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100 Tage Ukraine-Krieg im TV: AfD bleibt außen vor –Lauterbach als Talkshowkönig abgelöst

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Von: Andreas Schmid

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Karl Lauterbach, Christian Lindner, Marie-Agnes-Strack-Zimmermann, Norbert Röttgen
Wer sitzt in den Politiktalkshows und spricht über den Ukraine-Krieg? © IMAGO/AFP (Montage)

In den ersten 100 Tagen des Ukraine-Kriegs liefen 80 große Talkshows dazu im deutschen TV. Welche Partei am häufigsten dabei ist - und wer neuer Talk-„König“ ist: Eine Analyse.

Berlin - Der Ukraine-Krieg ist seit dem russischen Einmarsch am 24. Februar omnipräsent in den Medien. Auch in politischen Talkshows. Wer aber sprach in den ersten 100 Tagen im deutschen Fernsehen über den grausam eskalierten Ukraine-Konflikt? Welche politischen Gesichter sind am präsentesten? Eine Auswertung der Gäste der großen Talkshows des öffentlich-rechtlichen Rundfunks:

Ukraine-Krieg im TV: 80 Talkshows in ARD und ZDF

Eingeflossen sind die ARD-Sendungen „Anne Will“, „Hart aber fair“ und „Maischberger“ sowie die ZDF-Shows „Maybrit Illner“ und „Markus Lanz“. Seit Kriegsbeginn kommen so 78 Talkrunden zum Thema Ukraine-Krieg zusammen, die meisten davon bei „Markus Lanz“ (36). Sendungen, in denen es inhaltlich um andere Themen ging, wie etwa die Aufarbeitung der Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen bei „Anne Will“, finden keine Berücksichtigung.

133 Politiker-Auftritte gab es, einige Protagonisten kamen mehrfach zu Wort. Die Gäste verteilen sich aber recht ungleich auf die im Bundestag vertretenen Parteien. So luden die Redaktionen der fünf Sendungen kein einziges Mal Abgeordnete der AfD ein, die bei der Bundestagswahl schlechter platzierte Linke durfte neunmal kommen. Am häufigsten werden Politiker der SPD eingeladen, aber auch die CDU ist sehr präsent. Politiker der stärksten Oppositionspartei sehen die TV-Zuschauer öfter als Abgeordnete der Ampelkoalitionäre Grüne und FDP.

Ukraine-Krieg im TV: Präsenz der Parteien in den Talkshows von ARD und ZDF

SPD45
CDU29
Grüne24
FDP23
Linke9
CSU3
AfD0

Ukraine-Krieg im TV: Lauterbach als Talkshowkönig abgelöst

Wen aber schicken die Parteien auf die Fernsehsessel von „Markus Lanz“ & Co.? In der Hochphase der Corona-Pandemie war der Titel des „Talkshowkönigs“ schnell vergeben. Niemand war öfter zu Gast als Karl Lauterbach. 29 Mal saß der SPD-Politiker im Jahr 2021 laut einer Auswertung des Medienmagazins Meedia bei „Anne Will“ „Hart, aber fair“, „Maischberger“ und „Illner“ („Markus Lanz“ nicht mit eingerechnet). Seit dem Ukraine-Krieg ist Lauterbach nur noch selten in den Haupt-Talkshows zu sehen. Nur zweimal war er bei „Lanz“ und einmal bei „Maischberger“ zu Gast.

Ukraine-Krieg im TV: Diese Politiker sieht man am häufigsten in ARD und ZDF

Marie-Agnes Strack-Zimmermann (FDP)8
Norbert Röttgen (CDU)8
Lars Klingbeil (SPD)7
Roderich Kiesewetter (CDU)7
Robert Habeck (Grüne)6
Christian Lindner (FDP)5
Michael Roth (SPD)5
Kevin Kühnert (SPD)5

Am häufigsten zu Gast waren wenig überraschend jene Politikerinnen und Politiker, die in ihrer Arbeit einen thematischen Bezug zum Ukraine-Krieg haben. Die CDU-Politiker Norbert Röttgen und Roderich Kiesewetter gelten innerhalb der Union als ausgewiesene Außenpolitikexperten. Sie sitzen zudem im Auswärtigen Ausschuss, dessen Vorsitzender der SPD-Politiker Michael Roth ist.

Auch die liberale Vorsitzende des Verteidigungsausschusses, Marie-Agnes Strack-Zimmermann, war häufig dabei, ebenso wie SPD-Parteichef Lars Klingbeil, der in den Sendungen auch die Linie des Kanzlers erklärte beziehungsweise erklären musste oder sein Generalsekretär Kevin Kühnert. Olaf Scholz selbst war übrigens je einmal bei Anne Will und Maybrit Illner. Aus der Bundesregierung zeigten sich am häufigsten Vizekanzler Robert Habeck (Grüne) und Finanzminister Christian Lindner (FDP).

Politik-Talkshows: Eingeladen wird, wer „etwas Substanzielles beizutragen hat“

Die Politik-Talkshows des öffentlich-rechtlichen Rundfunks wollen nach eigenen Angaben unterschiedliche Stimmen zu Wort kommen lassen. So ist in den „genrespezifischen Qualitätskriterien“ der ARD von „Ausgewogenheit“ und „Pluralität“ die Rede. Beim ZDF heißt es: „Die Pluralität im politischen Meinungsbildungsprozess ist sowohl auf nationaler Ebene als auch in europäischer Hinsicht zu sichern.“ Das gelingt jedoch nicht immer, wie auch eine großflächige, über drei Jahre angesetzte Studie gezeigt hat.

Auf Anfrage von Merkur.de betont das ZDF, man sei um Meinungsvielfalt bemüht. „Die eingeladenen Gäste werden danach ausgewählt, dass sie unterschiedliche Positionen und Sichtweisen einbringen. Es geht darum, dass sie unterschiedliche Perspektiven auf die aktuellen Themen in die Sendung mitbringen.“ Bei „hart aber fair“ heißt es derweil, dass jene Politiker eingeladen werden, die zum Thema „etwas Substanzielles beizutragen haben“. Das scheint die AfD nach Einschätzung der Talkshow-Macher im öffentlich-rechtlichen Rundfunk nicht zu tun. (as)

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