Vor der US-Präsidentenwahl

Streit um Informationen für US-Kongress zu Wahl-Einmischung

Der Abgeordnete John Ratcliffe im Sommer vergangenen Jahres in Washington. Foto: Andrew Harnik/AP/dpa
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Der Abgeordnete John Ratcliffe im Sommer vergangenen Jahres in Washington. Foto: Andrew Harnik/AP/dpa

Im US-Wahlkampf 2016 gab es Geheimdiensten zufolge eine breit angelegte Kampagne aus Russland. Jetzt warnen sie wieder davor - und ausgerechnet vor der Abstimmung wird der US-Kongress weniger Informationen zu dem Thema bekommen.

Washington (dpa) - Gut zwei Monate vor der US-Präsidentenwahl gibt es in Washington neuen Streit um den Schutz der Abstimmung vor Einmischung aus dem Ausland.

Der Kongress und seine Ausschüsse werden zu dem Thema keine persönlichen Briefings aus dem Büro des Direktors der Nachrichtendienste, John Ratcliffe, mehr bekommen. Stattdessen sollen lediglich schriftliche Berichte verschickt werden. Die Abgeordneten verlieren damit die Möglichkeit, Nachfragen zu stellen.

Präsident Donald Trump begründete den Schritt damit, dass Informationen aus vertraulichen Briefings an die Öffentlichkeit durchgesickert seien. «Sie leaken Informationen», sagte Trump am Samstag während eines Besuchs in Texas. Der demokratische Herausforderer Joe Biden kritisierte: «Das ist nicht, wie Demokratie funktioniert.»

Vor vier Jahren gab es im US-Wahlkampf breit angelegte Propaganda-Kampagnen, die von Russland aus geführt wurden. Nach Erkenntnissen von US-Behörden und Internet-Konzernen ging es dabei zum einen darum, die Spaltung der Gesellschaft zu verstärken - zum anderen aber auch um Schützenhilfe für Trump. Die russische Regierung um Präsident Wladimir Putin bestritt stets ihre Beteiligung.

Erst vor drei Wochen hieß es aus Ratcliffes Büro, auch jetzt gebe es Versuche aus dem Ausland, den Wahlkampf zu beeinflussen. Dabei bemühe sich Russland, Biden zu «verunglimpfen». China und der Iran wiederum wollten Trumps Wiederwahl verhindern, hieß es. Man sei «besorgt über die anhaltenden und potenziellen Aktivitäten» dieser drei Länder.

Vor diesem Hintergrund startete Biden eine Attacke gegen seinen Gegner. «Man kann nur zu einer Schlussfolgerung kommen: Präsident Trump hofft, dass Wladimir Putin wieder seine Kandidatur stärkt und sein entsetzliches Versagen bei der Bewältigung der diversen Krisen vertuscht, denen wir ausgesetzt sind», erklärte der frühere Vizepräsident am Wochenende. «Und er will nicht, dass das amerikanische Volk von den Schritten erfährt, die Wladimir Putin unternimmt, um Trump bei der Wiederwahl zu helfen.»

Weder Trump, noch Ratcliffe erklärten, welche angeblich gestreuten Informationen genau die Entscheidung auslösten. Im Februar hatte nach einem Geheimdienst-Briefing in der «New York Times» gestanden, dass Russland sich erneut einmische, um Trumps Wiederwahl zu unterstützen. Erst Anfang August wurden diese Erkenntnisse auch öffentlich von den Geheimdiensten bestätigt.

© dpa-infocom, dpa:200830-99-360763/2

Mitteilung von Pelosi und Schiff

Brief von Ratcliffe bei CNN

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