Ausbildung nur Randthema

Umfrage: Berufsorientierung an Schulen führt oft an die Uni

Schüler beim Unterricht. Foto: Franziska Kraufmann/Symbolbild
+
Schüler beim Unterricht. Foto: Franziska Kraufmann/Symbolbild

Unternehmen suchen oft händeringend Azubis - doch bei der Berufsorientierung an Schulen spielt eine Ausbildung oft eine untergeordnete Rolle.

Berlin (dpa) - Weiterführende Schulen informieren Schüler bei der Studien- und Berufsorientierung laut einer Umfrage überwiegend über Studienangebote. Dass der Weg ins Berufsleben auch über eine Ausbildung führen kann, kommt dabei oft nur am Rande zur Sprache.

Das geht aus einer Befragung des Meinungsforschungsinstituts Civey im Auftrag des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) hervor, die der Deutschen Presse-Agentur in Berlin vorliegt.

Demnach gibt bei Gymnasien fast die Hälfte der Eltern an, dass entsprechende Orientierungsangebote eindeutig oder eher über Studienmöglichkeiten informierten. Bei anderen weiterführenden Schulen sind es 28 Prozent. Eher oder eindeutig um Ausbildungen geht es laut knapp zehn Prozent der Eltern von Gymnasiasten und 24 Prozent der Eltern mit Kindern auf anderen weiterführenden Schulen. Der Rest ist unentschieden.

Erschreckend ist laut DIHK, dass rund ein Fünftel der Eltern wahrnehmen, dass ihren Kindern keinerlei Angebote zur Berufs- und Studienorientierung in der Schule gemacht werden.

DIHK-Präsident Eric Schweitzer sagte: «Wir müssen alle gemeinsam mehr dafür tun, dass mögliche Azubis und Studierende schon im frühen Schulalter genauso viel über die duale Ausbildung informiert werden.» Auch viele Eltern wüssten nicht, dass der Weg über eine Ausbildung und eine anschließende höhere Berufsbildung oftmals ebenso gute Karrierechancen und Verdienstmöglichkeiten biete.

Der Schrauben-Unternehmer Reinhold Würth riet jungen Menschen ausdrücklich eher zu einer Karriere im Handwerk statt eines Studiums. Kluge Handwerker könnten mehr verdienen als Mediziner, sagte der Milliardär der «Bild am Sonntag». «Von einer Million Handwerksbetrieben brauchen 300 000 einen Nachfolger. Ein junger Mensch, der Spaß an Erfolgen und Siegen hat, kann heute recht leicht einen Betrieb übernehmen. (...) Dagegen ist ein Mediziner oft 30 Jahre alt, bis er Assistenzarzt mit relativ bescheidenem Gehalt ist.»

Schweitzer meinte, für mehr junge Menschen müsse gelten: «Raus aus dem Klassenzimmer, rein in den Betrieb und die Praxis erleben.» Konkrete Erfahrungen könnten die Berufswahl erleichtern - dann würden weniger junge Menschen ein Studium aufnehmen, das sie dann später frustriert abbrechen.

Sowohl Eltern von Gymnasiasten (56 Prozent) als auch von Kindern auf anderen weiterführenden Schulen (62 Prozent) sehen in Betriebspraktika und Unternehmensbesuchen die mit Abstand größte Hilfe bei der beruflichen Orientierung. Auf Platz zwei und drei folgen das Schulfach Berufsorientierung sowie Ausbildungs- und Jobmessen.

Mehr zum Thema

Das könnte Sie auch interessieren

Meist Gelesen

Inzidenz auf Rekordwert - BDI-Chef kritisiert Corona-Politik
Politik

Inzidenz auf Rekordwert - BDI-Chef kritisiert Corona-Politik

Die Neuinfektionen steigen weiter. Weiterhin sind viele Menschen ungeimpft. Das Ziel der Bundesregierung, bis Ende Januar 80 Prozent der Bevölkerung zu impfen, steht vor …
Inzidenz auf Rekordwert - BDI-Chef kritisiert Corona-Politik
Live: Parteitag der Grünen wählt neue Vorsitzende - wer folgt auf Habeck und Baerbock?
Politik

Live: Parteitag der Grünen wählt neue Vorsitzende - wer folgt auf Habeck und Baerbock?

Die Grünen treffen sich zum Parteitag, um ein Nachfolger-Duo für die Parteispitze zu wählen. Doch zuerst wird über Formfragen gestritten. Alle Neuigkeiten in unserem …
Live: Parteitag der Grünen wählt neue Vorsitzende - wer folgt auf Habeck und Baerbock?
Ukraine-Konflikt: USA senden Truppen - Warnung an Russland vor „schrecklichen Folgen“
Politik

Ukraine-Konflikt: USA senden Truppen - Warnung an Russland vor „schrecklichen Folgen“

Die Lage an der Grenze zwischen der Ukraine und Russland bleibt angespannt. Die russische Armee soll ihren Truppenaufzug abgeschlossen haben
Ukraine-Konflikt: USA senden Truppen - Warnung an Russland vor „schrecklichen Folgen“
Österreich lockert stufenweise Corona-Maßnahmen
Politik

Österreich lockert stufenweise Corona-Maßnahmen

Der Höhepunkt der aktuellen Corona-Welle steht in Österreich noch bevor. Die Regierung wagt aber trotzdem schon eine Perspektive für die Zeit danach. Auch Hotelgäste …
Österreich lockert stufenweise Corona-Maßnahmen

Kommentare

Hinweise für das Kommentieren

Von Mo. bis Fr. in der Zeit von 18 bis 9 Uhr und am Wochenende werden keine neuen Kommentare freigeschaltet.
Bitte bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht.