„Koblenz bleibt bunt“

Tausende demonstrieren gegen Rechtspopulisten-Kongress

+
Proteste gegen ENF-Tagung in Koblenz.

Koblenz - Bunte Fahnen, Transparente und die „Ode an die Freude“ haben Demonstranten dem Kongress europäischer Rechtspopulisten in Koblenz entgegengesetzt. Es kamen viel mehr Teilnehmer als erwartet.

Rund 5000 Demonstranten haben in Koblenz unter dem Motto „Koblenz bleibt bunt“ friedlich gegen ein Treffen europäischer Rechtspopulisten in der Koblenzer Rhein-Mosel-Halle protestiert - erwartet worden waren ursprünglich 1000. Vor der Kongress-Halle sangen die Teilnehmer den deutschen Text der Europahymne „Ode an die Freude“ zu Musik von Mitgliedern der Rheinischen Philharmonie.

Die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) forderte am Samstag auf einer Kundgebung zu Widerspruch gegen rechte Thesen auf: „Es ist Zeit, dass keiner mehr zuhause bleibt.“ Die Menschen sollten aufstehen für ein freiheitliches und friedfertiges Europa und widersprechen, wenn an Stammtischen oder anderswo rechtspopulistisch argumentiert werde. Sie wollten deutlich machen, dass dies die "Mitte der Gesellschaft" sei, sagte Dreyer an die Demonstrationsteilnehmer. Wenn die Rechtspopulisten sagten, sie seien das Volk, sage sie: "Nein, sie missbrauchen das Volk", hob Dreyer hervor. Sie machten den Menschen vor, dass Rassismus, engstirniges Denken sie weiterbringen würden. Dies sei hingegen eine "Demonstration für die Freiheit, für den Zusammenhalt in unserem Land, für Weltoffenheit und Toleranz".

Grünen-Chefin Simone Peter, die ebenfalls an dem Protest teilnahm, hat das Treffen rechtspopulistischer Parteien in Koblenz als „Kampfansage an Europa und die Demokratie“ gewertet. Die Gegendemonstrationen zeigten aber auch: „Wir wollen nicht zurück in die 50er Jahre mit einem verstaubten Familienbild und erst recht nicht in die 30er Jahre zu einem Nationalismus, der zu Krieg und Vertreibung geführt hat.“ Der Deutschen Presse-Agentur sagte Peter am Samstag: „Die Mehrheit will ein solidarisches und weltoffenes Europa.“ Deshalb müssten Bündnisse gegen Rechtspopulisten geschlossen werden.

Luxemburgs Außenminister Jean Asselborn sagte, er wende sich gegen ein „braunes Europa“. „Wir stehen hier für ein buntes, für ein offenes und für ein soziales Europa des 21. Jahrhunderts.“ Minderheiten seien in einer Gesellschaft eine Bereicherung und keine Last. Die Grünen-Vorsitzende Simone Peter sagte, weder Koblenz noch Deutschland noch Europa werde den Rechtspopulisten überlassen.

Gabriel von linken Demonstranten bedrängt

Der SPD-Vorsitzende Sigmar Gabriel sagte am Rande der Demonstration, es gehe darum, das zu bewahren, was die vorherigen Generationen aufgebaut hätten. Gabriel wurde zwischendurch von mehreren linksgerichteten Demonstranten bedrängt, so dass die Polizei dazwischen gehen musste. Es sei aber keine Gewalt angewendet worden, sagte ein Polizeisprecher. Ansonsten sei die Demonstration bis zum frühen Nachmittag störungsfrei verlaufen.

dpa/afp

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesene Artikel

Royaler Stinkefinger: Mit geheimen Botschaften setzte die Queen Seitenhiebe gegen Trump

Noch immer sorgt das Treffen zwischen Donald Trump und Wladimir Putin beim Gipfel in Helsinki für Schlagzeilen. Wir berichten weiter über die Nachwehen des Gipfels im …
Royaler Stinkefinger: Mit geheimen Botschaften setzte die Queen Seitenhiebe gegen Trump

In kaputtem Schlauchboot im Meer zurückgelassen - Schwere Vorwürfe gegen libysche Küstenwache

Spanische Flüchtlingsretter haben vor der libyschen Küste eine tote Frau und ein totes Kleinkind in einem kaputten Schlauchboot gefunden.
In kaputtem Schlauchboot im Meer zurückgelassen - Schwere Vorwürfe gegen libysche Küstenwache

Heimliche Botschaften: So raffiniert setzte die Queen Seitenhiebe gegen Trump

Die Queen ist zu politischer Neutralität verpflichtet. Dennoch findet sie immer wieder Mittel und Wege um ihre Meinung kundzutun. So auch bei ihrem Treffen mit Donald …
Heimliche Botschaften: So raffiniert setzte die Queen Seitenhiebe gegen Trump

Seehofer sieht sich als Opfer einer Kampagne - „geht gegen mich und meine Partei“ 

Im Asylstreit übt Kardinal Marx Kritik an Markus Söder und Horst Seehofer. Der Innenminister sieht sich als Opfer einer Kampagne. Alle Neuigkeiten im News-Ticker.
Seehofer sieht sich als Opfer einer Kampagne - „geht gegen mich und meine Partei“ 

Kommentare

Ab dem 25.5.2018 gilt die Datenschutzgrundverordnung. Dazu haben wir unser Kommentarsystem geändert. Um kommentieren zu können, müssen Sie sich bei unserem Dienstleister DISQUS anmelden. Sollten Sie zuvor bereits ein Profil bei DISQUS angelegt haben, können Sie dieses weiter verwenden. Nutzer, die sich über den alten Portal-Login angemeldet haben, müssen sich bitte einmalig direkt bei DISQUS neu anmelden.

Hinweise für das Kommentieren

Von Mo. bis Fr. in der Zeit von 18 bis 9 Uhr und am Wochenende werden keine neuen Kommentare freigeschaltet.
Bitte bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht.