CO2-Ausstoß

Studie: Deutschland verfehlt eindeutig Klimaschutzziel

+
Schornsteine eines Blockheizwerkes: Deutschland bläst zuviel CO2 in die Atmosphäre. Foto: Patrick Pleul

Mehr Menschen, stärkeres Wirtschaftswachstum und ein günstiger Ölpreis: Diese Faktoren bewirken einen vertärkten CO2-Ausstoß in Deutschland.

Berlin (dpa) - Deutschland verpasst sein selbst gesetztes Klimaschutzziel 2020 einer Studie zufolge noch deutlicher als angenommen - vorausgesetzt, es bleibt beim heutigen Kurs.

Im Zieljahr würden voraussichtlich 50 Millionen Tonnen mehr CO2 in die Atmosphäre geblasen, als der sogenannte Projektionsbericht der Bundesregierung vorhersage, heißt es in einer Analyse der Denkfabrik Agora Energiewende, die der Deutschen Presse-Agentur vorlag. Gründe dafür seien etwa die gewachsene Bevölkerung, ein stärkeres Wirtschaftswachstum und der günstige Ölpreis.

Der CO2-Ausstoß werde damit bis 2020 im Vergleich zu 1990 nur um 30 bis 31 Prozent gesenkt, schreiben die Experten. Im Projektionsbericht 2017 der Bundesregierung gehen Experten von einem Korridor zwischen 33,7 und 37,5 Prozent aus. Offizielles Ziel sind allerdings 40 Prozent weniger Treibhausgase bis 2020. Kanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte kürzlich bekräftigt, dass dies weiter gelte.

"Nur 30 Prozent statt 40 Prozent weniger CO2 ist nicht ein bisschen daneben, das wäre ein krachende Verfehlung des Klimaziels für 2020", sagte der Direktor von Agora Energiewende, Patrick Graichen, der dpa. "Hier muss die nächste Bundesregierung ganz schnell nachlegen, um wenigstens in die Nähe des Ziels zu kommen." Sonst drohe ein kompletter Verlust der klimapolitischen Glaubwürdigkeit Deutschlands.

Um wenigstens so nah wie möglich an das 2020-Ziel zu kommen, braucht es Agora Energiewende zufolge ein Sofortprogramm, das schon im ersten Halbjahr 2018 umgesetzt werden müsse. Bereits 2014 hat die Bundesregierung ein Aktionsprogramm beschlossen. 2016 waren die Treibhausgas-Emissionen in Deutschland nach vorläufigen Zahlen des Umweltbundesamts (UBA) aber leicht gestiegen. Der Ausstoß liegt demnach bei 906 Millionen Tonnen - Ziel für 2020 sind 751.

Mehr zum Thema

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesene Artikel

Anschlag in Straßburg: Ehemaliger Anwalt des Attentäters zeigt sich überrascht

In Straßburg gab es am Dienstagabend Schüsse bei einem Weihnachtsmarkt. Mehrere Menschen starben, es gibt zahlreiche Verletzte. Der Täter ist weiter auf der Flucht, …
Anschlag in Straßburg: Ehemaliger Anwalt des Attentäters zeigt sich überrascht

EU-Gipfel im Zeichen des Brexits: May sucht Hilfe in Brüssel

Die britische Premierministerin hat den Aufstand in ihrer Fraktion überstanden. Nun sucht May ihr Heil in Brüssel. Doch beim letzten EU-Gipfel 2018 ist die verzwickte …
EU-Gipfel im Zeichen des Brexits: May sucht Hilfe in Brüssel

Brexit-Chaos: May zieht den Kopf aus der Schlinge - und hat doch keinen Grund zum Feiern

Brexit-Verhandlungen zwischen der EU und Großbritannien: Theresa May musste sich einem Misstrauensvotum stellen. Das Ergebnis liegt nun vor. Live-Ticker.
Brexit-Chaos: May zieht den Kopf aus der Schlinge - und hat doch keinen Grund zum Feiern

Kassen dringen auf mehr Sprechstunden für schnellere Termine

Berlin (dpa) - Die gesetzlichen Krankenversicherungen (GKV) dringen auf mehr Sprechzeiten, damit Kassenpatienten schneller an Arzttermine kommen.
Kassen dringen auf mehr Sprechstunden für schnellere Termine

Kommentare

Hinweise für das Kommentieren

Von Mo. bis Fr. in der Zeit von 18 bis 9 Uhr und am Wochenende werden keine neuen Kommentare freigeschaltet.
Bitte bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht.