1. lokalo24
  2. Politik

„Abscheulichste Verbrechen“, „Zynismus“ und Gedanken an Srebrenica - Butscha schockiert Medien in aller Welt

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Franziska Schwarz

Kommentare

Ukraine-Krieg: Eindrücke nach Kämpfen in Butscha - ein zerstörtes Auto auf einer Autobahn, die von dem Kiewer Vorort in die ukrainische Hauptstadt führt.
Aufnahme vom 2. April: Auf der Autobahn von Butscha nach Kiew führt © Mykhaylo Palinchak/Imago

Hunderte Leichen auf den Straßen von Butscha: Kiew wirft Moskau ein „Massaker“ an Zivilisten vor. Auch in der Presse sind die Gräueltaten Hauptthema. Eine Auswahl an Kommentaren. 

München - Die Toten von Butscha beschäftigen die Welt: Die Gräueltaten in dem Kiewer Vorort zeigen eine neue Stufe der Grausamkeit im Ukraine-Konflikt*. Der Kreml unter Wladimir Putin* weist jede Verantwortung zurück. Glauben kann das im Westen kaum jemand, wie eine Presseschau vom 4. April zeigt.

So schreibt die Zeitung Rzeczpospolita aus Polen, dem direkten Nachbarland der Ukraine:

„Wir kennen noch nicht das ganze Ausmaß dieses russischen Verbrechens und viele seiner Details. Aber wir werden es herausfinden. Vor allem können wir es nicht begreifen. Es will einfach nicht in den Kopf. Wir kennen Ausdrücke wie ‚Bestialität des Krieges‘, ‚Barbarei der Besetzer‘, ‚zu Tieren gewordene Soldaten‘, aber wir hatten die Hoffnung, dass sie sich in Europa für immer auf Ereignisse der Vergangenheit beziehen. Nein, es ist die Gegenwart. Es ist der Alltag der russischen Armee bei ihrem Eroberungsfeldzug. Wir wissen, wer dafür verantwortlich ist.“

Pressereaktionen zu Kriegsgräuel in Butscha: „Leben im Schatten der Gefahr“

Lettland grenzt nicht an die Ukraine, aber an Russland. Von dort aus kommentiert die liberale Tageszeitung Diena:

„Wenn Mariupol der Anfang war, dann haben Butscha, Irpin und andere von den russischen Besatzern befreite Orte eine tragische Wahrheit ans Licht gebracht: Es handelt sich nicht nur um einen verrückt gewordenen Diktator, es ist auch ein russisches Volk, das in einer Mischung aus Chauvinismus, Auserwähltheit und Hass zu den abscheulichsten Verbrechen bereit ist. (...) Was bedeutet das für Lettland? Die Notwendigkeit, sich auf einen langen, ermüdenden Widerstand vorzubereiten, - und ein Leben im Schatten der Gefahr. Russland wird sich nicht schnell zu Boden bringen lassen, zumindest nicht mit den Methoden, zu denen der Westen bislang bereit ist.“

Pressekommentar zu Butscha: „Enthüllungen erschweren Verhandlungen“

Als konservative Zeitung gilt die Lidove noviny mit Sitz in Prag in Tschechien. Sie schreibt:

„Die Ermordung von Zivilisten in Butscha schockiert die Welt. Die Ukrainer vergleichen die Gräueltat mit dem serbischen Massaker an bosnischen Muslimen in Srebrenica im Jahr 1995. Da ist etwas dran, wenngleich in Srebrenica Tausende und in Butscha Hunderte ermordet wurden. Für den Westen wird es nun schwieriger sein, ukrainische Bitten um Hilfe abzulehnen. Zudem erschweren die Enthüllungen die laufenden Friedensverhandlungen zwischen Kiew und Moskau - besonders wenn das russische Verteidigungsministerium zynisch behauptet, dass es sich um einen ukrainischen Betrug handele und russische Soldaten niemandem auch nur ein Haar gekrümmt hätten.“

Ukraine-Krieg: „Beweise für russische Kriegsverbrechen scheinen sich zu häufen“

Die Amsterdamer Zeitung De Telegraaf kommentiert:

„Die Beweise für russische Kriegsverbrechen scheinen sich zu häufen. Gräueltaten sollen nicht nur in Butscha und der zerstörten Stadt Mariupol begangen worden sein. (...) Die schrecklichen Bilder werden den Druck auf die westlichen Länder erhöhen, mehr Sanktionen gegen Russland zu verhängen und der Ukraine stärkere Waffen zu liefern. Nach Ansicht des deutschen Vizekanzlers Habeck darf dieses ‚furchtbare Kriegsverbrechen‘ in Butscha nicht unbeantwortet bleiben.“ (dpa/frs)

Auch interessant

Kommentare