Flüchtling hat eine Mission

Syrer floh nach Deutschland - jetzt schlägt er Alarm: „IS mitten unter uns“

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Masoud Aqil hat ein Buch über seine Zeit als Gefangener des Islamischen Staats geschrieben.

In Syrien wurde Masoud Aqil vom IS gefoltert. Dann floh er nach Deutschland - und schlägt Alarm: Er glaubt, dass viele IS-Anhänger mitten unter uns sind. Jetzt hat der Flüchtling eine Mission.

In Europa häufen sich Attentate einzelner Terroristen. Sie besorgen sich eine Waffe - ein Messer, einen Hammer, einen Lastwagen - und schlagen zu, um ihrer Auffassung nach „Ungläubige“ zu töten. Sei es auf dem Weihnachtsmarkt am Berliner Breitscheidplatz, auf den Ramblas in Barcelona oder vor dem Notre-Dame in Paris.

Der Syrer Masoud Aqil, über den die Wochenzeitung Die Zeit ein Porträt verfasste, glaubt: Es gibt in Deutschland hunderte solcher IS-Anhänger, die bereit sind, Anschläge zu verüben. „Dafür brauchst du keine Armee, es reichen manipulierte Einzeltäter.“ Gegenüber der Zeit schildert Aqil, dass viele der potenziellen Terroristen unbehelligt in Deutschland leben würden, direkt vor unserer Haustür, bereit, zuzuschlagen.

Er will IS-Anhänger in Deutschland unschädlich machen

Woher Aqil das so genau wissen will? Der junge Syrer hat eine Mission: Er spürt IS-Anhänger in Deutschland auf, um sie unschädlich zu machen. "Ich konnte nicht mit ansehen, wie Mörder und Schwerverbrecher aus Syrien die Gastfreundschaft ausnutzen und unbehelligt in Europa leben können", sagt er. 

Aqil nimmt auch persönlich Rache: In seiner Heimat Syrien war er laut Zeit neun Monate lang Gefangener des IS, wurde eingesperrt, geschlagen, gefoltert. Der syrische Kurde arbeitete in seiner Heimat als Journalist für einen kurdischen Fernsehsender, auf dem Weg zu einem Interview wurde er verschleppt. Der IS hielt ihn in einem unterirdischen Foltergefängnis und verschiedenen anderen Orten gefangen. Irgendwann kam er im Rahmen eines Gefangenenaustauschs frei. Aber in Syrien fühlte er sich nicht mehr sicher und floh mit seiner Mutter nach Deutschland.

Während seiner Zeit in Gefangenschaft habe er viel über den „Islamischen Staat“ gelernt , sagt Aqil - und er sah die Gesichter des IS, tagtäglich. Teilweise teilte er sich mit IS-Sympathisanten, die wegen kleiner Vergehen bestraft wurden, die Zelle. Er hörte gut zu, wenn sie über mögliche Anschläge prahlten und ihr Verständnis vom Koran darlegten. 

„Viele Dschihadisten sind ziemliche Idioten“ 

In Deutschland holten ihn seine ehemaligen Peiniger wieder ein: Als Aqil in einem deutschen Flüchtlingsheim lebte, habe ein Freund ihn auf eine Facebook-Gruppe aufmerksam gemacht, in der Fotos von IS-Leuten geteilt wurden. Manche erkannte er aus seiner Zeit in Gefangenschaft wieder. Nun befinden sie sich offenbar - wie er - in Deutschland. Er sucht weiter, nutzt seine Kontakte in Syrien und zum kurdischen Geheimdienst, findet immer mehr Facebook-Profile von IS-Anhängern, die nun in Europa leben. "Viele Dschihadisten sind ziemliche Idioten", sagt der 24-Jährige. "Sie stellen ihre geisteskranke Ideologie öffentlich zur Schau."

Aqil teilt seine Erkenntnisse mit den deutschen Behörden. Doch die reagieren nicht so, wie er sich das anfangs vorstellt. Beim Bundeskriminalamt gehen hunderte Hinweise auf IS-Kämpfer ein, schreibt die Zeit, der Großteil sei aber „nicht gehaltvoll“ und „schwer verifizierbar“. Verdächtige nutzten oft mehrere Identitäten, und die Hinweisgeber würden oft bruchstückhaft deutsch sprechen. Nur selten würden die Hinweise zu einer Verurteilung führen - auch bei Aqils Tipps reichten die Beweise bisher nicht aus.

„Dass Sicherheitskräfte nicht eingreifen, fand ich anfangs erschreckend“

Der aber will nicht aufgeben. Er will, dass die Männer, die er für potenzielle Terroristen hält, zumindest unter Beobachtung gestellt werden. "Ich fand es anfangs erschreckend, dass Sicherheitskräfte nicht eingreifen und Leute festnehmen konnten. Aber andererseits verstehe ich, dass Deutschland ein Rechtsstaat ist", sagt er. Es gelte die Unschuldsvermutung, Festnahmen seien nicht einfach so möglich. 

Schweigen will der 24-Jährige jedenfalls nicht. Deshalb hat er gemeinsam mit dem Autor Peter Köpf seine Lebensgeschichte in einem Buch festgehalten. Titel: „Mitten unter uns. Wie ich der Folter des IS entkam und er mich in Deutschland einholt“. Damit will er unter anderem Flüchtlingen Mut machen, denen es genauso geht wie ihm. Denn:„Es gibt genug, die genügend Informationen haben, um den Sicherheitsbehörden zu helfen.“

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