lanka wird abgeraten", hieß es auf der Internetseite der deutschen Behörde.

'Zuvor hatte dies nur für die Hauptstadt Colombo gegolten, nicht für das gesamte Land. In der Nacht zum Samstag (Ortszeit) waren nach mehreren Explosionen in einem von Sicherheitskräften umstellten Haus im Osten Sri Lankas 15 Leichen entdeckt worden. Knapp sechs Tage zuvor, am Ostersonntag, hatten neun einheimische Selbstmordattentäter mehr als 250 Menschen in dem Inselstaat im Indischen Ozean getötet.

Das Haus in der Küstenstadt Sainthamaruthu sollte im Zuge einer Anti-Terror-Razzia von Polizisten und Soldaten gestürmt werden, als es nach Aussagen eines Polizeisprechers vom Samstag zu den Detonationen kam. Unter den Toten sind demnach sechs Kinder und drei Frauen. Zwölf Leichen seien in dem Haus und drei davor gefunden worden. Ein Kind und eine Frau seien verletzt ins Krankenhaus gebracht worden.

Das Gebäude war nach den Worten des Sprechers am späten Freitagabend umzingelt worden. Grund des Einsatzes waren Ermittlungen zu den Osteranschlägen. Die Sicherheitskräfte wurden den Angaben zufolge aus dem Haus beschossen. Kurz darauf sei es in dem Gebäude zu mindestens drei Explosionen gekommen. Die Polizei vermutet, dass die Detonationen auf einen oder mehrere Selbstmordattentäter zurückgehen.

Einige Stunden zuvor wurden in einem wenige Kilometer entfernten Wohnhaus bei mutmaßlichen Islamisten unter anderem mehrere Sprengstoffwesten, eine Drohne und umfangreiches Material zur Herstellung von Bomben - darunter rund 100 000 Kugellager - sichergestellt worden, wie die Polizei mitteilte. Zudem seien eine Flagge der Terrororganisation Islamischer Staat (IS) und Kleidung gefunden worden - sie könnten auf einem angeblichen Bekennervideo der Attentäter vom Ostersonntag zu sehen sein, das von einem IS-Sprachrohr verbreitet worden war. Sieben junge Muslime wurden bei der Razzia in der Ortschaft Sammanthurai festgenommen.

In verschiedenen Teilen des Landes wurden am Samstag Verdächtige festgenommen und Gegenstände sichergestellt, darunter Sprengstoff, Zünder, Schusswaffen, Schwerter und Funkgeräte. Staatspräsident Maithripala Sirisena sagte einer Mitteilung seines Büros zufolge: "Jeder Haushalt des Landes wird durchsucht werden." Es würden Listen der dauerhaften Bewohner eines jeden Hauses erstellt.

Zudem wurden zwei extremistische Organisationen, die im Zusammenhang mit den Anschlägen vom Ostersonntag stehen sollen, in Sri Lanka verboten: die einheimische Islamistengruppe National Thowheeth Jamaath (NTJ), die die Anschläge verübt haben soll, sowie die Organisation Jammiyathul Millathu Ibrahim, die ebenfalls an den Terrorakten beteiligt gewesen sein soll. Beide Organisationen waren zuvor kaum bekannt und nicht mit Terrorismus in Verbindung gebracht worden. Die NTJ gilt als salafistisch.

Auch die USA verschärften ihre Reisehinweise - das Außenministerium rät nach einer Mitteilung vom Freitag (Ortszeit) dazu, wegen Terrorismus Reisepläne nach Sri Lanka zu überdenken. Es ordnete zudem an, dass Angehörige von US-Regierungsmitarbeitern, die im Schulalter sind, den Inselstaat verlassen müssen. Die Abreise aller Mitarbeiter, die nicht für Notfälle benötigt werden, und ihrer Angehörigen sei genehmigt worden, hieß es. Der Reiseführer "Lonely Planet" hatte Sri Lanka zuletzt noch zum Top-Reiseziel dieses Jahres erklärt.

Wegen der anhaltenden Terrorgefahr sagte die katholische Kirche Sri Lankas bis auf weiteres alle Sonntagsmessen ab. In vielen Moscheen des Landes fielen auch die Freitagsgebete aus. Führer der religiösen Minderheit hatten dazu aufgerufen, aus Solidarität mit den Christen Sri Lankas, deren Kirchen geschlossen blieben, Moscheen fernzubleiben. Es hatte laut Polizei auch Anschlagspläne gegen Gotteshäuser der als tolerant geltenden islamischen Strömung des Sufismus gegeben. Einige Muslime waren zudem besorgt über mögliche Racheakte gegen sie.

Neun einheimische Selbstmordattentäter, unter ihnen eine Frau, hatten am Ostersonntag Anschläge unter anderem auf drei christliche Kirchen und drei Luxushotels verübt. Unter den Todesopfern waren mindestens 40 Ausländer. Der IS reklamierte die Attacken für sich. Die Regierung macht eine einheimische Islamistengruppe dafür verantwortlich. Diese müsse aber Hilfe eines internationalen Netzwerks gehabt haben.

Nach Worten des Premierministers Ranil Wickremesinghe wird untersucht, warum die Terroristen offensichtlich große Mengen Sprengstoff, der nicht am Ostersonntag verwendet wurde, an verschiedenen Orten lagerten. Möglicherweise hätten sie gehofft, dass sich ihnen nach den Angriffen weitere Menschen anschließen und Selbstmordanschläge verüben, sagte Wickremesinghe der britischen Zeitung "The Guardian".

Reiseheinweise des Auswärtigen Amtes für Sri Lanka

Reisehinweise des US-Außenministeriums für Sri Lanka

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesene Artikel

Donald Trump twittert euphorisch sein neues „Space Force“-Logo - und übersieht peinliches Detail

Donald Trump twittert das neue Space Force Logo. Der Spott lässt nicht lange auf sich warten. Die Ähnlichkeit zu einem bekannten Science-Fiction-Franchise ist …
Donald Trump twittert euphorisch sein neues „Space Force“-Logo - und übersieht peinliches Detail

Rund 550 rechtsextreme Verdachtsfälle in der Bundeswehr

Hat die Bundeswehr ein Problem mit Rechtsextremen? 550 Verdachtsfällen geht der Militärgeheimdienst nach. Ein Truppenteil ist besonders betroffen.
Rund 550 rechtsextreme Verdachtsfälle in der Bundeswehr

Steine auf die Polizei: Indymedia-Demo in Leipzig eskaliert

Die Demonstration gegen das Verbot des Portals "Linksunten.Indymedia" ist in Leipzig eskaliert. Auf die Polizei geht ein Steinhagel nieder. Auch werden Journalisten …
Steine auf die Polizei: Indymedia-Demo in Leipzig eskaliert

Netanjahu sieht in Trumps Nahost-Plan historische Chance

Schon seit Jahren lässt Trumps Plan zur Überwindung des Konflikts zwischen Israel und den Palästinensern auf sich warten. Nun steht seine Veröffentlichung unmittelbar …
Netanjahu sieht in Trumps Nahost-Plan historische Chance

Kommentare

Hinweise für das Kommentieren

Von Mo. bis Fr. in der Zeit von 18 bis 9 Uhr und am Wochenende werden keine neuen Kommentare freigeschaltet.
Bitte bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht.