In Niedersachsen

Studie zeigt steigende Gewaltkriminalität durch junge Zuwanderer

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Ein Bild aus dem Freiburger Mordprozess.

Die Zahlen der Gewalttaten von Flüchtlingen sind in Niedersachsen in den Jahren 2015 und 2016 angestiegen. Das zeigt eine neue Studie. Experten fordern deshalb eine Verbesserung der Integrationsmaßnahmen.

Experten haben eine bessere Vorbeugung gegen Gewaltkriminalität durch Flüchtlinge gefordert. Angebote wie Sprachkurse und Sport bis hin zu Berufspraktika auch für Zuwanderer ohne Bleibeperspektive könnten dem Kriminalitätsrisiko entgegenwirken, erklärten der frühere Direktor des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen (KFN), Christian Pfeiffer, und weitere Experten in einer am Mittwoch veröffentlichten Studie im Auftrag des Bundesfamilienministeriums.

Die Kriminologen untersuchten am Beispiel Niedersachsen die Entwicklung der Gewaltkriminalität vor allem bei Flüchtlingen. Nach einem jahrelangen deutlichen Rückgang stiegen die Gewalttaten in dem Bundesland in den Jahren 2015 und 2016 demnach um 10,4 Prozent an. Zu 92,1 Prozent sei dies Flüchtlingen zuzurechnen.

„Gewaltlegitimierende Männlichkeitsnormen" spielen eine Rolle

Zu knapp der Hälfte erklären Pfeiffer sowie seine Mitautoren Dirk Baier von der Schweizer Hochschule ZHAW und Sören Kliem vom KFN dies mit dem starken Flüchtlingszuzug. Als weitere Faktoren für die Zunahme der Gewalttaten nannten sie unter anderem den hohen Männeranteil.

Knapp zwei Drittel der in Niedersachsen registrierten Gewalttaten von Flüchtlingen seien jungen Männern zuzurechnen, die "in jedem Land der Welt" bei Gewalt- und Sexualdelikten deutlich überrepräsentiert seien. Dabei spielten auch "gewaltlegitimierende Männlichkeitsnormen" in den überwiegend muslimischen Herkunftsländern eine bedeutende Rolle.

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Bedeutender Faktor: Der Aufenthaltsstatus des Asylbewerbers

Auf der anderen Seite wirkt sich der geringe Frauenanteil unter den Flüchtlingen aus. "Frauen zivilisieren die Männer", sagte Pfeiffer am Mittwoch im ZDF-"Morgenmagazin. Das Fehlen von Partnerinnen, Müttern oder Schwestern sei ein "Problem", die Forderung nach Familiennachzug aus kriminologischer Sicht daher sinnvoll.

Als bedeutenden Faktor sehen die Experten auch den Aufenthaltsstatus. Wer als Kriegsflüchtling komme oder aus anderen Gründen gute Chancen sehe, in Deutschland bleiben zu dürfen, "wird bemüht sein, diese Aussichten nicht durch Straftaten zu gefährden", heißt es in der Studie. Der Anteil von Flüchtlingen aus Syrien, dem Irak und Afghanistan unter den Tatverdächtigen sei deutlich geringer als jener von Nordafrikanern, die kaum eine Bleibeperspektive haben.

Die Experten weisen allerdings auch darauf hin, dass Gewaltdelikte von Flüchtlingen im Vergleich zu denen deutscher Täter "mindestens doppelt so oft angezeigt werden". Sie geben zudem zu bedenken, dass die Unterbringung von Menschen unterschiedlicher Religionen in beengten Flüchtlingsheimen Gewaltkonflikte begünstige.

Experten fordern Programm für freiwillige Rückkehr in die Heimatländer

Insgesamt handelt es sich bei rund einem Drittel der Gewaltopfer um andere Flüchtlinge. Mehr als 91 Prozent der Tötungsdelikte, bei denen Flüchtlinge als Tatverdächtige ermittelt wurden, betreffen demnach andere Flüchtlinge oder Ausländer. Dies treffe auch bei drei Viertel der Fälle von gefährlicher und schwerer Körperverletzung zu. Bei den Raubdelikten waren die Opfer dagegen zu 70 Prozent Deutsche. Auch bei Vergewaltigung und sexueller Nötigung dominieren deutsche Opfer.

Zur effektiven Kiminalitätsprävention fordern die Experten ein breit angelegtes Programm für die freiwillige Rückkehr in die Heimatländer. Nötig seien dafür nicht nur finanzielle Anreize. Vielmehr sollte auch Flüchtlingen ohne Bleibeperspektiven der Zugang zu Sprachkursen und Praktikumserfahrungen ermöglichen werden, was ihnen bei der Arbeitssuche in der Heimat helfen könnte.

Nicht zuletzt braucht Deutschland nach Ansicht der Experten ein Einwanderungsgesetz, das klare Vorgaben enthält, unter welchen Bedingungen Zuwanderer eingebürgert werden können. Auch dadurch entstünden Präventionseffekte.

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afp

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