Politiker kommentieren Ausschreitungen

Krawalle von Stuttgart: Nerven liegen blank - Özdemir platzt der Kragen: „Halt die Fresse!“

Die Krawalle in Stuttgart sorgten in der Bundesregierung aber auch in der Opposition für Entsetzen. Kanzlerin Merkel bezeichnete die Vorfälle als „abscheulich“.

  • Die Randale in Stuttgart* haben parteiübergreifend für Empörung gesorgt.
  • Bundeskanzlerin Angela Merkel verurteilte die Ausschreitungen als „abscheulich“.
  • CDU-Generalsekretär Paul Ziemiak sprach von verstörenden Bildern, die ihn „fassungslos“ machen. 
  • Cem Özdemir (Grüne) pampt vor laufender Kamera einen Passanten an

Update vom 26. Juni: Nach den Krawallen am vergangenen Wochenende kündigte die Polizei Stuttgart nun stärkere Präsenz durch Beamte am Freitag und Samstag an.

Update von 15.15 Uhr: Die Wortmeldungen der Politiker zu den Krawallen in Stuttgart von Samstag auf Sonntag reißen nicht ab. Einige stehen offenbar sogar unter gewissem emotionalem Druck. Cem Özdemir (Grüne) platzte während eines Interviews mit der Welt am Ort des Geschehens vor laufender Kamera der Kragen. „Halt bitte die Fresse, ich rede grade“, pampte er einen Passanten an.

Krawalle in Stuttgart: Cem Özdemir wird vor laufender Kamera pampig

So ist es auf der Aufnahme zu sehen: Während Özdemir versucht, den Ernst der Lage zu schildern, ruft ein Mann dazwischen: „Die Polizeidiktatur ist schuld.“ Offenbar ist es ein Straßenmusiker, denn er spricht davon, dass einfache Menschen, Straßenmusiker, mit 200 Euro bestraft würden. Özdemir reagiert sofort und fährt den Mann an, er solle die Fresse halten. „Danke. Ich rede grade. Wir sind hier in Deutschland“, sagt er noch. „Bitte Maul halten.“

Als der Mann weiterspricht, wiederholt Özdemir genervt: „Ich rede grade.“ - um dann mit seinem offenbar auswendig gelernten Satz für die Presse von vorn anzufangen. Immerhin hat er die Gepflogenheiten der Höflichkeit nicht ganz vergessen: Er hat jedes Mal „bitte“ gesagt.

Erstmeldung: Krawalle in Stuttgart ziehen gewaltiges Echo nach sich

Berlin/Stuttgart - Die Krawalle in Stuttgart in der Nacht zum Sonntag haben in der Bundespolitik ein gewaltiges Echo provoziert. Bundeskanzlerin Angela Merkel hat die Ausschreitungen scharf verurteilt. Regierungssprecher Steffen Seibert sagte am Montag in Berlin, die Szenen seien „abscheulich“ gewesen und mit nichts zu rechtfertigen. Sie seien gegen die Stadt und ihre Bürger gerichtet gewesen.

Nach Randalen in Stuttgart - Regierungssprecher dankt der Polizei für Einsatz

Seibert dankte zugleich der Polizei. Die Bundesregierung wisse sehr wohl, was die Polizisten tagtäglich leisteten. Den Verletzten wünschte Seibert baldige Genesung. An den Krawallen in der Nacht zum Sonntag waren nach Angaben der Polizei 400 bis 500 Menschen beteiligt. 24 Menschen wurden vorläufig festgenommen. Bislang ist zudem von 19 verletzten Polizisten und zwölf demolierten Streifenwagen die Rede. Der entstandene Sachschaden könnte sich einer ersten Einschätzung zufolge im Millionenbereich* bewegen. Die Eskalation setzte nach einer Kontrolle wegen eines mutmaßlichen Drogendelikts ein.

Der durch die Randale in Stuttgart entstandene Sachschäden liegt möglicherweise im Millionenbereich.

Nicht nur die Bundesregierung unter Merkel zeigte sich von den Krawallen entstetzt. Die Vorfälle sorgten parteiübergreifend für erhebliche Empörung. CDU-Generalsekretär Paul Ziemiak (CDU) sagte den Sendern RTL und ntv am Montag, Bilder der Ereignisse verstörten und machten ihn "fassungslos, auch wütend". Gewalt gegen Sicherheits- und Rettungskräfte sei ein generelles Problem. Die Täter müssten vor Gericht.

Arbeitsminister Heil bezeichnet Stuttgart-Randale als „irrationale Gewalt“

Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) bezeichnete die Krawalle in Bild TV als „wahnsinnig irrationale Gewalt“. Er erwarte, dass die Behörden „zuschlagen“ „mit aller Härte“ gegen derartige Vorkommnisse vorgegangen werde“. Sie dürften sich nicht ausweiten.

Der aus Stuttgart stammende Grünen-Politiker Cem Özdemir warnte davor, dass sich derartige Vorgänge wiederholen könnten. Dass es sich offensichtlich nicht um extremistische Bestrebungen handle, sei „keine Entwarnung“, sagte er am Montag im Südwestrundfunk. Es sei schwierig, mit Leuten umzugehen, die betrunken oder unter Drogeneinfluss „möglichst viel Schaden anrichten wollen“. Die Ereignisse würden Stuttgart noch lange beschäftigen, ergänzte er.

Im Interview mit dem Münchner Merkur äußerte sich auch der bayerische Innenminister Joachim Herrmann (CSU) zu den Vorfällen in Stuttgart. „Es ist für mich erschreckend, dass es aus einer an sich nichtigen Situation zu einer solchen Eskalation kommen konnte. Zu brutalen Attacken auf Polizisten, zu Plünderungen, zur blinden Zerstörung von Schaufenstern und anderem Eigentum. Ich finde das unerklärlich*“, sagte er. Das ganze Interview lesen Sie bei Merkur.de*.

Nach Stuttgart-Randalen: Seehofer will taz-Journalistin Yaghoobifarah anzeigen

Bundesinnenminister Horst Seehofer ist nicht nur wegen der Vorfälle in Stuttgart an sich empört. Ihn brachte eine in der taz erschienene Kolumne der Journalistin Hengameh Yaghoobifarah derart in Rage, dass er der Kolumnistin mit einer Anzeige drohte. In dem Artikel sinnierte Yaghoobifarah über die Abschaffung der Polizei und unterstellte Polizisten, berufsunfähig zu sein. Für seine Ankündigung, die Journalistin anzuzeigen, wurde Seehofer auf Twitter allerdings stark kritisiert - unter anderem aus den Reihen der Grünen. 

dpa, cia

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Rubriklistenbild: © picture alliance/dpa / Christoph Schmidt

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