Untersuchung politischer Sendungen

Studie: Hängen Polit-Talks zur „Prime Time“ mit dem Aufschwung der AfD zusammen?

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Talkmasterin Anne Will mit Bundeskanzlerin Angela Merkel: Eine Studie handelt über die Themen-Gewichtung in deutschen Politik-Sendungen.

Politik-Talkshows haben eine große Reichweite und daher auch Einfluss auf die Bevölkerung. Was dies mit der steigenden Resonanz für die AfD zu tun haben könnte, behandelt eine Studie.

München - Über wen viel gesprochen wird, der gerät nicht in Vergessenheit: Ist dieses Medienprinzip für den gewachsenen Zuspruch der Partei Alternative für Deutschland (AfD) mitverantwortlich? 

Die Otto-Brenner-Stiftung (OBS) präsentiert eine Untersuchung, für die Medienwissenschaftler 56 verschiedene Politik-Sendungen im öffentlich-rechtlichen Fernsehen unter die Lupe genommen haben. Bei der Studie ging es darum, herauszufinden, über welche Themen gesprochen wurde und wie viel Anteil der Sendezeit diese hatten. Konkret ging es um den Zeitraum vor der Bundestagswahl 2017, wo auch das Kanzlerduell zwischen Angela Merkel und Martin Schulz Deutschland in Atem hielt. 

Eine daraus resultierende Erkenntnis: Laut dem Papier der OBS wurde in den fünf meistgesehenen Politik-Formaten zur „Prime Time“ hauptsächlich über das Thema Migration und deren Auswirkungen gesprochen. Ein extremes Beispiel stellt diesbezüglich das Rededuell „Merkel gegen Schulz“ von Anfang September dar: In der Live-Sendung wurde ganze 33 Minuten lang über die Flüchtlingskrise debattiert, während die Außenpolitik insgesamt in 20 Minuten zur Sprache kam. Der Bereich Arbeit, Familie und Soziales wurde dagegen vergleichsweise stiefmütterlich behandelt - lediglich sieben Minuten.

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Hat daher Olaf Zimmermann, Geschäftsführer des Deutschen Kulturrates, Recht, wenn er den gebührenfinanzierten TV-Anstalten ARD und ZDF vorwirft, durch einseitige Fokussierung auf die Themen Flüchtlinge und Islam erst dazu beizutragen, „die AfD bundestagsfähig zu machen“? 

Politische TV-Themen: Unterschiede zwischen Top fünf und weiteren Sendungen

Zieht man die Studien-Ergebnisse aller untersuchten Politik-Sendungen in Betracht, ändert sich der Eindruck ein Stück weit: Mit rund 15 Prozent der Sendezeit haben sich die Öffentlich-Rechtlichen am meisten der Thematik rund um Arbeit/Soziales und Familie gewidmet. Hier rangiert der Bereich Migration mit zwölf Prozent Sendeanteil lediglich auf Platz zwei. Auf dem dritten Rang der Studie ist das Thema Außenpolitik positioniert, mit einem Wert von elf Prozent. Auffällig ist: Dieses Thema besitzt speziell bei politischen Talksendungen sogar einen derart hohen Stellenwert, dass es sich bei diesem Format um das am meisten diskutierte Thema handelt, während Migration „nur“ Platz sechs belegt. 

Erwähnenswert ist hierbei der Aspekt, dass sich manche der komplexen Themenfelder kreuzen - zum Beispiel die Migration in Verbindung mit außenpolitischen Aktivitäten der Bundesrepublik. Auf diesen Sachverhalt gehen die Wissenschaftler der OBS-Studie, die von Prof. Dr. Marc Liesching und Prof. Dr. Gabriele Hooffacker von der Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur Leipzig (HTWK Leipzig) durchgeführt wurde, in dem 74-seitigen Dossier näher ein.

Beim TV-Duell zwischen Angela Merkel und Martin Schulz 2017 wurde rund 33 Minuten alleine über das Thema Migration gesprochen.

Abschließend legen die Initiatoren der Studie Wert darauf, keine Schlüsse aus den Ergebnissen zu ziehen. Stattdessen sollen Leser selbst Erkenntnisse aus der Gewichtung der Themen gewinnen - und damit auch mögliche Zusammenhänge mit der gestiegenen Aufmerksamkeit beispielsweise für die AfD vor der Bundestagswahl 2017. Schließlich verdeutlicht sich folgender Eindruck: Gerade quotenstarke öffentlich-rechtliche TV-Formate haben mit ihrer Programmplanung eine wichtige Verantwortung für die Gesellschaft. Denn mit einer entsprechenden Themen-Gewichtung kann die Öffentlichkeit durchaus beeinflusst werden, egal ob nun positiv oder negativ.

OBS-Geschäftsführer Jupp Legrand sagt dazu: „Es geht nicht darum, ob Themen generell gesetzt und gerahmt werden.“ Diskutiert werden müsse vielmehr, „auf welche Art und Weise welches Thema wie häufig besprochen und wie gerahmt wird“, so seine These. Er appelliert an die Medien und fordert eine konsequentere (Selbst-)Beobachtung.

PF

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