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„Abschaum und Verräter“ - Putin ruft zur Jagd auf Opposition in Russland

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Von: Daniel Dillmann

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Wladimir Putins Angriff auf die Ukraine löst auch in Russland selbst Kritik aus. Der Präsident reagiert darauf mit Drohungen.

Moskau - Mitten im Ukraine-Krieg wendete sich Wladimir Putin in einer großen Rede an das eigene Volk. Russlands Präsident gab sich siegessicher und dankte dem eigenen Militär für den „heldenhaften Einsatz“ in der Ukraine. Er lobte die Einheit des russischen Volkes im Krieg gegen Drogenabhängige und Nationalsozialisten.

Doch dass die kolportierte Einigkeit längt Risse hat, das beweist eine andere Stelle der Rede Wladimir Putins. Der russische Präsident addressierte nämlich auch die Kritiker und Kriegsgegner im eigenen Land. Putin sprach von „Gesindel“, „Abschaum“ und „Verrätern“, die er mit „Mücken“ verglich. Ihr Ziel sei einzig, Russland zu schwächen und dem Westen bei seinen Versuchen zu helfen, das Land in den Abgrund zu reißen. „Jedes Volk, das russische Volk ganz besonders, wird immer in der Lage sein, das Gesindel und die Verräter zu erkennen und sie auszuspucken, wie man eine Fliege ausspuckt, die einem in den Mund geflogen ist. Ich bin sicher, dass eine solche echte und notwendige Selbstreinigung der Gesellschaft unser Land nur stärken wird“, so der Kreml-Chef in seiner Rede laut der ARD-Tagesschau*.

Russlands Präsident Wladimir Putin verteidigt den Krieg gegen die Ukraine und droht der Opposition im eigenen Land.
Russlands Präsident Wladimir Putin verteidigt den Krieg gegen die Ukraine und droht der Opposition im eigenen Land. © Ramil Sitdikov/afp

Ukraine-Krieg: Wladimir Putin nennt Opposition die „fünfte Kolonne“

Die Opposition und alle Gegner des Ukraine-Kriegs bezeichnet Wladimir Putin in seiner Rede als „fünfte Kolonne“ des Westens. Deren Mitglieder seien bereit „ihre eigene Mutter zu verkaufen“, wenn das ihren Interessen helfen würde.

Noch während Wladimir Putin sich mit seiner markigen Rede an die russische Bevölkerung wandte, kündigte ein Untersuchungsausschuss des russischen Parlaments an, strafrechtliche Ermittlungen gegen mehrere Personen einzuleiten. Ihnen werde vorgeworfen, falsche Informationen“ über den Ukraine-Krieg verbreitet zu haben.

Ukraine-Krieg: Wladimir Putin erinnert an Stalin

Die erste davon betroffene Person ist nach Angaben des US-Nachrichtensenders CBS Veronika Belotserkovskaya. Die Bloggerin, die eigentlich Bücher über französische und italienische Küche schreibt, hatte sich kritisch über den Angriff Russlands auf die Ukraine geäußert und war wohl damit ins Fadenkreuz von Wladimir Putin und seinem Apparat geraten. Zuletzt war auch Marina Ovsyannikova mit den Behörden in Russland in Konflikt geraten. Die TV-Redakteurin hatte in einer Live-Übertragung des russischen Staatsfernsehens gegen Putin und den Ukraine-Krieg demonstriert.

Laut dem Osteuropa-Experten Stefan Meister erinnert die Rede Wladimir Putins im Ukraine-Krieg an die „stalinistische Säuberungsrhetorik“ der Sowjetunion der 1930er Jahre. Das sagte Meister gegenüber der ARD-Tagesschau. „Das ist alarmierend, weil das möglicherweise eine weitere ‚Säuberung‘ im Land vorbereitet und zugleich die Wagenburg-Mentalität im Land stärken soll“, so Meister. (Daniel Dillmann) *fr.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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