Dabei „räumen sie sogar ihren eigenen Müll auf“

Wut in Thailand: Frau des „Thai-Kini“ erlebt Protest - nun droht Aktivisten lebenslange Haft - „Wir hatten Angst“

König Maha Vajiralongkorn von Thailand und Königin Suthida von Thailand winken Monarchisten zu.
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König Maha Vajiralongkorn von Thailand und Königin Suthida von Thailand winken Monarchisten zu.

Der „Thai-Kini“ steht im eigenen Land in der Kritik. Gemahlin Suthida erlebte nun Protest aus nächster Nähe. Zwei Männern droht nun lebenslange Haft. Die Festnahme entfacht neue Wut.

Bangkok - Thailands König Rama X. steht in seiner Heimat vor großen Problemen - auch wegen seiner bekannten Vorliebe des „Thai-Kini“ für Aufenthalte in Bayern, die bei den Untertanen auf wenig Gegenliebe stößt. Derzeit weilt der Monarch aber in Thailand. Den Zorn der Bevölkerung bekommen er und seine Angehörigen dabei aus nächster Nähe zu spüren: Ein königlicher Konvoi geriet am vergangenen Mittwoch (14. Oktober) in einen Protestzug - Demonstranten buhten und reckten drei Finger in die Luft, eine der Kino-Reihe „Tribute von Panem“ entnommene Geste des Widerstands.

Der vergleichsweise harmlose Vorfall könnte für zwei Demokratie-Aktivisten eine drakonische Strafe nach sich ziehen: Eine lebenslange Haftstrafe liegt offenbar im Bereich des Möglichen. Vorgeworfen wird ihnen „ein Akt der Gewalt gegen die Königin oder deren Freiheit“, wie unter anderem die Webseite Thai PBS World berichtet. Die Entwicklung sorgte für weitere Empörung unter den meist jungen Monarchie-Gegnern: Die umstrittene Regierung der Insel-Nation verhängte den Ausnahme-Zustand.

„Thai-Kini“ und Gemahlin erleben Protest in der Heimat - lebenslange Haft für Demo-Teilnahme?

Betroffen sind zwei Männer - sie bestreiten jegliche Schuld. Der 21 Jahre alte Bunkueanun Paothong erklärte dem Bericht zufolge, er habe einen Lautsprecher gehalten und zur Menge gesprochen, als der royale Konvoi mit Königin Suthida und dem Prinzen seinen Standort erreichte. „Als ich begriff, dass die königliche Kolonne angekommen ist, versuchte ich Platz zu machen, sodass sie passieren kann“. Auch der 45-jährige Ekachai Hongkangwan betonte, er habe von der Ankunft der Monarchin nichts gewusst. „Wir hatten Angst“, erklärte er angeblich, „es schien, als wollten sie uns etwas tun, also drückten wir die Polizisten weg“.

Die beiden Männer wurden Medienberichten zufolge in Haft genommen, der jüngere kam laut Thai PBS World auf Kaution wieder frei. Hongkangwan habe die geforderte Summe nicht aufbringen können und sei weiter hinter Gittern, hieß es am Dienstag.

Sowohl Gegner als auch Befürworter der thailändischen Monarchie gingen in den vergangenen Tagen auf die Straße.

Der Direktor der FDP-nahen Friedrich-Naumann-Stiftung, Frederic Spohr, beschrieb die thailändische Protestbewegung in einem Blogbeitrag als bemerkenswert gemäßigt: Gerade weil konservative Kräfte versuchten, die Aktivisten als Störenfriede zu diskreditieren, rufe die Demokratiebewegung zu Gewaltverzicht auf. Diese Linie werde weitgehend befolgt. „Um direkte Konfrontationen mit der Polizei zu vermeiden, beenden sie ihre Proteste nach relativ kurzer Zeit wieder. Und sie räumen sogar den Müll auf.“

Proteste in Thailand: UN-Menschenrechtsbeauftragte berichtet von mindestens 80 Festnahmen

Thailands Regierungschef Prayut Chan-O-Cha hat unterdessen den vor einer Woche verhängten Ausnahmezustand wieder zurückgenommen. Mit der Regelung waren Versammlungen von mehr als vier Menschen verboten worden. Die Maßnahme sollte laut einer Regierungserklärung am Donnerstag um 12 Uhr Ortszeit enden.

Die UN-Menschenrechtsbeauftragte Mary Lawlor schrieb am Donnerstag in einem Statement allerdings, seit 13. Oktober seien mindestens 80 Menschen verhaftet worden, 27 befänden sich weiterhin in Gewahrsam. Einige davon wegen Teilnahme an „illegalen Versammlungen“, andere wegen Posts in den sozialen Medien. Lawlor bestätigte, dass zwei Aktivisten lebenslage Haft drohe.

Trotz des Versammlungsverbots waren zuletzt täglich tausende pro-demokratische Demonstranten in Thailands Hauptstadt Bangkok auf die Straßen gegangen, um den Rücktritt Prayuts zu fordern. Die pro-demokratische Protestbewegung fordert den Rücktritt der Regierung und eine offene Debatte über die Rolle der Monarchie in Thailand. Der Streit um den Monarchen hatte zuletzt auch Deutschland erreicht.

Thailand: Rama X. in der Kritik - doch auch Monarchie-Befürworter demonstrieren zu Tausenden

Allerdings gehen auch Befürworter der Monarchie von König Rama X. auf die Straße. Am Mittwoch nahmen tausende Menschen an Gegendemonstrationen teil. Ganz in Gelb, der traditionellen Farbe des Königshauses, gekleidet, wollten sie mit Kundgebungen in verschiedenen Provinzen ihre Loyalität für die Institution unter Beweis stellen, wie die Zeitung Bangkok Post berichtete.

In der vergangenen Woche hatte es landesweit Gedenkfeiern für den vor vier Jahren gestorbenen König Bhumibol gegeben. Der beliebte Monarch wurde - anders als sein Sohn - noch fast gottgleich verehrt. Dennoch hat die Monarchie auch heute noch viele Anhänger. (fn/dpa/AFP)

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