Angeblich drei deutsche Todesopfer

Terror in Barcelona: Was wir am Samstag sicher wissen - und was nicht

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Der Terroranschlag von Barcelona stellt sich wohl als Werk einer organisierten Gruppe heraus.

Der Terroranschlag von Barcelona stellt sich wohl als Werk einer organisierten Gruppe heraus. Die Ermittler ordneten der mutmaßlichen Terrorzelle drei Vorfälle zu.

Barcelona - Den schweren Anschlag mit einem Kleintransporter auf Barcelonas Flaniermeile Las Ramblas, bei dem am Donnerstag 13 Passanten getötet wurden, einen vereitelten Angriff in der Küstenstadt Cambrils und die Explosion in einem Wohnhaus in der Ortschaft Alcanar (wir berichten laufend im News-Ticker).

WAS WIR WISSEN

DER ANSCHLAG IN BARCELONA: Ein Lieferwagen raste am Donnerstag gegen 17.00 Uhr auf der Flaniermeile Las Ramblas im Zickzack in Menschen. Medien zufolge legte der Fahrer gut 550 Meter zurück und flüchtete dann zu Fuß.

DIE OPFER: Insgesamt wurden nach Behördenangaben 14 Menschen getötet und 126 verletzt. Die Opfer von Barcelona und Cambrils stammten nach vorläufigen Angaben aus 34 Ländern. Bis zum Samstagmorgen waren noch vier Tote nicht identifiziert.

DEUTSCHE OPFER: Nach Angaben des Auswärtigen Amts wurden 13 Deutsche verletzt, einige von ihnen lebensgefährlich. Es könne nicht ausgeschlossen werden, dass auch deutsche Staatsangehörige gestorben seien, sagte ein Ministeriumssprecher. Das ZDF hatte unter Berufung auf Sicherheitskreise von drei deutschen Todesopfern berichtet.

DAS TATFAHRZEUG: War ein gemieteter weißer Lieferwagen. Ein zweiter Transporter, mit dem der oder die Attentäter womöglich hätten fliehen wollen, wurde Zeitungsberichten zufolge nahe Barcelona gefunden.

ANTI-TERROR-EINSATZ IN CAMBRILS: In dem Badeort südwestlich von Barcelona erschossen Einsatzkräfte fünf mutmaßliche Terroristen. Medien zufolge waren die Männer in einem Wagen von der Polizei kontrolliert worden. Auf der Flucht fuhren sie Passanten an, eine Frau kam ums Leben. Bei den Sprengstoffgürteln der Verdächtigen handelte es sich der Polizei zufolge um Attrappen.

VORFALL IN ALCANAR: In der Ortschaft in der Provinz Tarragona war am Mittwoch bei der Explosion in einem Wohnhaus ein Mensch ums Leben gekommen, sieben weitere wurden verletzt. Es gebe „klare“ Verbindungen zu dem Anschlag in Barcelona, sagte der katalanische Polizeichef. Dieser sei in Alcanar vermutlich vorbereitet worden.

FESTNAHMEN: In Ripoll 100 Kilometer nördlich von Barcelona, in Cambrils und im nochmals weiter südlichen Alcanar nahm die Polizei vier mutmaßliche Terroristen fest. Keiner von ihnen sei bis dahin durch terroristische Aktivitäten in Erscheinung getreten. Drei weitere Verdächtige seien identifiziert worden, teilte die Polizei mit.

SELBSTBEZICHTIGUNG: Die IS-Terrormiliz reklamierte laut ihrem Sprachrohr Amak den Anschlag für sich. Von den Behörden in Spanien gab es dazu zunächst keine Äußerungen.

WAS WIR NICHT WISSEN

DIE IDENTITÄT DER MUTMASSLICHEN TERRORISTEN: Die Polizei geht nach eigenen Angaben von einer zwölfköpfigen Zelle aus. Fünf der mutmaßlichen Attentäter seien bei dem Anti-Terror-Einsatz in Cambrils getötet worden. Vier wurden demnach verhaftet, zwei weitere starben möglicherweise bei der Explosion in Alcanar. Nach einem weiteren Verdächtigen wird nach übereinstimmenden Medienberichten gefahndet. Er könnte in Richtung Frankreich geflüchtet sein - auch die dortige Polizei wurde alarmiert.

WER IST DER HAUPTTÄTER? Die Sicherheitskräfte teilten mit, sie fahndeten nach einem 17-jährigen mit dem Namen Moussa Oukabir als Haupttäter. Er soll seinem älteren Bruder dessen Pass gestohlen und damit den Transporter angemietet haben, mit dem der Terroranschlag auf der Flaniermeile Las Ramblas verübt wurde. Ob er auch selbst der Fahrer war, blieb unklar.

WAS IST DAS MOTIV? Die spanische Polizei spricht von einem Terroranschlag. Die auf dschihadistische Propaganda spezialisierte Site Intelligence Group berichtete, IS-Anhänger hätten in sozialen Netzwerken den Anschlag ähnlich gefeiert wie seinerzeit die Attacke in Manchester.

BEFAND SICH DAS ZENTRUM DER TERRORZELLE IN ALCANAR? Dies berichtete die Zeitung „El País“. Die Polizei vermute, dass in dem durch eine Explosion zerstörten Gebäude im äußersten Süden der Region Katalonien ein Sprengsatz gebaut wurde, so das Blatt. Die Polizei sprach von „klaren“ Verbindungen. Am Freitag fanden Ermittler weitere „biologische Überreste“ - möglicherweise eine weitere Leiche. Laut „El País“ wurden in dem Gebäude etwa 20 Gasflaschen gelagert. Zudem seien Spuren des Sprengstoffs TATP entdeckt worden. Triacetontriperoxid wurde bei früheren Terroranschlägen in London und Paris benutzt.

dpa

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