„Ich brauche klare Vorgaben“

Grüne „Belehrungspolitik“ in Sachen SUV-Wagen? Parteichefin Baerbock überrascht mit Aussage

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Grünenchefin Annalena Baerbock: „Ich bin bereit zuzuhören“

Ein Drittel der Deutschen glaubt, dass zur Fahrt über den Asphalt ein Geländewagen notwendig ist. Sollte also bei Umweltthemen der Gesetzgeber harte Vorgaben machen? Grünenchefin Annalena Baerbock überrascht mit ihrer Antwort.

  • In einem Interview erteilt Annalena Baerbock einer „Belehrungspolitik“ eine Absage
  • Die Grünen-Chefin fordert aber klare Vorgaben - beispielsweise an die Automobilindustrie
  • Ob sie Kanzlerkandidatin werden will, lässt Baerbock offen

München - Die Grünen haben es nicht einfach: Trotz der Klimakrise wollen viele Deutsche offenbar ihr Verhalten kaum ändern. Besonders offensichtlich wird dies bei den Zulassungszahlen für Neuwagen: Laut ADAC sind über ein Drittel der Neuwagen spritfressende SUVs und Geländewagen. Sollen die Grünen also als Verbotspartei auftreten und bei Themen wie Individualverkehr, Reisen und Ernährung gesetzliche Regelungen propagieren?

Grünenchefin Annalena Baerbock hat jetzt in einem Interview mit der „Zeit“ der „Belehrungspolitik“ eine klare Absage erteilt. „Ich muss nicht den SUV-Fahrer in Prenzlauer Berg bekehren“, so Baerbock. „Aber ich brauche klare Vorgaben für die Automobilindustrie, damit sie saubere und bezahlbare Familienautos auf den Markt bringt“, so die Grünenchefin. Und weiter: „Wenn ich heute in Deutschland in ein Autohaus gehe und sage, ich würde gern ein E-Auto eines deutschen Herstellers kaufen, in das noch zwei Kindersitze reinpassen, dann muss ich darauf anderthalb Jahre warten. Deswegen wollen wir eine E-Quote einführen – Autohersteller würden verpflichtet, einen bestimmten Anteil an E-Autos zu produzieren, damit die Absatzzahlen nach oben gehen.“

Video: Robert Habeck im Audi Werk Ingolstadt

Baerbock: „Soziale Medien nicht mit dem realen Leben verwechseln“

Gerade bei Umweltfragen tobt derzeit besonders in den sozialen Medien ein Glaubenskrieg zwischen Ökologiebewussten und Rechtskonservativen - das Spektrum reicht von Greta-Thunberg-Anhängern bis zu Klimawandel-Leugnern. Filterblasen erlebe sie allerdings fast ausschließlich im Netz, erklärt Baerbock und schlussfolgert: „Wir alle müssen aufpassen, dass wir die sozialen Medien nicht mit dem realen Leben verwechseln“. Gerade im Alltag sollte wieder stärker der Dialog gesucht werden, fordert deshalb die Grünenchefin. „Wenn ich in der Kohleregion der Lausitz unterwegs bin, sagen natürlich nicht alle: "Schön, dass Sie da sind, Frau Baerbock." Nein, mit den Kohlebergbauern habe ich oft richtig hitzige Diskussionen. Aber trotzdem bin ich bereit, zuzuhören“.

Baerbock geht davon aus, dass die Groko noch bis 2121 regieren wird und sich nicht die Frage stellen wird, ob denn die Grünen nach einem vorzeitigen Ausscheiden der SPD in eine Merkel-Regierung einsteigen könnten. Auf die Frage ob sie selbst oder Co-Chef Robert Habeck Kanzlerkandidat der Grünen werden wolle, blieb Baerbock eine Antwort schuldig.

Lesen Sie auch: Die Asyl-Krise in Griechenland spitzt sich immer weiter zu. Grünen-Chef Robert Habeck wirbt nun um Solidarität aus Deutschland.

Und: Mit dem Vorschlag eines „Veggieday“ in Kantinen hatten sich die Grünen 2013 im Wahlkampf einen Schiefer eingezogen.Jetzt will die Partie wieder an der Ernährung der Deutschen justieren.

mb

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