Positionspapier aus BaWü

Strobl will Abschiebepraxis deutlich verschärfen

Baden-Württembergs Innenminister Thomas Strobl hat ein Positionspapier zur Abschiebung abgelehnter Asylbewerber verfasst. Foto: Lino Mirgeler
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Baden-Württembergs Innenminister Thomas Strobl hat ein Positionspapier zur Abschiebung abgelehnter Asylbewerber verfasst. Foto: Lino Mirgeler

Baden-Württembergs Innenminister Strobl rechnet bis Ende 2017 mit einer nie gekannten Zahl an ausreisepflichtigen Menschen in Deutschland. Da die bisherigen Instrumente versagt hätten, hat der CDU-Bundesvize einen umfassenden Plan ohne Obergrenzen entwickelt.

Stuttgart (dpa) - Baden-Württembergs Innenminister Thomas Strobl (CDU) will die Abschiebepraxis von abgelehnten Asylbewerbern drastisch verschärfen.

Nach einem der Deutschen Presse-Agentur vorliegenden Positionspapier sollen die Abschiebehaft ausgeweitet, Sozialleistungen gekürzt und ein Rückführungszentrum in Ägypten eingerichtet werden. Diese Pläne will der CDU-Bundesvize auf dem Parteitag in Essen Anfang Dezember und bei der Innenministerkonferenz (IMK) in Saarbrücken am 29./30. November vorlegen. Darüber hatte zuerst die «Bild am Sonntag» berichtet.

CSU-Chef Horst Seehofer hatte eine Begrenzung der Zuwanderung zur Bedingung gemacht für eine erneute Regierungsbeteiligung seiner Partei nach der Bundestagswahl. Die Flüchtlingspolitik ist der zentrale Streitpunkt zwischen CDU und CSU. Von einer Obergrenze spricht Strobl nicht, jedoch von einem «Dachgesetz zur Zuwanderung» als zentralem Projekt einer von der CDU geführten Bundesregierung.

In dem sechsseitigen Papier mit der Überschrift «Wer kein Bleiberecht hat, muss gehen. Die Ausreisepflicht für Ausländer mit neuer Konsequenz durchsetzen» schreibt Strobl, Deutschland habe erhebliche Schwierigkeiten, Abschiebungen durchzusetzen. «Wir müssen (...) - auch gegen Widerstände - eindeutige politische Ziele vorgeben und, wo erforderlich, neue Rechtsgrundlagen für ein konsequentes Handeln schaffen, bis hin zur europäischen Ebene.»

Menschen ohne Schutzstatus müssten zeitnah in ihr Heimatland zurückkehren oder in einen sicheren Drittstaat überstellt werden. Ausländer, die Straftaten begehen oder über ihre Identität täuschen, dürften kein Aufenthaltsrecht erhalten. «Wenn wir es hinnehmen, dass Recht nicht vollzogen wird, werden wir das Vertrauen der Bevölkerung in den Rechtsstaat untergraben», betonte Strobl.

Eine Begrenzung des Zuzugs sei nur dann zu erreichen, wenn die EU-Außengrenzen wirksam gegen illegale Einreisen gesichert werden. «Dafür bedarf es einer wirksamen und intelligenten Überwachung der Grenze durch die Bundespolizei, nicht nur an der Grenze zu Österreich, sondern auch zur Schweiz.»

Asylanträge von kriminellen Ausländern müssen laut Strobl mit Priorität entschieden und der Aufenthalt nach Ablehnung des Asylantrags sofort beendet werden. Auch sollen Schutzberechtigte, die in ihren Herkunftsstaat zurückkehren um etwa Urlaub zu machen, ihren Asylstatus verlieren. Um mehr Menschen in vergleichsweise sichere Regionen nach Afghanistan abschieben zu können, müsse das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge diese Asylanträge schneller bearbeiten.

Rasch sollten laut Strobl auch alle Flüchtlinge, die im Mittelmeer aus Seenot gerettet werden, direkt - insbesondere nach Ägypten - oder Tunesien gebracht werden. Hierfür müssten dort Rückführungszentren eingerichtet werden, die mit Beteiligung des UNHCR betrieben werden sollten. Fehlanreize müssten beseitigt werden. «Wer Schutz vor Krieg und Verfolgung sucht, bedarf nicht zwingend der gleichen Sozialleistungen wie einheimische Leistungsbezieher.»

Innenministerkonferenz 2016

Beschlüsse Innenministerkonferenz

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