Deutsche Ratspräsidentschaft

Umweltministerin Schulze will EU-Klimaziel verschärfen

Protest der Klimaschutzbewegung Fridays for Future. Im Pariser Klimaabkommen hatte sich die Weltgemeinschaft verpflichtet, die Erwärmung der Erde bei unter zwei Grad und möglichst bei nur 1,5 Grad zu stoppen. Foto: Christoph Schmidt/dpa
+
Protest der Klimaschutzbewegung Fridays for Future. Im Pariser Klimaabkommen hatte sich die Weltgemeinschaft verpflichtet, die Erwärmung der Erde bei unter zwei Grad und möglichst bei nur 1,5 Grad zu stoppen. Foto: Christoph Schmidt/dpa

Das wird eine der schwierigsten Aufgaben während der deutschen EU-Ratspräsidentschaft bis zum Jahresende: Ein ehrgeiziges neues Ziel zur Senkung der Treibhausgase in den nächsten zehn Jahren. Ministerin Schulze hofft auf ein Signal.

Berlin (dpa) - Bundesumweltministerin Svenja Schulze will binnen drei Monaten eine Festlegung der Europäischen Union auf ein deutlich verschärftes Klimaziel für 2030 erreichen.

«Wichtig ist mir, dass wir uns einigen, denn dieses Signal brauchen wir jetzt», sagte die SPD-Politikerin am Mittwoch vor einem informellen Treffen mit ihren EU-Kollegen in Berlin.

Es gebe gute Argumente für den Vorschlag der EU-Kommission, die Treibhausgase bis 2030 um mindestens 55 Prozent unter den Wert von 1990 zu senken. Bisher gilt minus 40 Prozent. Einige EU-Staaten hätten Sorge, ob ein strengeres Ziel erreichbar sei, räumte Schulze ein. Andere wollten mehr. Die Rolle des deutschen EU-Vorsitzes sei, zu vermitteln und bis Jahresende eine Einigung zu erzielen.

Dazu müssten die EU-Staaten eine gemeinsame Linie untereinander und auch mit dem Europaparlament finden. Dort hatte sich der Umweltausschuss auf ein Ziel von minus 60 Prozent festgelegt. Die Grünen fordern sogar minus 65 Prozent und begründen dies wissenschaftlichen Erkenntnissen zum Klimawandel, der ein schnelleres Umlenken nötig mache.

Schulze sagte jedoch, das Pariser Klimaabkommen von 2015 sehe ohnehin eine regelmäßige Überprüfung vor. «Alle fünf Jahre wird wieder hingeschaut.» Die EU hat bereits vereinbart, bis 2050 «klimaneutral» zu werden - das bedeutet, dass dann unter dem Strich keine Treibhausgase mehr in die Atmosphäre gelangen sollen. Dies soll nun in einem EU-Klimaschutzgesetz zusammen mit dem Etappenziel für 2030 festgeschrieben werden.

«Das Ziel von minus 55 Prozent reicht nicht aus, um die Klimaziele von Paris zu erreichen», kritisierte die Grünen-Bundestagsabgeordnete Lisa Badum. «Erst ab minus 65 Prozent gibt es da eine reelle Chance.» Das betonte auch Greenpeace bei einer Protestaktion am Rande des EU-Treffens in Berlin.

Im Pariser Klimaabkommen hatte sich die Weltgemeinschaft verpflichtet, die Erwärmung der Erde bei unter zwei Grad und möglichst bei nur 1,5 Grad zu stoppen. Dies soll gefährliche Folgen des Klimawandels wie Stürme, Dürren und Überflutungen in Grenzen halten. Bisher reicht der Klimaschutz weltweit dafür nicht aus. China hatte aber zuletzt ebenfalls mehr Anstrengungen zugesagt. Die Volksrepublik, derzeit größter Verursacher von Kohlendioxid weltweit, will bis 2060 klimaneutral werden.

Schulze hat die EU-Umweltminister im Rahmen der deutschen Ratspräsidentschaft zu dem zweitägigen Treffen nach Berlin geladen. Beschlüsse werden noch nicht erwartet.

© dpa-infocom, dpa:200930-99-769439/2

Mehr zum Thema

Das könnte Sie auch interessieren

Meist Gelesen

Kein Grund zur Panik und für Hamsterkäufe
Politik

Kein Grund zur Panik und für Hamsterkäufe

Landkreis Fulda rät: Bürger sollten Vorsorge für den Ernstfall treffen, denn neue "hybride Bedrohungslagen" wie Terror- und Cyberattacken sind gegeben
Kein Grund zur Panik und für Hamsterkäufe
Corona-Expertenrat: Weitere Schritte vorbereiten
Politik

Corona-Expertenrat: Weitere Schritte vorbereiten

An diesem Montag wollen Bund und Länder über weitere Corona-Strategien beraten. Der Expertenrat der Bundesregierung empfiehlt, sich für einen weiteren starken Anstieg …
Corona-Expertenrat: Weitere Schritte vorbereiten
Ukraine-Konflikt: Merz kritisiert Russland - lehnt Nato-Osterweiterung jedoch ab
Politik

Ukraine-Konflikt: Merz kritisiert Russland - lehnt Nato-Osterweiterung jedoch ab

Die USA und Russland machen sich in der Ukraine-Krise gegenseitig Vorwürfe. Kommt es bald zum Krieg? Gerüchte um Evakuierungen machen die Runde. Der News-Ticker.
Ukraine-Konflikt: Merz kritisiert Russland - lehnt Nato-Osterweiterung jedoch ab
Waffenlieferungen an die Ukraine? Deutschland bleibt bei „Nein“ - Schwere Vorwürfe sind die Folge
Politik

Waffenlieferungen an die Ukraine? Deutschland bleibt bei „Nein“ - Schwere Vorwürfe sind die Folge

Mit ihrem zurückhaltenden Kurs im Hinblick auf Waffenlieferungen zieht sich die Bundesregierung Unmut aus der Ukraine zu. Der Außenminister des Landes erhebt schwere …
Waffenlieferungen an die Ukraine? Deutschland bleibt bei „Nein“ - Schwere Vorwürfe sind die Folge

Kommentare

Hinweise für das Kommentieren

Von Mo. bis Fr. in der Zeit von 18 bis 9 Uhr und am Wochenende werden keine neuen Kommentare freigeschaltet.
Bitte bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht.