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Botschaft wirft Melnyk Verharmlosung des Holocaust vor

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Von: Karolin Schäfer

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Erneut zieht der ukrainische Botschafter Kritik auf sich. Mit seinen jüngsten Äußerungen soll Melnyk den Holocaust verharmlosen.

Kiew – Nach kontroversen in Interview-Aussagen hat die israelische Botschaft in Deutschland dem ukrainischen Botschafter, Andrij Melnyk, eine Verharmlosung des Holocaust vorgeworfen. Dabei steht der Botschafter wegen Äußerungen über den ehemaligen ukrainischen Nationalistenführer Stepan Bandera (1909-1959) unter Druck.

Die Aussagen des ukrainischen Botschafters seien eine „Verzerrung der historischen Tatsachen, eine Verharmlosung des Holocausts und eine Beleidigung derer, die von Bandera und seinen Leuten ermordet wurden“, erklärte die israelische Botschaft in Berlin am Freitag (1. Juli) auf Twitter.

NameAndrij Melnyk
Geboren7. September 1975 in Lwiw
Seit 2015Botschafter der Ukraine in Deutschland

Botschafter Melnyk in der Kritik: Äußerungen „untergraben Kampf des ukrainischen Volkes“

Nationalistische Partisanen aus dem Westen der Ukraine waren 1943 für ethnisch motivierte Vertreibungen verantwortlich, bei denen Zehntausende polnische Zivilistinnen und Zivilisten ermordet wurden. In einem Interview mit dem Journalisten Tilo Jung am 29. Juni hatte Melnyk den Nationalistenführer Bandera in Schutz genommen. „Bandera war kein Massenmörder von Juden und Polen“, hatte der ukrainische Botschafter gesagt. Dafür gebe es keine Belege.

Melnyks Äußerungen „untergraben nicht nur die Werte, die wir alle schätzen und an die wir glauben, sondern sie untergraben auch den mutigen Kampf des ukrainischen Volkes, nach demokratischen Werten und in Frieden zu leben“, hieß es seitens der israelischen Botschaft auf Twitter.

Polen kritisiert Andrij Melnyk: „Absolut inakzeptabel“

Neben der israelischen Botschaft kritisierte auch die polnische Regierung Melnyks Darlegungen. „So eine Auffassung und solche Worte sind absolut inakzeptabel“, sagte Vize-Außenminister Marcin Przydacz der Internetplattform Wirtualna Polska nach Angaben des Spiegel. An einer Entschuldigung des ukrainischen Botschafters sei Polen weniger interessiert. Vielmehr ginge es jetzt um „die Position der ukrainischen Regierung als die von Einzelpersonen.“

Andrij Melnyk, Botschafter der Ukraine in Deutschland.
Andrij Melnyk, Botschafter der Ukraine in Deutschland. © Fabian Sommer/dpa

Dahingehend positionierte sich nun auch das ukrainische Außenministerium und distanzierte sich von Melnyks Aussagen. Die Ukraine sei Polen für „seine beispiellose Unterstützung im Kampf gegen die russische Aggression dankbar“, hieß es in der Stellungnahme am Donnerstag (30. Juni).

Ukrainisches Außenministerium distanziert sich von Melnyks Aussagen

Es gebe „keine Streitpunkte, die uns trennen, denn sowohl Kiew als auch Warschau teilen ein umfassendes Verständnis für die Notwendigkeit, angesichts gemeinsamer Herausforderungen die Einheit zu bewahren.“ Dabei sei die Meinung des ukrainischen Botschafters in Deutschland „seine eigene und spiegelt nicht die Position des Außenministeriums der Ukraine wider“, betonte die Behöre.

Seit Jahren provozierte Melnyk mit seinen Aussagen für den Nationalistenführer Bandera, er bezeichnete ihn mehrfach als Helden. Kurz nach seinem Amtsantritt 2015 als ukrainischer Botschafter in Deutschland besuchte er dessen Grab und legte dort Blumen nieder. Auch nach Beginn des Ukraine-Krieges machte Melnyk immer wieder mit kontroversen Heldenverehrungen auf sich aufmerksam. (kas/dpa)

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