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Umfrage: Das halten die Deutschen von Diesel-Fahrverboten

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Alle Augen auf den Diesel: Verkehrsminister Alexander Dobrindt begutachtet einen VW-Motor

Seit Monaten streitet die Nation über Diesel-Fahrverbote. Eine Umfrage zeigt nun: Für die Mehrheit der Deutschen sind sie absolut inakzeptabel. Nur eine Bevölkerungsgruppe sieht das anders.

München - Jahrzehntelang war das Diesel-Auto der Deutschen liebstes Kind: Kleiner Verbrauch, geringere Treibstoffpreise. So war es - bis der Diesel-Skandal die automobile Idylle störte: Autohersteller - allen voran VW - manipulierten Abgastestwerte; mit den wahren Daten gilt der Diesel nun auf einmal als Dreckschleuder Nummer eins. Vor allem Stickoxide blasen viele Autos über die Maßen in die Luft. Und tragen so dazu bei, dass Abgas-Grenzwerte in vielen deutschen Großstädten überschritten werden, etwa in München und Stuttgart. In 45 Städten könnten Klagen drohen.

Nun ist guter Rat ganz offenbar teuer: Auch zwei Jahre nach Bekanntwerden des Abgas-Skandals ringt die Politik mit der Industrie noch um eine Lösung. Teure Nach- und Umrüstungen für Motoren? Neue Software? Oder - als letztes Druckmittel - doch Fahrverbote in den Großstädten? Es geht um die Gesundheit der Stadtbewohner, aber auch um Arbeitsplätze und Unternehmsbilanzen. Für die großen Konzerne. Aber auch für kleine Betriebe, die mit ihren Dieselautos in die Städte fahren müssen.

Vieles ist in diesem Streit ungeklärt. Zumindest haben die Deutschen aber eine recht klare Meinung über Diesel-Fahrverbote, wie eine exklusive Erhebung der Ippen-Digital-Zentralredaktion zeigt: Eine Mehrheit der Befragten in der repräsentativen Umfrage lehnt Diesel-Fahrverbote kategorisch ab.

Eine Mehrheit würde Fahrverbote „nie“ akzeptieren

Fahrverbote für Diesel-Pkw in Großstädten: Unter welchen Umständen würden Sie das akzeptieren?

Nie.

34,0%

Wenn geplante Maßnahmen wie der Einbau von Filtern nichts bringen.

13,3%

Sobald die aktuell festgelegten Grenzwerte überschritten sind.

15,0%

Dazu möchte ich mich nicht äußern.

37,8%

Auf die Frage, unter welchen Umständen Diesel-Fahrverbote in Großstädten für sie akzeptabel wären, wählten 34 Prozent der Umfrage-Teilnehmer eine klare Antwort: „Nie.“

Auf der anderen Seite können sich 28,3 Prozent der Befragten unter bestimmten Umständen Fahrverbote vorstellen. 15 Prozent, wenn die festgelegten Grenzwerte überschritten werden - also notfalls auch sofort. 13,3 Prozent der Teilnehmer erklärten, ein Diesel-Stopp wäre für sie als Ultima Ratio akzeptabel. Dann nämlich, wenn die derzeit geplanten Maßnahmen, wie Software-Updates, nicht greifen. 37,8 Prozent der Teilnehmer wollten sich zu der Frage nicht äußern.

Nicht die Jungen sind pro Umweltschutz...

Spannend ist ein Blick auf die genaueren Daten der Erhebung. So sind es nicht etwa die jungen Deutschen, die zum Wohle von Umwelt und Gesundheit Diesel-Fahrverbote ins Auge fassen würden - sondern ausgerechnet die Alten. 

Nur 25,5 Prozent der Über-65-Jährigen lehnen Fahrverbote kategorisch ab. Insgesamt 41,8 Prozent von ihnen würden sich unter bestimmten Umständen darauf einlassen. Am größten ist der Widerstand hingegen unter den 18- bis 24-Jährigen. Hier könnten nur 17,7 Prozent Fahrverbote unter Umständen akzeptieren.

Und auch die beiden Geschlechter haben sehr unterschiedliche Standpunkte in Sachen Diesel. Der Anteil der kategorischen Ablehnung von Fahrverboten fällt unter Männern spürbar höher aus als unter Frauen - und offensichtlich sind die Herren in dieser Frage auch wesentlich emotionaler unterwegs: Während sich 46,8 Prozent der Frauen nicht zum Umfragethema äußern wollten, waren es unter Männern nur 29,4 Prozent, die eine Stellungnahme verweigerten.

Wer bekommt den Zorn ab: Industrie oder Politik?

Ob es schlussendlich in Deutschland zu Diesel-Fahrverboten in den Großstädten kommen wird - das bleibt derweil abzuwarten. Der Widerstand in der Bevölkerung und unter den Gewerbetreibenden ist zwar groß. Andererseits gibt es klare rechtliche Regelungen: In Stuttgart etwa hatte ein Gericht wegen der vielfachen Grenzwert-Überschreitungen schon ein Fahrverbot angeordnet. Bald soll geprüft werden, ob das Land Baden-Württemberg überhaupt Fahrverbotszonen einrichten darf - der letzte Schritt vor einem möglichen Fahrverbot.

Und dann bleibt auch noch die politische Dimension: Etwa die Frage, ob die Bürger Fahrverbote der Industrie und ihren Manipulationen anlasten würden - oder doch eher der Politik. In Bayern und Hessen wird schließlich 2018 ein neuer Landtag gewählt...

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fn

*Offenlegung zu Umfragen der Ippen-Digital-Zentralredaktion mit Unterstützung von Google Survey

Im Sommer und Herbst 2017 führt das bundesweite Redaktionsnetzwerk der Ippen-Digital-Zentralredaktion mehrere Umfragen durch. Das Redaktionsnetzwerk umfasst Merkur.de, hna.de, tz.de, rosenheim24.de, wa.de, kreiszeitung.de sowie rund 40 weitere Portale. Technisch werden die Umfragen von Google unterstützt und mit dem Dienst „Google Survey“ durchgeführt. Die Umfragen sind repräsentativ für die Bevölkerung Deutschlands. Dazu werden die Ergebnisse gewichtet; also entsprechend der tatsächlichen Verteilung von Geschlecht, Alter und Wohnort angeglichen. Die Sicherheitsstandards sind sehr hoch angesetzt: Die Umfrage werden per Zufall als Pop-Up und ohne feste URL auf unterschiedlichen Webseiten im Internet ausgespielt. Zudem wird durch ein sogenanntes Frequency Capping sichergestellt, dass Nutzer eine Umfrage nicht mehrfach zu sehen bekommen.

An der aktuellen Umfrage zur Akzeptanz von Diesel-Fahrverboten haben Ende September insgesamt 1.007 Internet-User aus ganz Deutschland teilgenommen. Antworten, die nicht eindeutig den verschiedenen demografischen Merkmalen der Nutzer zugeordnet worden konnten, wurden nicht in das finale Ergebnis aufgenommen. Ausgewertet wurden schließlich 794 Antworten.

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