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Butscha: Selenskyj lädt Merkel zu Besuch ein – Bundeskanzlerin verteidigt sich

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Von: Andreas Schmid

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Wolodymyr Selenskyj geht Angela Merkel öffentlich an - und fordert die Ex-Kanzlerin dazu auf, nach Butscha zu kommen.

Kiew – Die Gräueltaten von Butscha, die Bilder von Leichen auf den Straßen, haben weltweit für Entsetzen gesorgt. Ukraine-Präsident Wolodymyr Selenskyj* sprach von einem „Völkermord“, für den er Russland* verantwortlich macht. Gleichzeitig kritisierte der Präsident den Westen, insbesondere Angela Merkel*.

In einer Videoansprache ging Selenskyj hart mit der deutschen Russland-Politik ins Gericht. Er forderte Merkel dazu auf, nach Butscha zu kommen um sich ein Bild ihrer laut Selenskyj gescheiterten Russland-Politik zu machen. Auch Frankreichs Ex-Präsident Nicolas Sarkozy sollte in die Stadt nordwestlich von Kiew* kommen, wo mehrere Zivilisten mutmaßlich von russischen Soldaten getötet wurden. Sie würden „sehen, wozu die Politik der Zugeständnisse gegenüber Russland geführt hat. Sie werden die gefolterten Ukrainer und Ukrainerinnen mit eigenen Augen sehen“.

Ukraine-Krieg: Selenskyj fordert Merkel zu Butscha-Besuch auf

Selenskyj ging in seiner Rede auf die Nato-Beitrittsverhandlungen* der Ukraine ein - einem der Kernpunkte des Ukraine-Konflikts*. Beim Gipfel 2008 hätten die Nato-Staaten der Ukraine eine Aufnahme in Aussicht gestellt, dann aber aus Rücksicht auf Russland einen Rückzieher gemacht. Selenskyj sprach von einer „absurden Angst einiger Politiker“ vor Russland. Auch wegen dieser „Fehleinschätzung“ erlebe die Ukraine nun „den schlimmsten Krieg in Europa seit dem Zweiten Weltkrieg“. Die Ukraine wollte eigentlich in die Nato, das Bündnis lehnte einen Beitritt bisher allerdings ab. Nach der Krim-Annexion wurden die Beitrittsgespräche wieder intensiviert. Seit 2018 gilt die Ukraine als offizielle Beitrittskandidatin.

Ukraine-Krieg: Angela Merkel und Wolodymyr Selenskyj im Sommer 2021 in Kiew (Archivfoto)
Bundeskanzlerin Angela Merkel war 2021 zu Gast beim ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj. Nun kritisiert sie der Staatschef deutlich. © Sergey Dolzhenko/POOL EPA/AP/dpa

Ukraine-Krieg: Merkel weist Selenskyj-Kritik zurück

Merkel verteidigte die Entscheidung, die Ukraine* 2008 nicht in die Nato aufzunehmen. „Bundeskanzlerin a.D. Dr. Angela Merkel steht zu ihren Entscheidungen im Zusammenhang mit dem Nato-Gipfel 2008 in Bukarest“, ließ die Ex-Kanzlerin auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur über eine Sprecherin ausrichten.

„Angesichts der in Butscha und anderen Orten der Ukraine sichtbar werdenden Gräueltaten finden alle Anstrengungen der Bundesregierung und der internationalen Staatengemeinschaft, der Ukraine zur Seite zu stehen und der Barbarei und dem Krieg Russlands gegen die Ukraine ein Ende zu bereiten, die volle Unterstützung der Bundeskanzlerin a.D.“, hieß es weiter.

Selenskyj betonte unterdessen fernab seiner Merkel-Kritik, wer der Verantwortliche für das mutmaßliche Kriegsverbrechen sei. „Wir geben nicht dem Westen die Schuld. Wir beschuldigen niemanden außer dem russischen Militär und denjenigen, die ihnen Befehle gegeben haben.“ Alle Informationen zum Ukraine-Krieg finden Sie in unserem News-Ticker. (as/dpa) *fr.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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