Anschlag in London

Terrorismusexperte: Alles deutet auf islamistische Attacke

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Peter Neumann ist Terrorismusexperte am Londoner King‘s College.

London - War der Anschlag von London islamistisch motiviert? Laut Terrorismusexperte Peter Neumann passt die Attacke ins Muster des IS. Ein Interview:  

Beim Doppelanschlag am Londoner Parlament deutet nach Einschätzung des Terrorismusforschers Peter Neumann alles auf einen islamistischen Hintergrund hin. „Dieser Anschlag passt genau in das Muster der Anschläge, die wir gesehen haben von Nizza und Berlin. Das ist genau die Art von Anschlag, die der IS promoted und anstiften will“, sagte Neumann der Deutschen Presse-Agentur.

Neumann leitet das internationale Zentrum zur Erforschung von Radikalisierung (ICSR) am King's College in London und berät auch die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) in Sachen Deradikalisierung von Islamisten. Bei den Anschlägen im vergangenen Sommer in Nizza und vor Weihnachten in Berlin waren die jeweiligen Täter mit Lastwagen in Menschenmengen gerast.

Wie bewerten Sie den Anschlag in London?

Neumann: Ich gehe davon aus, dass es ein dschihadistisch motivierter Anschlag war. Ich bin mir da ziemlich sicher. Erstens: Die Polizei spricht von einem Anschlag. Zweitens: Die Sicherheitsbehörden warnen seit geraumer Zeit vor dschihadistischen Anschlägen genau dieser Art. Drittens: Dieser Anschlag passt genau in das Muster der Anschläge, die wir gesehen haben von Nizza bis Berlin.

Gibt es Indizien, dass der IS hinter dem Anschlag steckt?

Neumann: Wir wissen nicht, ob der Attentäter eine Verbindung zum Islamischen Staat hat und welcher Art sie gewesen sein könnte. War er nur inspiriert oder gab es eine engere Verbindung? Erst wenn ein Statement der sogenannten Nachrichtenagentur des Islamischen Staates kommt, oder wenn es sogar ein Video gibt, wissen wir sicher: Das war IS.

Wie bewerten Sie die Tatsache, dass der Anschlag am Jahrestag der Anschläge von Brüssel stattfand?

Neumann: Es kann schon so sein, dass es zeitlich abgestimmt war auf diesen Jahrestag hin. Das wäre dann aber der Anlass und nicht der Grund. Das ist eine wichtige Unterscheidung. Es könnte sein, dass sich der Täter seit einiger Zeit überlegt hat, dass er so etwas machen möchte. Das ist ja normalerweise der Fall. Wenn es dieses Datum nicht gegeben hätte, gehe ich davon aus, dass er an einem anderen Tag zugeschlagen hätte.

Großbritannien wurde jahrelang von Terroranschlägen verschont. War das reines Glück?

Neumann: Großbritannien war in den letzten vier, fünf Jahren von der Mobilisierungswelle des IS weniger betroffen als zum Beispiel Frankreich oder Belgien. Ich glaube auch, dass die britischen Sicherheitsbehörden seit den Anschlägen von 2005 aufgerüstet haben und dass sie die besten in Europa sind. Sie haben in den vergangenen Jahren im Schnitt jährlich einen großen Anschlag vereitelt, doch diese Art von Anschlag lässt sich nur sehr schwer verhindern.

dpa

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