Experten verurteilen Medikament scharf

Trump unterzieht sich umstrittener Corona-Behandlung - Mittel eigentlich nur bei schweren Verläufen im Einsatz

Donald Trump bei der Debatte am Abend.
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Donald Trump bei der Debatte am Dienstag.

US-Präsident Donald Trump hat sich mit dem Coronavirus infiziert, nun wird der 74-Jährige mit einem gewagten Medikamenten-Cocktail behandelt. Experten kritisieren die Behandlung aufs Schärfste.

  • Donald Trump und First Lady Melania haben sich mit dem Coronavirus infiziert.
  • Am Freitag wurde der US-Präsident in eine Klinik eingeliefert.
  • Die Art seiner Behandlung wird von einigen Experten aufs Schärfste kritisiert.

Washington - Die Corona-Infektion von Donald Trump sorgte am späten Donnerstagabend (Ortszeit) für Aufsehen, mitten im US-Wahlkampf* wurde der US-Präsident dann überraschend in ein Krankenhaus eingeliefert. Obwohl der 74-Jährige bislang laut offiziellen Angaben nur leichte Symptome* aufzeige, wird Trump nun mit einem experimentellen Medikament behandelt. Eine Entscheidung, die Experten kritisieren.

Währenddessen geht der Wahlkampf* für Herausforderer Joe Biden weiter. Auch Biden wurde zuvor auf das Coronavirus* getestet, nun ist das Ergebnis da. Doch eine Veranstaltung im Weißen Haus wurde offenbar zum Superspreader-Event, die Zahl der Infektionen steigt weiter an.

Donald Trump an Corona erkrankt: US-Präsident wird in Klinik behandelt

Bei dem Medikament handelt es sich um ein nicht zugelassenes Medikament*, das sich noch in der Erprobungsphase befindet. „Wir sollten dem Präsidenten dieses Medikament nicht verabreichen, bevor seine Wirksamkeit bewiesen ist“, schrieb der Notfallmediziner Jeremy Faust vom Brigham and Women‘s-Krankenhaus in Boston am Freitag im Kurzmitteilungsdienst Twitter.

Auch Medizindozent Vinay Prasad von der Universität von Kalifornien in San Francisco kritisiert die Entscheidung aufs Schärfte: „Es ist schlechte Wissenschaft, schlechte Medizin* und schlechte Ethik, mächtigen Leuten unerprobte Dinge zu geben, die man normalen Leuten nicht gibt“.

US-Präsident Donald Trump mit Corona infiziert - Experten kritisieren Medikamenten-Cocktail

Trumps Leibarzt Sean Conley hatte zuvor mitgeteilt, vor seiner Verlegung ins Krankenhaus sei der US-Präsident mit einem experimentellen Antikörper-Cocktail behandelt worden. Als „Vorsichtsmaßnahme“ habe der 74-Jährige eine Dosis synthetischer Antikörper des US-Pharmakonzerns Regeneron erhalten. Die Behandlung mit dem Antikörper-Cocktail wird derzeit in klinischen Studien untersucht, zugelassen ist das Mittel nicht. Regeneron-Chef Leonard Schleifer sagte der „New York Times“, sein Unternehmen sei der Bitte des Weißen Hauses nach dem Mittel „gerne nachgekommen“. Trump sei nicht der erste Patient, der das Mittel auf Grundlage einer Ausnahme bekommen habe.

Erst vor wenigen Tagen hatte das US-Unternehmen erklärt, dass erste Tests erste Erfolge erzielt hatten. Demnach habe sich gezeigt, dass der intravenös verabreichte Antikörper-Cocktail die Virenlast bei nicht im Krankenhaus behandelten Corona-Patienten senken und die Genesungszeit verkürzen könne.

Donald Trump: US-Präsident bekommt Corona-Antikörper-Cocktail - und weiteres Medikament

Doch der noch nicht zugelassene Antikörper-Cocktail ist nicht das einzige Medikament, das der US-Präsident verabreicht bekommen hatte. Wie der Leibarzt von Donald Trump am Freitag bestätigt hatte, werde der 74-Jährige parallel mit dem Medikament Remdesivir behandelt. Dem US-Präsidenten gehe es demnach „sehr gut“, er benötige auch keine Sauerstoffzufuhr. Er habe eine erste Dosis des Mittels Remdesivir eingenommen und ruhe sich seitdem aus.

Ärzte sehen Remdesivir, das ursprünglich zur Behandlung von Ebola entwickelt wurde, nicht als Allheilmittel bei einer
Covid-19-Erkrankung, oft aber als hilfreich. Nach Angaben des Herstellers kann die Arznei das Sterberisiko bei einem schweren Verlauf der Corona-Krankheit Covid-19* deutlich vermindern. Bei leichten Verläufen kommt das Medikament für gewöhnlich nicht zum Einsatz. Offiziell weist US-Präsident Donald Trump bislang nur leichte Symptome auf. Hier lesen Sie die Entwicklungen um die Corona-infektion des Präsidenten.

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