Außenpolitische Strategie

Türkei baut militärischen Einfluss aus - so will Erdogan seinem Land zur Weltmacht verhelfen

Präsident Recep Tayyip Erdogan schreitet eine Ehrenformation des türkischen Militärs ab.
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Präsident Recep Tayyip Erdogan schreitet eine Ehrenformation des türkischen Militärs ab.

Präsident Recep Tayyip Erdogan rüstet sein Land militärisch auf. Das Staatsoberhaupt der Türkei strebt den Weltmachtstatus an - und verfolgt eine klare Strategie.

  • Mithilfe militärischer Aktionen im Nahen Osten und Afrika will die Türkei zur Weltmacht werden.
  • Präsident Recep Tayyip Erdogan sieht besonders Syrien und Libyen als wichtige Länder für die türkische Außenpolitik.
  • Doch auch in anderen Staaten wurde Ankara bereits tätig.

Ankara - Nachdem der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan die Umwandlung der Hagia Sophia in eine Moschee feierlich begangen hatte, sprudelten die emotionalen Worte nur so aus ihm heraus. „Es ist der Anbruch einer neuen Epoche“, meinte der Staatschef der Türkei überschwänglich. Er werde die Türkei zu ihrer „wahren Größe“ zurückführen.

Dabei hat Erdogan, der kürzlich während einer Live-Schalte im Internet eine böse Überraschung erlebte, keinen geringeren Anspruch, als sein Land zur Weltmacht zu machen. Um diesem Ziel näherzukommen, ist die Türkei derzeit im Begriff, im Nahen Osten, in Afrika sowie im Mittelmeer ihre Einflusszonen deutlich auszubauen.

Video: Hagia Sophia in Istanbul öffnet als Moschee

Plan des türkischen Präsidenten Erdogan: Syrien und Libyen als Stützpfeiler der Außenpolitik

Von elementarer Wichtigkeit sind für Erdogan die vom Bürgerkrieg geplagten Länder Syrien und Libyen. Dank der Unentschlossenheit der USA und Europas konnte die Türkei dort strategische Erfolge feiern. Inzwischen hält die Türkei im Kampf gegen Syriens Machthaber Baschar al-Assad drei wichtige Gebiete des Landes besetzt und kontrolliert ein weiteres militärisch.

Mithilfe islamistischer Rebellenmilizen, die zu einer Söldnertruppe der Türkei aufgebaut wurden, bestimmt die Regierung aus Ankara den Verlauf der Kämpfe in Syrien mit. Zudem wird in den besetzten Gebieten kulturell Einfluss ausgeübt - in den Schulen unterrichtet man Türkisch unterrichtet, es wird der türkische Islam gelehrt und auch die türkische Lira als Zahlungsmittel eingesetzt.

Gegenüber der EU nutzt Erdogan die 3,6 Millionen syrischen Flüchtlinge in der Türkei als Druckmittel, um seine Interessen durchzusetzen. Der türkische Präsident ließ etwa Anfang des Jahres seine Muskeln spielen und ließ zehntausende Syrer an die griechische Grenze bringen. So provozierte Erdogan eine neue Flüchtlingskrise.

Türkei und Präsident Erdogan unterstützen Libyens Regierung militärisch - und erhoffen sich Bodenschätze zum Dank

In Libyen unterstützt die Türkei unterdessen die international anerkannte Regierung von Premierminister Fajis al-Sarradsch. Das türkische Regime schickte im großen Stil Fahrzeuge, Waffen und Luftabwehrsysteme nach Tripolis, zusätzlich half ein Stab von Militärberatern und Spezialeinheiten dem libyschen Premierminister im Einsatz.

Libyen ist für die Türkei von großer Bedeutung, da es die größten Erdölreserven Afrikas hat und zudem ein Schlüsselland für Migranten aus aller Welt auf dem Weg zum europäischen Festland ist. Ein umstrittenes See-Abkommen beider Länder könnte der Türkei Zugang zu den im Mittelmeer vermuteten reichen Erdgasvorkommen verschaffen, worüber es kürzlich fast zur Eskalation mit Griechenland kam.

Türkei: Waffenlieferungen an IS-Splittergruppe Boko Haram?

Um seine Einflussgebiete breiter aufzustellen, betreibt Erdogan auch in weiteren Ländern strategische Aktionen. So war das türkische Militär auch im Norden des Irak gegen kurdische Truppen im Einsatz. In Afrika bezog die Türkei in Somalia und im Sudan Stellung, außerdem soll es türkische Waffenlieferungen nach Nigeria an die Terrormiliz Boko Haram, Ableger des IS, gegeben haben.

Großzügige finanzielle Unterstützung erhält Ankara für seine aufwändige Außenpolitik aus Katar. Das Emirat, dank riesiger Öl- und Gasvorkommen zu großem Reichtum gekommen, leistet seinen Beitrag zu den Kriegskosten der Türkei. (kh)

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