Klage über "Ausverkauf"

Streit über Konzessionen des Papstes an China

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Papst Franziskus am 22. Januar während seiner Rückreise aus Südamerika. Foto: Alessandra Tarantino

Der Papst hat noch nie China besucht. Er sucht eine Annäherung zur kommunistischen Führung, um die jahrzehntealte Kluft zwischen Staats- und Untergrundkirche zu verringern. Dabei geht er weiter als seine Vorgänger. Das stößt auf scharfe Kritik auch in den eigenen Reihen.

Peking (dpa) - Papst Franziskus hat mit seinen Bemühungen, auf die kommunistische Führung in China zuzugehen, eine heftige Kontroverse ausgelöst.

Berichte über seine Pläne, möglicherweise Bischöfe der "patriotischen" Kirche Chinas anzuerkennen, die den Papst nicht als Autorität akzeptiert, stießen auf Warnungen vor einem "Ausverkauf" der Katholiken der chinesischen Untergrundkirche. Knapp die Hälfte der schätzungsweise mehr als zehn Millionen Katholiken in China entzieht sich der staatlichen Kontrolle und steht loyal zum Papst, wofür viele auch verfolgt werden.

Nach einem Bericht des "Wall Street Journal" vom Freitag will das Oberhaupt der katholischen Kirche in einem großen Zugeständnis an die Führung in Peking sieben Bischöfe der Staatskirche anerkennen. Dafür wolle der Papst deren Exkommunizierung zurücknehmen, berichtete das Blatt unter Hinweis auf eine Person, die mit dem Plan vertraut sei. Die Bischöfe waren mit Exkommunizierung - dem Ausschuss aus der Kirche - bestraft worden, weil sie gegen den Willen des Papstes ihre Ernennungen durch die Staatskirche angenommen hatten.

Nach ihrer Machtübernahme hatten die Kommunisten 1949 die diplomatischen Beziehungen zum Vatikan abgebrochen und 1951 die "Katholische Patriotische Vereinigung" gegründet. Priester und Ordensschwestern, die dieser Staatskirche nicht beitreten wollten, wurden inhaftiert, geschlagen und manche umgebracht. Wer weiterhin dem Papst die Treue hielt, musste in den Untergrund flüchten. Der Papst, der noch nie zu einem Besuch nach China reisen konnte, hat wiederholt erklärt, die Spaltung der Kirche überwinden zu wollen.

Unter Staats- und Parteichef Xi Jinping wurde die Kontrolle noch verschärft. Die diplomatischen Beziehungen des Vatikans zu Taiwan, das die Kommunisten nur als abtrünnige Provinz ansehen, gelten nicht als Hindernis für eine Annäherung. Um formelle Beziehungen zu Peking aufnehmen zu können, müsste der Vatikan das Verhältnis zu Taipeh aufgeben, wozu der Papst nach Ansicht von Beobachtern bereit wäre.

Der Vatikan habe Peking informell von der Entscheidung des Papstes über die sieben Bischöfe der Staatskirche unterrichtet, die im Frühjahr verkündet werden könne, berichtete das "Wall Street Journal". Es sei Teil einer angebotenen Abmachung, nach der Peking dem Papst im Gegenzug ein Vetorecht bei der Auswahl der Kandidaten für Bischofsposten der Staatskirche einräumen würde. Eine wesentliche Forderung der kommunistischen Führung dafür sei aber gewesen, dass der Papst die sieben Bischöfe anerkenne, schrieb die Zeitung.

Viele weitere Fragen sind noch ungelöst. So ist auch unklar, was aus den mehr als 30 Bischöfen der Untergrundkirche wird, die von Rom, aber nicht von Peking anerkannt sind. Zuvor war berichtet worden, dass eine Delegation des Vatikans bei einem Besuch im Dezember in China die zwei Bischöfe der Untergrundkirche in Shantou und Mindong unter Druck gesetzt hätten, ihre Positionen zugunsten von Vertretern der Staatskirche zu räumen. Einer der Bischöfe der patriotischen Kirche ist auch exkommuniziert und sitzt sogar in Chinas Parlament.

Der bisher einmalige Vorgang stieß auf heftige Kritik in der Kirche. Der pensionierte Bischof von Hongkong, Kardinal Joseph Zen, drängte den Papst nach eigenen Angaben bei einer Audienz Mitte Januar in Rom, davon abzusehen. Nach seiner Darstellung zeigte der Papst durchaus Verständnis. Doch trat der Vatikan am Dienstag dem Eindruck entgegen, dass es Differenzen zwischen Franziskus und seinen Unterhändlern gebe, die den Dialog mit Peking führen. Ein Vatikansprecher kritisierte Kirchenvertreter, "die Verwirrung und Streit fördern".

Angesichts der Verfolgung und Unterdrückung der Katholiken der Untergrundkirche in China hatte Kardinal Zen am Montag in einem offenen Brief davor gewarnt, sich einem "totalitären Regime" zu ergeben. "Denke ich, dass der Vatikan die katholischen Kirche in China verrät?", schrieb der Kardinal. "Ja, definitiv, wenn sie in die Richtung gehen, die erkennbar ist von allem, was sie in den vergangenen Jahren und Monaten tun."

Die "Patriotische Vereinigung" wollte sich auf Anfrage nicht äußern. Die Außenamtssprecherin Hua Chunying sprach am Mittwoch nur von einem "konstruktiven Dialog" mit dem Vatikan. Und die "Global Times", die vom Parteiorgan "Volkszeitung" herausgegeben wird, meinte, China arbeite "geduldig an einer Lösung" mit dem Vatikan. Der Papst sei entschlossen, die Beziehungen zu ändern. Auch warnte das Blatt vor "internationalen Kräfte", die versuchen könnten, "den Verhandlungsprozess zu sabotieren, indem Gerüchte gestreut werden, die den Beziehungen zwischen China und dem Vatikan abträglich sind."

Wall Street Journal

Brief von Kardinal Zen

AsiaNews

Global Times

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