151 Journalisten in Türkei hinter Gittern

Streit über Pressefreiheit vor Erdogan-Besuch in Paris

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Erdogans Sprecher wirft Macron vor, über die Situation „schlecht informiert“ zu ein.

Vor dem mit Spannung erwarteten Besuch des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan in Paris haben sich Frankreich und die Türkei einen Schlagabtausch zur Pressefreiheit geliefert.

Paris/Ankara - Vor dem mit Spannung erwarteten Besuch des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan in Paris haben sich Frankreich und die Türkei einen Schlagabtausch zur Pressefreiheit geliefert. Der französische Staatschef Emmanuel Macron sei "schlecht informiert" über die Situation in der Türkei, sagte Erdogans Sprecher Ibrahim Kalin am Donnerstag, nachdem Macron versprochen hatte, sich bei Erdogan für inhaftierte Journalisten einzusetzen. 

"In der Türkei fallen Rechtsfragen in die Verantwortung der Justiz", sagte Kalin. Auch Journalisten könnten "Verbrechen" begehen. Laut der Plattform für Pressefreiheit P24 sitzen derzeit 151 Journalisten in der Türkei hinter Gitter. Vielen werden Verbindungen zu Terrorgruppen vorgeworfen. Zudem wurden seit dem versuchten Militärputsch von Juli 2016 mehr als 150 Medien geschlossen. 

Erdogan reist am Freitag zu Gesprächen mit Macron nach Paris. Der türkische Staatschef ist derzeit um eine Normalisierung der Beziehungen mit den EU-Staaten bemüht, die wegen des Vorgehens der türkischen Behörden gegen Regierungskritiker seit dem Putschversuch stark angespannt sind. Besonders die linke Opposition in Frankreich drängt Macron, bei dem Besuch auch die Lage der Menschenrechte deutlich anzusprechen. 

Der französische Staatssekretär im Außenministerium, Jean-Baptiste Lemoyne, sagte dem Rundfunksender Sud Radio, es bedürfe "sehr konkreter Gesten der Türkei", solle es Fortschritte im derzeit eingefrorenen EU-Beitrittsprozess geben. Zugleich betonte Lemoyne, dass es wichtig sei, mit allen wichtigen Akteuren "in dieser sehr komplexen Region" im Gespräch zu bleiben.

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AFP

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